Wenn ein viermaliger Weltmeister seinem Vertragsende entgegenrast, beginnt die „Silly Season“ in der Formel 1 schon vor der Sommerpause… Sebastian Vettels (34) Kontrakt bei Aston Martin läuft Ende des Jahres aus. Und längst wird im Fahrerlager rauf und runter spekuliert, ob er weitermacht oder den Helm an den Nagel hängt.
„Ich habe noch keine Entscheidung getroffen“, bremst Vettel bei AFP die an Fahrt gewinnende Diskussion, nur im sie selbst gleich wieder anzufeuern: „Ich möchte gewinnen“, räumt er ein. „Außerhalb der Top 10 ins Ziel zu kommen ist nicht das, wofür ich hier bin.“
Ein Satz, der einer Rücktrittserklärung gleich kommt. Denn zwar schaffte es der Heppenheimer in Imola auf Rang acht. Das allerdings nur, weil die Wetterbedingungen die Schwächen seines Aston Martin kaschiert haben. Von Siegen ist Vettel meilenweit entfernt. Dabei verknüpft er seine Vertragsverlängerung genau damit: „Es hängt davon, wie das Jahr läuft.“
Sebastian Vettels Formel-1-Vertrag läuft aus.

Das Vettel nicht mehr um jeden Preis in der Königsklasse weitermachen muss, liegt auch an seiner persönlichen Entwicklung. Der Kampf für Umweltschutz und Gleichberechtigung ist ihm mittlerweile mindestens genauso wichtig wie die perfekte Kreis-Fahrt am Limit.
Mehr noch: Sein schlechtes Gewissen macht ihm immer öfter zu schaffen. Erst kürzlich betonte er bei der BBC, dass er seinen Sport zwar liebe, „aber wenn ich aus dem Auto aussteige, denke ich natürlich auch: Ist das etwas, was wir machen sollten - um die Welt reisen und Ressourcen verschwenden?“
Fest steht: Seit er Vater ist, hat Vettel die Zukunft stärker im Blick als die Gegenwart: „Wir müssen sicherstellen, dass wir auf einem Planeten leben, der morgen noch so angenehm ist wie heute“, fordert er.
Der Sinneswandel des viermaligen Weltmeisters bleibt deshalb den Entscheidungsträgern in anderen Rennserien nicht verborgen. Auch bei der Formel E, die am Wochenende über den ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof raste, war er Gesprächsthema. Die Elektroformel rennt CO2-neutral. Die Generatoren im Fahrerlager stellen Energie schadstoffarm aus Glycerin her.
DS Automobiles bietet Vettel einen unverbindlichen Formel-E-Test an.

Deshalb lädt der französische Premiumhersteller DS Vettel via AUTO BILD nun zu einer Probefahrt ein. „Sebastian interessiert sich ja sehr für Umweltschutz und hat den Klimawandel genau wie wir in der Formel E im Blick“, sagt Teamchef Thomas Chevaucher zu AUTO BILD. „Inwiefern er Interesse an einer Fortsetzung seiner Karriere in der Formel E hat, wissen wir nicht. Das soll hier auch nicht das Thema sein. Aber wir würden ihm gerne mal die Gelegenheit geben, einen CO2-neutralen Rennwagen auszuprobieren.“
DS Automobiles ist seit der zweiten Saison in der Formel E dabei und hat seitdem vier Titel geholt, 14 Siege und 37 Podiumsplätze. Keine schlechte Adresse also für einen Vettel-Schnupperkurs in einem Elektro-Rennwagen. Und vielleicht eine weitere Inspiration, wie er seine Leidenschaft für schnelle Autos und Klimaschutz in Zukunft verbinden kann.
Allein: Auch bei der DTM wäre Vettel gerne gesehen – als Partner der Geschäftsführung. DTM-Boss Gerhard Berger zu AUTO BILD: "Ich könnte mir Sebastian gut als Partner vorstellen, zum Beispiel als Botschafter unseres Elektro-Projekts."
Ganz ohne Motorsport will Vettel auch nach einem Rücktritt nicht leben. „Es ist das, was ich liebe“, betont er. In welcher Rolle er sich in Zukunft aber ganz sicher nicht sieht, weiß Vettel schon jetzt: „Ich werde kein TV-Experte.“

Von

Bianca Garloff