Das macht den britischen Fans richtig Hoffnung fürs Wochenende: Lokalmatador Lewis Hamilton erzielt am Freitag sein bestes Trainingsergebnis der gesamten Saison, wird in Silverstone Zweiter direkt vor Landsmann Lando Norris im McLaren. Schneller als das Briten-Duo ist nur Ferrari-Mann Carlos Sainz.
Kurios: Eigentlich hätte sogar die Bestzeit an Hamilton gehen müssen, denn Sainz überfährt bei seiner schnellsten Runde am Ausgang von Copse Corner klar die Streckenlimits, erzielt dadurch einen Vorteil. Die Zeit des Spaniers und sein Vorsprung von 0,163 Sekunden bleiben trotzdem stehen, die Stewards haben am Freitag scheinbar einen freien Tag.
Für Mercedes nur ein kleiner Schönheitsfehler zum Auftakt des Hamilton-Heimspiels. "Es sieht so aus, als hätten wir einen Schritt nach vorne gemacht. Normalerweise sind wir freitags nicht vorne mit dabei", erklärt Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin nach dem Training und fügt hinzu: "Natürlich erwarten wir, dass von Ferrari und Red Bull noch mehr kommt. Aber unsere Updates haben uns hoffentlich in die richtige Richtung gepusht."
Bestzeit, wenn auch neben der Strecke: Ferrari-Pilot Carlos Sainz

Auch Hamilton ist mit seiner Session zufrieden: "Es war auf jeden Fall eine Verbesserung. Unsere Upgrades (an Front-, Heckflügel und Unterboden; d. Red.) zielen vor allem auf Downforce, deshalb ist es schwierig die Unterschiede direkt zu spüren, weil wir zuletzt auf so andersartigen Strecken waren", erklärt Hamilton. "Hier ist alles Highspeed, aber auch viel glatter, was für uns viel besser ist. Ein bisschen wie Barcelona." Da funktionierte der Mercedes bekanntlich gut.
Hamilton glaubt: "Unsere Longrun-Pace ist noch nicht so gut wie die der anderen Jungs, aber wir sind nicht mehr meilenweit hinten." Shovlin nennt Zahlen: "Die Overlays sahen ganz gut aus. Normalerweise sind wir da eine halbe Sekunde hinten, manchmal sogar sieben bis acht Zehntel auf die schnellsten Teams. Das war hier nicht der Fall, die Strecke liegt dem Auto also ganz offensichtlich."
Auch das verhasste Bouncing haben die Silberpfeile laut Shovlin mit Ausnahme der Kurven neun und 15 besser im Griff. Allein: Der sonst so starke George Russell kann die Silberpfeil-Pace am Freitag diesmal nicht umsetzen, wird mit sieben Zehnteln Rückstand auf Hamilton Achter und beklagt mangelnden Grip.

Verstappen nur Vierter im Training

Zwar vor WM-Rivale Charles Leclerc, der im Ferrari nicht über Rang fünf hinauskommt, aber ebenfalls klar hinter Hamilton und Co., ist als Vierter Weltmeister Max Verstappen. Der Red-Bull-Star lässt sich davon noch nicht aus der Ruhe bringen: "Ideal war es nicht heute, aber auch kein großes Problem. Wir wissen, woran wir arbeiten müssen und werden das über Nacht auch machen."
Das unbeständige Wetter in Silverstone hilft dabei allerdings wenig, wie auch Verstappen einräumt: "Es ist immer etwas tricky, wenn man im ersten Training kaum fahren kann, deswegen war das zweite Training heute mehr Rätselraten. Und morgen regnet es wahrscheinlich wieder", sagt der Holländer. Die erste Session findet am Freitag noch auf nasser Strecke statt, mit entsprechend kaum aussagekräftigen Zeiten.
Sebastian Vettel verlor wegen dem Schaden etwas Zeit an der Box

Für die Deutschen läuft der Auftakt im Home of British Motor Racing auch eher verhalten: Sebastian Vettel muss sich als Zwölfter hinter Teamkollege Lance Stroll einordnen, beklagt zudem einen Schaden am brandneuen Unterboden, den Aston Martin im Zuge größerer Upgrades mit nach Silverstone gebracht hat - obwohl der Deutsche laut eigener Aussage nirgends zu stark über die Kerbs geräubert ist.
Mick Schumacher beendet das Training als Vorletzter, eine Zehntel hinter Stallgefährte Kevin Magnussen. Die schlechte Nachricht für den Deutschen: Langsamer als er ist nur Nicholas Latifi, der noch im alten Williams ohne neue Teile unterwegs ist. Im Einsatz hat diese am Freitag bereits der andere Williams-Pilot Alex Albon - und ist damit gleich mal eine Sekunde schneller. Haas droht ohne Updates wohl bald wieder die rote Laterne.

Formel 1 Grand Prix von Großbritannien
2. Freies Training

1. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Ferrari 1:28,942 Min.
2. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +0,163 Sek.
3. Lando Norris (Großbritannien) - McLaren +0,176
4. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull +0,207
5. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari +0,462
6. Fernando Alonso (Spanien) - Alpine +0,753
7. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull +0,811
8. George Russell (Großbritannien) - Mercedes +0,857
9. Daniel Ricciardo (Australien) - McLaren +0,960
10. Lance Stroll (Kanada) - Aston Martin +1,000
11. Valtteri Bottas (Finnland) - Alfa Romeo +1,058
12. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Aston Martin +1,296
13. Esteban Ocon (Frankreich) - Alpine +1,321
14. Alexander Albon (Thailand) - Williams +1,329
15. Zhou Guanyu (China) - Alfa Romeo +1,115
16. Yuki Tsunoda (Japan) - Alpha Tauri +1,396
17. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas +1,538
18. Pierre Gasly (Frankreich) - Alpha Tauri +1,568
19. Mick Schumacher (Gland/Schweiz) - Haas +1,667
20. Nicholas Latifi (Kanada) - Williams +2,384

Formel 1 Grand Prix von Großbritannien
1. Freies Training

1. Valtteri Bottas (Finnland) - Alfa Romeo 1:42,249 Min.
2. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +0,532 Sek.
3. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Ferrari +0,718
4. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari +1,552
5. Mick Schumacher (Gland/Schweiz) - Haas +1,646
6. Zhou Guanyu (China) - Alfa Romeo +3,922
7. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas +5,912
8. Lance Stroll (Kanada) - Aston Martin +8,994
9. Yuki Tsunoda (Japan) - Alpha Tauri +9,124
10. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Aston Martin +16,919;
11. George Russell (Großbritannien) - Mercedes - (3. Rd.);
12. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull - (4. Rd.);
13. Esteban Ocon (Frankreich) - Alpine - (3. Rd.);
14. Fernando Alonso (Spanien) - Alpine - (2. Rd.);
15. Alexander Albon (Thailand) - Williams - (2. Rd.);
16. Daniel Ricciardo (Australien) - McLaren - (5. Rd.);
17. Pierre Gasly (Frankreich) - Alpha Tauri - (4. Rd.);
18. Lando Norris (Großbritannien) - McLaren - (5. Rd.);
19. Nicholas Latifi (Kanada) - Williams - (2. Rd.);
20. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull - (4. Rd.)

Von

Frederik Hackbarth