Die französische Lichtgestalt ist schwer sauer. Gestern erst wurde bekannt, dass Alain Prost (66) seinen Job als Berater beim Formel-1-Team Alpine aufgibt. Jetzt erklärt der viermalige Weltmeister die Gründe. Wobei es dort eher nur einen gibt: Alpine-CEO Laurent Rossi, der neben der Sportwagenmarke auch für das Formel-1-Projekt verantwortlich ist.
Prost in der französischen Sportzeitung L'Equipe: „Rossi hat mir gesagt, dass er keinen Rat mehr braucht.“ Diese Aussagen sorgen besonders in Frankreich für mächtig Wirbel.
Prost kam als Berater zu Renault, als die Franzosen 2015 das Formel-1-Team mit Sitz in Enstone zurückkauften. 2019 wurde er zum „Nicht-geschäftsführenden Direktor“ des F1-Projekts ernannt und hatte damit eine ähnliche Position inne wie einst Niki Lauda bei Mercedes.
Mehr noch: Der „Professor“, wie Prost aufgrund seiner analytischen Vorgehensweise genannt wird, hat mit Renault auch eine überaus erfolgreiche Vergangenheit. Er fuhr von 1981 bis 1983 für Renault in der Formel 1, gewann neun Rennen und verpasste 1983 die Weltmeisterschaft nur knapp. 1993 gewann er seinen letzten Weltmeistertitel in einem Williams mit Renault-Motor.
Alpine-CEO Laurent Rossi
Jetzt verrät der Franzose, ihm sei Ende 2021 ein neuer Vertrag angeboten worden. Er habe ihn jedoch wegen der Art und Weise abgelehnt, wie er im Laufe des Jahres behandelt worden sei. Konkret wirft Prost der Teamführung Verschleierungstaktik vor: „Ich war nicht mehr in die Entscheidungen involviert. Selbst als Vorstandsmitglied habe ich gewisse Entscheidungen erst in letzter Minute erfahren. Wenn dich der Teamchef nicht einmal mehr grüßt, wenn du an der Strecke ankommst, weißt du: Es geht nicht mehr aus Mangel an Respekt.“
Alpine-Chef Rossi sei laut Prost „jemand, der alleine im Scheinwerferlicht stehen will.“ Auch Executive Director Marcin Budkowski sei ein Opfer von Rossis Selbstherrlichkeit geworden. Der polnische Ex-Fia-Mann hat wie Prost ebenfalls seinen Rückzug aus dem Team bekannt gegeben.
Fest steht: Rossi steht jetzt unter Erfolgsdruck. Besonders Superstar Fernando Alonso (40), der 2021 ein erfolgreiches Comeback feierte und maßgeblich am einzigen Saisonsieg seines französischen Teamkollegen Esteban Ocon in Ungarn beteiligt war, wird nicht lange stillhalten. Der spanische Weltmeister von 2005 und 2006 ist ebenso wie Prost dafür bekannt, teamintern Dauer-Druck zu machen und Probleme offen anzusprechen.
Entsprechende Politik macht Prost jetzt von außen – gegen Rossi: Das Problem, das dem Geschäftsführer den Kopf kosten könnte, sei laut Prost der neue Formel-1-Motor, an dem Mutterkonzern Renault zwei Jahre gearbeitet habe. Der habe ein Zuverlässigkeitsproblem.
Keine leichte Situation für Otmar Szafnauer. Der ehemalige Aston Martin-Teamchef wird als neuer Teamchef bei Alpine gehandelt. Es scheint, als müsse er nach seiner Ankunft zunächst einmal interne Wogen glätten. Was aus dem aktuellen Rennleiter Davide Brivio wird, ist derzeit unklar. Auch er soll mit einer Rückkehr in die Moto-GP liebäugeln.
Und Prost? Ob die Lichtgestalt aus Frankreich in anderer Funktion auch in Zukunft in der Formel 1 arbeiten wird, ist noch offen. Interessant: Er gab überraschenderweise zu, dass er der Kandidatur für die Präsidentschaft des Dachverbands FIA als Nachfolger von Jean Todt „sehr nahe gekommen“ sei.

Von

Ralf Bach
Bianca Garloff