Formel 1: Diskussion - Gas und Bremse
Soll das Haas-Modell Schule machen?

Das neue Haas-Team setzt auf eine technische Partnerschaft mit Ferrari und hat vom Start weg Erfolg. Sollten mehr Teams mit dieser Strategie fahren?
Bild: Picture-Alliance
- ABMS
Was für ein Einstieg des Haas-Formel-1-Teams! Rang sechs in Australien und Rang fünf in Bahrain ergeben unterm Strich für Romain Grosjean WM-Rang fünf. Im Haifischbecken Formel 1 ruft das auch Kritiker auf den Plan. Hintergrund: Haas arbeitet technisch sehr eng mit Ferrari zusammen. Als technischer Partner mietete sich die US-amerikanische Mannschaft regelmäßig bei Ferrari ein und testete im Windkanal die eigenen Entwicklungen.

Ein Vater des Erfolgs: Haas-Teamchef Günther Steiner
Von einem Kundenchassis will Steiner nicht sprechen: "Was wir machen, ist die gesamte Außenhaut, also die Aerodynamik, denn das ist ja das, was die Leistung des Autos ausmacht. Auch die Kühler und das Chassis müssen wir selber bauen." Monocoque, Überlebenszelle, Überrollschutz, Flügel, Diffusor und Unterboden sind die sogenannten gelisteten Teile der Formel 1. Sie muss jeder Konstrukteur selbst herstellen, ihre Pläne geheim halten. Die übrigen Chassis-Teile dürfen eingekauft werden.

Punkteregen: Haas hat schon jetzt viel zu feiern
Nach zwei Grand Prix steht fest: Es funktioniert. Sind kundenähnliche Fahrzeuge also gut für die Formel 1? Oder benachteiligt diese Art der Zusammenarbeit andere Teams mit Kundenmotoren? Die AUTO BILD MOTORSPORT-Reporter analysieren in Gas & Bremse:
Gas: Keine Neueinsteiger ohne Kundenchassis

Haas fährt den etablierten Teams bereits um die Ohren
Die Geschichte von Williams begann 1969 mit einem gekauften Brabham Ford, die von Ferrari 1929 mit Alfa-Romeo-Kundenchassis. Zumindest in den ersten zwei Jahren sind gekaufte Boliden als Startbasis durchaus begrüßenswert, danach könnte das Reglement neue Teams zur Konstruktion eigener Boliden zwingen. Auch für bestehende Rennställe haben Kundenchassis Vorteile: Der Verkauf von eben solchen sind eine zusätzliche Einnahmequelle. McLaren fährt heute nur noch deshalb mit, weil man sich in den 60er Jahren mit dem Verkauf von Formel-1-Autos an Privatiers über Wasser gehalten hat. (Michael Zeitler)
Bremse: Kleine Teams gucken in die Röhre

Welche Gründe sprechen gegen das Haas-Modell?
Außerdem sind Teams wie Sauber und Force India - die finanziell eh nicht so gut dastehen - im Nachteil. Denn auch wenn sie Motoren von Mercedes und Ferrari fahren, die technische Unterstützung wie das Haas-Team haben sie bei weitem nicht. Schließlich bauen sie ihre eigenen Autos und müssen mit ihrem vergleichsweise geringen Budget dann noch für die Eigenentwicklung sorgen. (Denice May)
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