Microlino: Retro-Isetta mit Elektroantrieb

Microlino: Lieferbeginn, technische Daten, Preis

Alle Infos zum Isetta-Erben Microlino

Der Microlino wird zum Frühlingsboten: Der elektrische Nachfolger der BMW Isetta wird dann in der Schweiz ausgeliefert. Deutsche Kunden müssen noch etwas warten.
Elektrisch und sauber in den Frühling: Wenn die Tage wieder wärmer werden, soll der Microlino, inoffizieller Isetta-Nachfolger mit E-Antrieb, an die ersten Kunden in seiner Heimat Schweiz geliefert werden. Das bestätigte Oliver Ouboter, Geschäftsführer der Firma Micro Mobility Systems, AUTO BILD Digital. Nach seinen Worten liegen bereits 11.500 Vorbestellungen – auf Schweizerisch "Reservationen" – für die bunte Knutschkugel mit bis zu 200 Kilometern Reichweite vor. Produziert werden soll der Microlino mithilfe von Artega im nordrhein-westfälischen Delbrück. Der E-Sportwagenhersteller übernahm die Produktionsrechte vom italienischen Zulieferer Tazzari und will einem WDR-Bericht zufolge drei Millionen Euro in einer Fertigungshalle investieren sowie 50 neue Arbeitsplätze schaffen. 

8000 Fahrzeuge pro Jahr möglich

Die neue Fabrik in Delbrück hat mit rund 8000 Fahrzeugen jährlich eine größere Kapazität als der alte Standort in Imola. 2019 indes sollen vorerst nur 1500 Fahrzeuge gebaut werden, "um auch eine hohe Qualität sicherstellen zu können", wie Ouboter mitteilte. Deutsche Kunden, die reserviert haben, müssen noch ein wenig länger warten: Die ersten Auslieferungen für sie sind für den Herbst 2019 geplant.

Technische Daten: 20 Elektro-PS und 90 km/h Spitze

Fast wie die Isetta: Das Design stammt von Marco Brunori. BMW hat sich noch nicht beschwert.

Bereits Anfang 2018 hatte Micro ein seriennahes Modell präsentiert. Es hat wie sein Vorbild eine geringere Spurbreite hinten, nur eine Tür und eine durchgehende Sitzbank für zwei Personen. Dazu aber statt eines Motorradmotors einen 15 kW (20 PS) starken Elektro-Antrieb. Der soll für 90 km/h und einen "Sprint" in fünf Sekunden von 0 auf 50 reichen. Es gibt zwei Lithium-Ionen-Batteriepacks (8 kWh/14,4 kWh) für 125 oder 200 Kilometer, die an einer 6-kW-Ladesäule in einer respektive zwei Stunden wieder zu 80 Prozent voll sein sollen.

Preis: so teuer wird der Microlino

Schon auf dem Autosalon Genf 2016 war der Microlino eine Sensation, auf der IAA 2017 stand ein Prototyp. Der wog leer 450 Kilogramm, mit gut 2,40 m Länge war er etwas länger (und zudem etwas breiter) als die Isetta, aber kürzer als ein Elektro-Smart (2,69 m). In den Kofferraum (300 l) sollen vier Kisten Bier passen. Geführt wird der Schweizer Stromer wie der Renault Twizy in der seltenen Fahrzeugklasse L7e, ein Airbag ist keine Pflicht, soll aber lieferbar sein. Der Preis soll letzten Informationen zufolge rund 12.000 Euro betragen. Das elektrische Kleinauto wird in acht Farbkombinationen zu kaufen sein. 

Gebrauchtwagensuche: Elektroautos

"Ein Auto wollte ich nicht bauen"

Doppelfunktion: Die Rückspiegel sind zugleich Scheinwerfer.

Die Herkunft des Microlino ist durchaus kurios: "Das ist kein Auto", schrieb Firmengründer Wim Ouboter 2016 in Großbuchstaben ans Genfer Messe-Podest. Micros Hauptgeschäft waren bislang Tretroller (Scooter) und Skateboards mit Lenker (Kickboards) für Kinder, Erwachsene und Jugendliche. Das soll sich nun ändern. Aber: "Ein Auto wollte und will ich nicht bauen", sagt Ouboter. Unterm Strich ist der Microlino ein besserer Einkaufswagen für die Stadt, mehr nicht. Was durchaus authentisch ist: Schon die 1955 eingeführte Isetta war kein vollwertiges Auto für die große Urlaubsfahrt, sondern ein Gefährt zwischen Motorrad und Personenkraftwagen – ein Kompromiss aus großem Fernweh und kleiner Geldbörse. Aber auch ein knatterndes Spaßmobil, das der Volksmund nicht ohne Grund liebevoll "Knutschkugel" taufte.


Microlino: Retro-Isetta mit Elektroantrieb

Autoren: Claudius Maintz,

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