Wer ihn im Rückspiegel sieht, der denkt zwangsläufig erstmal: Da kommt die Polizei!
Aus der Nähe wird jedoch klar: Mit den echten Ordnungshütern hat dieser gelb-blau-silber folierte Passat 3C aus dem Jahr 2006 recht wenig zu tun – vielmehr werden sie vom Besitzer vorgeführt, steht auf dem Nummernschild doch tatsächlich AC-AB, die weit verbreitete Abkürzung für "All cops are bastards" (übersetzt: "Alle Polizisten sind Bastarde").

Fake-Streifenwagen sorgt für Wirbel

"Frage mich wie sowas eine Zulassung bekommen hat?", twittert vergangenes Wochenende deshalb ein Twitter-User, der das Fahrzeug auf der Bundesautobahn 10 in Brandenburg gesichtet und fotografiert hat - und verlinkt zu seiner Frage gleich die Profile der ortsansässigen Polizei sowie die zuständige Zulassungsstelle. Der Tweet wurde mittlerweile über 222.000 Mal gesehen und sorgt im Internet für mächtig Furore.
Auto sieht aus wie Streifenwagen
Dieser Mann hat ein, sagen wir mal, ausgefallenes Hobby...
Bild: olli_zei/instagram

Noch mehr Gesprächsstoff dürften aber die Aussagen des Halters machen, den die BILD-Zeitung ausfindig gemacht hat: Denn Oliver W. (34) aus dem brandenburgischen Königs Wusterhausen fährt seit 2019 bereits das dritte Fahrzeug dieser Art: "OLLI_ZEI" statt Polizei steht auf diesen, wobei die ersten beiden Exemplare mittlerweile verkauft wurden.
Kurios: Der selbsternannte Polizei-Fan bewarb sich früher sogar mal tatsächlich um einen Job als Ordnungshüter: "Leider bin ich dann unter anderem an den sportlichen Voraussetzungen gescheitert", verrät W., der sich mit seinem ausgefallenen Auftritt nun als Influencer versucht.

Trick ermöglicht provokante Kennzeichen

Hauptberuflich fährt der zweifache Familienvater mittlerweile Kita-Essen aus, ist also entsprechend viel auf der Straße unterwegs - und beteuert in Bezug auf sein ungewöhnliches Hobby: "Das ist alles total legal. Die Folierung ist nicht verboten. Sie darf nur nicht reflektieren wie die originale Polizei-Folierung. Und ich darf natürlich nicht Polizei draufschreiben."
Auch die provokanten ACAB-Nummernschilder sind rechtens, in Aachen wird die Kombination ganz legal vergeben - wobei sich W. in diesem Fall eines kleinen Tricks bedienen musste: "Ich habe einen Fahrzeug-Anmeldedienst in Aachen ausfindig gemacht, der hat die Autos erst auf seine Adresse für mich angemeldet. Dann musste ich die Fahrzeuge nur noch ummelden."
Auto sieht aus wie Streifenwagen
Mit seinem Auto führt Oliver W. die Polizei ganz schön vor.
Bild: olli_zei/instagram

Ob er damit allerdings langfristig durchkommt, ist nach seinem jüngsten öffentlichkeitswirksamen Auftritt zumindest fraglich: Denn mittlerweile ermittelt die Polizei in Zusammenarbeit mit der zuständigen Zulassungsbehörde zum Zwecke einer abschließenden rechtlichen Beurteilung des Vorgangs.

Echte Polizei hat keine Handhabe

Was das Auto selbst betrifft, sind den Beamten aber tatsächlich die Hände gebunden. Polizeisprecherin Stefanie Klaus erklärt der BILD: "Eine Amtsanmaßung nach § 132 StGB kann allein auf Grundlage des Bildes (auf Twitter; d. Red.) nicht bejaht werden. Um den Tatbestand der Amtsanmaßung zu erfüllen, muss man sich als Amtsinhaber ausgeben und eine Handlung vornehmen, die sich als Ausübung eines Amtes darstellt."
Dafür fehle es schlicht an Anhaltspunkten, so die Sprecherin - wenngleich W. mit einem derartigen Delikt bereits Erfahrungen gesammelt hat, wie er selbst zugibt: "Ich musste mal eine Geldstrafe wegen Amtsanmaßung bezahlen, weil ich mich mit Polizeikleidung im Internet gezeigt habe, wo das Emblem sichtbar war. Das ist verboten." Anders als offensichtlich sein OLLI_ZEI-Passat...