Große Vans sind out. Stehen bei den Händlern wie Blei. Ob Renault Espace oder Chrysler Voyager – riesige Raumautos, einst noch die Traumautos aller Familien, sind schwer aus der Mode gekommen. Nur einer trotzt dem Trend: der Ford S-Max. Der dynamischere Bruder des Galaxy erobert nicht nur Kundenherzen, sondern wurde im AUTO BILD-Dauertest auch zum Liebling der Redaktion. Einer, der alles konnte – der Super-Max. Sein großes Können war im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet: Der S-Max gewann als erstes Raummobil überhaupt "Europas Auto 1". Unser Test-Max glänzt mit schnörkelloser Karosse, frei von jeder Van-Klobigkeit, in modischem Champagner-Metallic.

Auf einen Blick: alle AUTO BILD Dauertests

Ford S-Max 2.0 TDCi Trend
Armaturen im Alu-Look: Die vielen Lenkradtasten verwirren, das Blaupunkt-Navi arbeitet langsam.
Angetrieben vom kräftigen 140-PS-Diesel (natürlich gefiltert), der seine Kraft locker aus dem Ärmel schüttelt. Dazu liefert die Sechsgang-Handschaltung passgenaue Anschlüsse und die "Trend"-Ausstattung einen angenehmen Schuss Reise-Luxus. Der Dauertester hatte zusätzlich Bi-Xenon-Licht, Blaupunkt-Navi, verstellbares Fahrwerk, dritte Sitzbank und Anhängekupplung. S-Max. S wie super, stark und saubequem. Vier Personen reisen sehr komfortabel, haben Bewegungsfreiheit ohne Ende. Die zwei Stühle der dritten (Aufpreis-)Reihe sind Erwachsenen nicht zumutbar, bei Kindern bis zwölf Jahre aber schwer umkämpft. Eine willkommene Platzreserve, wenn vor der Schule plötzlich zwei Kleine mehr mitwollen. Der restliche Gepäckraum schrumpft dadurch auf 285 Liter. Super wiederum die Falttechnik der Rücksitze: Vom Siebensitzer-Kleinbus zum Möbelwagen benötigt der S-Max nur wenige Handgriffe. Ganz ohne Blick in eine Anleitung sind die Stühle versenkt – und schnell wieder aufgeklappt.
Ford S-Max 2.0 TDCi Trend
Der Ford S-Max hat sich auch als Zugfahrzeug gut bewährt. 1750 kg darf er ziehen (gebremst).
Probleme gibt es nur beim Reinigen. In den vielen Versenkungen verschwinden Bonbonpapiere, Münzen, Schlüssel oder ganze Handys. Bei ersten Reinigungs-Aktionen erwiesen sich die Bodenbeläge als echte Fussel-Fallen, die selbst den stärksten Staubsauger aufgeben lassen. An der Ampel sahen sportliche Papas manchmal alt aus: Der Diesel ließ sich beim Anfahren sehr leicht abwürgen, eine geänderte Motorsteuerung soll die Schlappe behoben haben. Ansonsten gab es viel Lob: "Auf der Autobahn eine Freude. Unter acht Liter, über 200 km/h", attestierte nach einer ersten 800-Kilometer-Dienstreise Redakteur Joachim Staat. Kollege Jürgen von Gosen ergänzt: "Schönes Langstreckenauto, auch bei flotter Fahrt kaum über acht Liter zu bringen!"

Durchschnittsverbrauch auf 100.000 km: 8,6 Liter Diesel

Ford S-Max 2.0 TDCi Trend
Ein begehrtes Langstreckenauto in der Redaktion: der durchzugsstarke Ford S-Max.
Zu viel des Lobes? Unsere Abschlussmessung ermittelte einen für Wagengröße und -gewicht (leer 1,8 Tonnen) erstaunlich niedrigen Verbrauch von 6,7 Litern. Der Mittelwert von 8,63 Liter Diesel über die gesamte Dauertest-Distanz zeigt, dass der S-Max meist den Eilboten spielen musste. Mal eben Sachspenden und Medikamente nach Siebenbürgen bringen, Redaktionsgäste vom Flughafen abholen oder ein halbes Fotostudio in den Süden transportieren. Die 100.000 Kilometer vergingen wie im Fluge. Supermänner, -frauen, -kinder und -hunde ergriffen wohlwollend Besitz von der luftigen S-Max-Hütte. Lobten die exakte Lenkung, das geringe Geräuschniveau bis Richttempo 130 (darüber umweht der Fahrtwind lautstark die A-Säulen), die Beinfreiheit in der zweiten Reihe und den großen Kofferraum.

Lästiges Piepsen vom Park-Pilot

Die meiste Kritik heimste das "Park-Pilot"-System (Aufpreis) ein. Es erleichtert zwar das Einparken der naturgemäß unübersichtlichen Karosse, dafür nervt sein dauerndes Piepkonzert. Das sich zwar abschalten lässt, bei jedem Gangwechsel aber erneut automatisch aktiviert wird und loslärmt. Auch die elektrische Parkbremse (Aufpreis) erntete Kritik, schien mit ihrer zusätzlichen Aufgabe als Berganfahrhilfe häufig überfordert. Die Software ist mittlerweile geändert worden. Über das "Interaktive Fahrwerksystem" wurde im Kollegenkreis sehr viel diskutiert. Eigentlich gut gedacht, im Prinzip aber verzichtbar, zumal die Bodenfreiheit durch das "IVDC" um 15 Millimeter verringert wird. So beließen es die meisten Fahrer bei der "Normal"-Stellung und genossen auf diese Weise den besten Komfort-Kompromiss.

Extremer Seitenhalt

Ford S-Max 2.0 TDCi Trend
Bis zu sieben Sitze: perfekte Falttechnik, einfach zu kapieren und zu betätigen. Ganz hinten warten zwei kleine, flache Einzelsitze.
Den es auch auf den beiden Frontstühlen einzugehen gilt: Die serienmäßigen "Sportsitze mit verstärktem Seitenhalt" klemmen auch schlankeren Personen auf Langstrecken die Pobacken ein, die Seitenwülste der Sitzflächen sind zu ausgeprägt geraten. Ford, die tun was, hieß es einst einprägsam. Beim S-Max tat sich mit den Kilometern noch was: Die Frontscheibenheizung fiel aus, kleine Schwächen schlichen sich ein. Knispelgeräusche hier, lose Verkleidungen da, Kratzer auf empfindlichem Plastik dort. Nichts Schlimmes, aber ein Zeichen, dass die Langzeit-Qualität verbessert werden muss. Ansonsten dürfen wir attestieren: Super, Max.

An Motor und Getriebe sind 100.000 km fast spurlos vorübergegangen

"Sieht aus wie frisch aus der Produktion gerollt." DEKRA-Sachverständiger Anton Schmidt zeigt sich nach der endoskopischen Hohlraumuntersuchung hochzufrieden. Ford gibt zwölf Jahre Durchrostungsgarantie, die dürfte der S-Max problemlos überstehen. Ebenso das lange Wechselintervall für den Zahnriemen (200.000 km oder zehn Jahre). Das Material wirkt nach optischer Überprüfung makellos. Insgesamt hat die Technik des Vans den Dauertest gut verkraftet. Nur an einigen Stellen zeigen sich Spuren der Belastung. An Schwungrad und Druckplatte der Kupplung weisen Verfärbungen auf die eingesetzte Kraft (320 Nm) hin. Die Krümmerdichtung beginnt undicht zu werden. Leichte Oberflächenkorrosion findet sich an einigen Elektroanschlüssen, die Kontaktflächen sind davon aber nicht betroffen. Offenbar völlig spurlos ist der Test an Motor und Getriebe vorbeigegangen. Prognose: "Die Aggregate sind gut genug für die doppelte Strecke."

Detailschwächen im Innenraum

Ab der zweiten Reihe beginnt die große Vielfalt: Serienmäßig hat der S-Max drei umklappbare, längs verstellbare Einzelsitze mit neigungsverstellbaren Rücklehnen. Muss der Ford transportieren, legt sich die Sitzreihe mit zwei Handgriffen flach zum glatten Ladeboden. Das Ganze funktioniert auch nach zwei Jahren hartem Testeinsatz noch problemlos. Ebenso die bei Kindern beliebte dritte Sitzreihe (1180 Euro Aufpreis). Nicht ganz billig ist IVDC, eine elektronische Stoßdämpferverstellung, kombiniert mit dreifach einstellbarem Sportfahrwerk. Im Normalmodus bewältigt S-Max den Alltag. Geht’s zügig und beladen über die Autobahn, empfiehlt sich die Sport-Variante. Comfort eignet sich nur für Schunkel-Fans. Schwächen zeigt der intensiv genutzte Van im Innenraum. Die glänzenden Einsätze im Armaturenbrett sind hässlich zerkratzt, der Knieairbag ist hinter der aufklaffenden Verkleidung sichtbar. Die Sitzbezüge der Vordersitze sind auf der Rückseite aus ihren unteren Befestigungen ausgehängt, das hintere Sonnenschutzrollo rastet nicht mehr ein. Diverse Verkleidungen der Sitzgestelle haben sich während des Dauertests still verabschiedet, sind teilweise in Staubsaugern verschwunden.

Das sagt Ford zu den festgestellten Mängeln

... zur Anfahrschwäche:
Zur Abhilfe wurde ein Software-Update herausgegeben. Die Elektronik erkennt seitdem an der Pedalstellung der Kupplung, wenn es zu einer Anfahrsituation kommt, und erhöht sofort leicht die Leerlaufdrehzahl.
... zum Loch im Schaltsack:
Hierzu kann es durch einen Anschlag von der Rückwärtsgangbetätigung kommen. Zwischenzeitlich wurden sowohl dieser Anschlag als auch der Schaltsack selbst verändert.
... zur Frontscheibenheizung:
Es gab Qualitätsprobleme beim Zulieferer. Diese wurden frühzeitig ausgeräumt. Betroffene Kunden bekommen auf Kulanz eine neue Scheibe.

Das sagen die Leser

"Fährt sich super" Der S-Max ist sportlich, hat viel Platz und liegt super auf der Straße. Verbräuche von 5,5 l Diesel sind bei normaler Fahrweise drin. Mängel nach 45.000 Kilometern: ein defekter Fensterheber ersetzt, neue Software zur Ölwechselanzeige und für die Servolenkung aufgespielt. Uwe Reichenbach, Mockrehna
"Eine Empfehlung" Mein aktueller Kilometerstand: 92.453. Außer regelmäßiger Wartung wurden nur ein zusätzlicher Ölwechsel und ein Satz Bremsklötze nötig. Der S-Max fährt sich sportlich wie ein Audi, nur viel sparsamer. Horst Deingruber, Balingen
"Kauf nicht bereut"
Nach 31.000 Kilometern noch keine Panne, aber einige ungeplante Werkstattstopps. Mehrmals forderte der Bordcomputer einen Ölwechsel, obwohl erst kurz vorher eine Wartung durchgeführt wurde. Die Windschutzscheibenheizung fiel teilweise aus. Sonst bin ich sehr zufrieden. Der Verbrauch (7,7 l) ist super, Platz bietet der S-Max unheimlich viel. Einziges Manko: die Durchzugsschwäche beim Anfahren. Wolfgang Fürst, Rockenberg
"Touran abgelöst"
Kaufentscheidend war für uns neben Platzangebot und Fahreigenschaften die Preisgestaltung der freundlichen und kompetenten Ford-Verkäuferin. Im Vergleich zum geräumigen Touran bietet der S-Max irre viel Platz, läuft sehr leise und federt für einen Van sehr komfortabel. Der Verbrauch ist allerdings mindestens einen Liter höher als versprochen (8–9 Liter). Dagegen ist im direkten Vergleich das DSG-Getriebe von VW technisch die bessere Wahl. Peter Lovas, Ulm Automatik

Fazit

Ford, die können das  Komisch, immer wenn Ford in Köln ein Auto eigenständig entwickeln darf, wird es ein Erfolg. Der S-Max verkauft sich super. Er kann alles, was vom Van verlangt wird: einladen, transportieren, ruck, zuck umbauen usw. Sein Raumkonzept mit den pfiffigen Klapp sitzen ist unübertroffen. Außerdem bringt sein Fahrwerk ungewöhnlich sportliches Talent mit – der macht richtig Freude. Dann noch sein schicker Auftritt und der kräftige, sparsame Motor – fertig ist der Super-Max. Auch der hat Schwächen, etwa die Anfahrschwäche oder die Qualität im Detail. Aber was wäre ein Held ohne kleine Macken?

Von

Manfred Klangwald