Mit drei Jahren Verspätung geht der Microlino endlich in den Verkauf. Ab Sommer 2022 werden die ersten Fahrzeuge ausgeliefert. Das hat die Schweizer Micro Mobility Systems AG Ende Mai auf einer Online-Präsentation mitgeteilt.

Die aktuell besten E-Autos

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
BMW iX
UVP ab 77.300 EUR, Ersparnis: bis zu 13.386  EUR
Kia EV6
UVP ab 44.990 EUR, Ersparnis: bis zu 14.069 EUR / im Leasing schon ab 274  EUR
Mercedes EQS
UVP ab 97.807 EUR, Ersparnis: bis zu 6152  EUR
Hyundai Ioniq 5
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.280 EUR / im Leasing schon ab 234  EUR
Audi Q4 e-tron
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.420 EUR / Leasing-Bestpreis: 89  EUR
Skoda Enyaq iV
UVP ab 34.600 EUR, Ersparnis: bis zu 11.584 EUR / Leasing-Bestpreis 124  EUR
Mazda MX-30
UVP ab 34.490 EUR, Ersparnis: bis zu 13.035 EUR / im Leasing schon ab 90  EUR
Smart EQ fortwo
UVP ab 21.940 EUR, Ersparnis: bis zu 8240 EUR / im Leasing schon ab 77  EUR
Tesla Model 3
UVP ab 46.560 EUR; Ersparnis: bis zu 7975 EUR / Leasing-Bestpreis 289 ,00 EUR
Opel Corsa-e
UVP ab 30.400 EUR; Ersparnis: bis zu 11.920 ,00 EUR
Volvo XC40 Recharge
UVP ab 48.650 EUR; Ersparnis: bis zu 9570 ,00 EUR

Die Pioneer Series kommt standardmäßig mit 10,5-kWh-Batterie, 177 km Reichweite und Schiebedach. AUTO-BILD-Redakteur Moritz Doka saß bereits im Vorserienfahrzeug und weiß, wie es fährt.
Microlino
Dank Schiebedach (Option) behält Redakteur Moritz Doka alles im Blick und stets einen kühlen Kopf.

Microlino maximal

Wie viel Platz braucht man eigentlich, um alleine von A nach B zu kommen? Ist ein Kompakter, ein Kombi oder gar ein SUV überhaupt nötig? Für die meisten Alltagsstrecken wohl nicht, wenn wir ehrlich sind. Im Prinzip reichen zwei Sitze und etwas Stauraum meistens aus. Und genau hier soll der Microlino ansetzen. Mit dem kleinen Elektro-Gefährt will die Schweizer Firma Micro gegen den Trend immer größer werdender Autos schwimmen und zeigen, was Mobilität auch sein kann. Ob das was ist? AUTO BILD hat es ausprobiert! (Alle Infos zur Umweltprämie für Elektroautos.)

Kabinenroller der 1950er als Vorbild

Ortstermin in Zürich. Micro sitzt im Obergeschoss eines großen Einfamilienhauses, im Erdgeschoss eine Karosseriespenglerei. Und davor: lauter bunte Kugeln namens Microlino. Schon beim Anschauen musst du grinsen. "Wir wollten ein zeitloses Design, angelehnt an die Kabinenroller der 1950er", erklärt Merlin Ouboter, CMO von Micro. Mit der vorne angeschlagenen Tür werden natürlich vor allem Erinnerungen an die Isetta wach. Ein Abklatsch ist der Microlino aber nicht. Durchgehende Leuchtenbänder vorne und hinten und in die Außenspiegel integrierte LED-Scheinwerfer lassen ihn modern wirken.
Microlino
Im Gegensatz zu den ersten Prototypen setzt der Serien-Microlino auf selbsttragende Karosserie statt Gitterrohrrahmen.

Unser Testfahrzeug ist matt-grau und noch ein Prototyp. Tür auf, reinsetzen. Lenkrad und Lenksäule stehen fest, Platz nehmen wir auf einer durchgehenden Sitzbank. Typisch Prototyp fehlt noch etwas Verkleidung, weshalb wir vom Cockpit noch keine Fotos machen dürfen. Hinter dem Lenkrad sitzt ein Digitalcockpit, ein weiteres kleines Display in einer Halterstange in der Tür. Sogar Heizung, Bluetooth-Musikbox, Smartphone-Halterung und Sitzheizung gibt es. Annehmlichkeiten sind also schon einmal vorhanden, selbst wenn der Microlino im Fahrzeugausweis als Motorrad eingestuft ist.

Der Microlino macht auch mit 20 PS richtig Laune

Jetzt aber Handbremse lösen, Gangwahlrad auf "D" und ab dafür. Schnell wird klar: Der 15-kW-Elektromotor (20 PS) hat mit den rund 450 kg Leergewicht leichtes Spiel. Selbst mit zwei Personen an Bord sind 50 km/h bergauf kein Problem. Maximal sind 90 km/h drin, was sich in dieser Kugel aber massiv schneller anfühlt.
 
Microlino
Das matte Grau macht den Microlino noch auffälliger. Kommentar einer Passantin: "Sieht aus wie ein kleiner Panzer."

Kurven? Spaßig! Dank relativ breiter hinterer Spur und Einzelradaufhängung lässt sich der Microlino ganz passabel ums Eck schmeißen, die Lenkung ist servolos und schön direkt. Im von uns gefahrenen Prototyp ist es mangels Dämmung noch recht laut. Das wird zur Serie aber noch genauso verbessert wie die zu hohe Sitzposition.

Reichweite von maximal 200 Kilometer

Hervorragend schon jetzt ist dagegen der enorme Sympathie-Faktor. Die Leute recken die Hälse, zücken ihre Smartphones, schauen hinterher. Auffälliger waren wir mit 2,4 Metern Länge selten unterwegs. Apropos Größe: Neben zwei Personen findet im Microlino auch Gepäck Platz. Zwei Getränkekisten sollten für den Kofferraum kein Problem sein.
 
Microlino
Mit Schiebefenstern und manuellem Faltdach findet der Microlino zurück zur Einfachheit. Mehr brauchtes hier nicht.
Wir müssen den Rückweg zur Homebase antreten, im Akku wäre aber noch Saft für mehr. Maximal 125 Kilometer Reichweite gibt Micro für den 8-kWh-Akku des Prototyps an, 200 Kilometer bei 14,4 kWh. Geladen ist das Gefährt in rund vier Stunden an der Haushaltsteckdose. Alle Infos zu Zuschüssen für die Wallbox.

Preis: etwas mehr als 12.500 Euro

Es wird schon fleißig produziert in Turin. Und ab Sommer dieses Jahres liefert Micro die Pioneer Series aus. Aber erst einmal nur in die Schweiz. Danach sind Kunden aus Deutschland und Italien an der Reihe. Sie bekommen ihren Microlino im letzten Jahresviertel 2022. Oder im ersten Quartal des Folgejahres. Dann aber auch in den Varianten Dolce (für die Retro-Liebhaber) und Competizione (für die Futuristen). Rest-Europa muss sich bis 2023 verdingen. Die Basisversion "Urban" mit 6-kWh-Batterie und 91 km Reichweite wird nicht vor Sommer 2023 zu haben sein. Der Preis soll letzten Informationen zufolge etwas mehr als 12.500 Euro betragen. 

Fazit

Ein vollwertiges Auto kann und soll der Microlino nicht sein, und noch ist bis zum Serien-Produkt etwas zu tun. Doch schon der Prototyp wirkt vielversprechend und fährt spaßig. Umso mehr sind wir gespannt auf die Serienversion, denn als Zweitwagenersatz für Kurzstrecken und den Weg zur Arbeit kann das Konzept aufgehen.

Von

Jakob Gierth