Ford Escort RS Cosworth (1992) wird versteigert
Ford Escort RS Cosworth mit prominentem Vorbesitzer

Bild: https://www.iconicauctioneers.com
Top Gear- und Ford-Fans aufgepasst: Dieser Escort RS Cosworth ist gleich in mehrerlei Hinsicht besonders. Das Homologationsmodell ist nicht nur eines von drei jemals gebauten Vorserienfahrzeugen, es gehörte auch einst Jeremy Clarkson. Ende August wird der schnelle Ford vom Auktionshaus "Iconic Auctioneers" im Rahmen der "The Iconic Sale at Silverstone Festival 2024"-Auktion versteigert. Der Schätzpreis liegt bei umgerechnet etwa 75.000 bis 90.000 Euro!
Ein Ford Escort für 90.000 Euro fragen Sie? Ja! Denn bei dem seltenen Homologationsmodell handelt es sich nicht um irgendeinen Escort, sondern um eine waschechte Rallye-Ikone. Um die Bedeutung und den technischen Aufwand, der hinter dem wilden RS Cosworth steckt, zu verstehen, müssen wir viele Jahre zurückgehen.
Der Escort RS ist ein Homologationsmodell
Ende der 80er-Jahre war der Ford Sierra Cosworth technisch überholt. Etwas Neues musste her, um in der Rallye-WM ein Wörtchen mitzureden. Also stülpte Ford kurzerhand die Karosserie des Escort MK V auf die technische Basis des Sierra Cosworth, und fertig war das neue Rallye-Geschoss. Klingt in der Theorie einfach, war aber natürlich ein enormer Aufwand.

Vom Escort RS Cosworth wurden 7145 Stück gebaut, wobei nur die ersten 2500 Exemplare (bis Mai 1994) als Homologationsmodelle gelten.
Bild: https://www.iconicauctioneers.com
Für die Homologation des Rallyefahrzeugs war damals eine Straßenversion nötig und so kam 1992 der Ford Escort RS Cosworth auf den Markt, der mit einem gewöhnlichen Escort allerdings nur noch das Dach und ein paar kleinere Details gemein hat.
Damit auch Laien erkennen, dass dieser Escort nicht von der Stange ist, verpasste Ford dem Kompakten extrabreite Backen, zusätzliche Luftschlitze in der Haube, neue Schürzen und 16-Zoll-Fünfspeichenfelgen von Ronal. Doch da ist noch etwas: Der gigantische Heckflügel! Von Fans liebevoll "Whale-Tail" genannt, ist er das Erkennungszeichen des RS Cosworth schlechthin.
7145 Stück gebaut
Um das Rallyeauto zu homologieren, waren 2500 Straßenautos nötig, am Ende baute Ford aber insgesamt 7145 Escort RS Cosworth, wobei nur die frühen Fahrzeuge bis Mai 1994 als Homologationsmodelle gelten. Der größte Unterschied zwischen den frühen Homologationsmodellen und den späteren Cossies betraf den Turbolader. Der zu Beginn verbaute Garrett-T3/T04-Lader lieferte zwar etwas mehr Leistung, hatte aber auch ein riesiges Turboloch vor 3500 U/min. Später wurde er gegen einen kleineren Garrett T25 getauscht, der die Fahrbarkeit deutlich verbesserte.

Der Vierzylinder-Turbo leistet offiziell 227 PS. Durch den Entfall des Kats dürften es bei diesem Exemplar noch ein paar Pferde mehr sein.
Bild: https://www.iconicauctioneers.com
In allen Versionen des Escort RS Cosworth steckt der gleiche 2,0-Liter-Vierzylinder (Cosworth YBT), der in den ersten Modellen bis zu 227 PS und 304 Nm Drehmoment lieferte. Mit dem T25-Turbo soll die Leistung marginal auf 224 PS gesunken sein.
Beeindruckende Fahrleistungen
Dank des permanenten Allradantriebs mit 34-/66-Verteilung sprintete der handgeschaltete und nur 1275 Kilo leichte RS in 5,7 Sekunden auf 100 km/h – noch heute ein Topwert und ein Fabelzeit für das Jahr 1992. Als Topspeed gab Ford 232 km/h an, ohne den großen Flügel sollen sogar 237 km/h möglich gewesen sein.
Einer von nur drei Prototypen
Das hier gezeigte Exemplar in der Außenfarbe "Mallard Green" gehört aber weder zur ersten, noch zur zweiten Serie des RS Cosworth. Stattdessen sprechen wir hier über einen von nur drei Prototypen. Diese drei Vorserienfahrzeuge unterscheiden sich in erster Linie durch den Entfall des Kats von den Autos der späteren Kleinserie, dürften also noch ein paar PS mehr haben. Wieso bei den Prototypen der Katalysator entfiel, ist übrigens bis heute ein Rätsel.

Den Escort RS Cosworth gab es auch ohne den großen Flügel, dabei ist er doch das wesentliche Erkennungsmerkmal des Topmodells.
Bild: https://www.iconicauctioneers.com
In Ford-Kreisen wird gemunkelt, dass die Produktionskosten für diese drei Prototypen bei damals rund 250.000 britischen Pfund, also umgerechnet knapp 300.000 Euro, pro Auto gelegen haben sollen.
Der RS wurden von Jeremy Clarkson gefahren
Aber das ist nicht die einzige Besonderheit an dem dunkelgrünen Escort RS Cosworth mit dem Kennzeichen K38 FMC. In den 90er-Jahren überließ Ford den Escort keinem geringeren als Jeremy Clarkson, seinerzeit Motorjournalist und noch nicht ganz so bekannt wie heute. Clarkson nannte das Auto liebevoll Cossie und widmete ihm mehrere Artikel – ein cleverer, erster Marketing-Schachzug von Ford.

In den letzten 32 Jahren wurde der Cossie ordentlich bewegt, dabei aber stets gut gepflegt. Umgerechnet stehen 132.793 Kilometer auf dem Tacho.
Bild: https://www.iconicauctioneers.com
Im Anschluss wurde der Escort als Hauptgewinn eines Top Gear-Gewinnspiels verlost. Der glückliche Gewinner durfte den RS für ebenfalls für ein Jahr fahren, und zwar völlig kostenlos, sogar die Versicherung wurde übernommen.
Einige Jahre später kreuzten sich die Wege des Escort und Clarkson erneut, als er sein altes Auto für seine TV-Show "Clarkson's Car Years" auf einer Straße namens "Buttertubs Pass" in North Yorkshire fuhr. Sein damaliges Urteil fiel eindeutig aus: "Eine meiner Lieblingsstraßen trifft auf eines meiner Lieblingsautos".

Die eine oder andere Gebrauchsspur bleibt bei über 130.000 Kilometern nicht aus, doch der Gesamtzustand scheint zu passen.
Bild: https://www.iconicauctioneers.com
Später ging der Escort RS Cosworth an einen Sammler, der das Auto viele Jahres behielt und pflegte. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Escort RS Cosworth trotz einer vergleichsweise hohen Laufleistung von umgerechnet 132.793 Kilometern (82.514 Meilen) im äußerst gepflegten Originalzustand präsentiert.
Schätzpreis zwischen 75.000 und 90.000 Euro
In Vorbereitung auf die bevorstehende Auktion am 24. August wurden kürzlich einige Teile wie Felgen und Reifen sowie der Dachhimmel erneuert. Außerdem wurde die gesamte Bremsanlage überholt, sodass der Cossie fahrbereit auf seinen nächsten Besitzer wartet. Der sollte allerdings das nötige Kleingeld mitbringen, denn der Schätzpreis liegt bei umgerechnet 75.000 bis 90.000 Euro (65.000 bis 75.000 britische Pfund) plus Gebühren und Steuern. Dafür gibt es aber auch ein Auto über das Jeremy Clarkson gesagt hat, das es zu seinen absoluten Favoriten gehört!
Service-Links










