Drei Probleme reichten für Haas aus, um eine dürftige erste Halbserie abzuliefern. Die Namen der Ärgernisse, mit denen sich Teamchef Günther Steiner (54) auseinanderzusetzen hatte: Kevin Magnussen (26), Romain Grosjean (33) und Pirelli (172).
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Magnussen und Grosjean sind die Haas-Piloten, die dem Südtiroler ebenso Rätsel aufgaben wie die 2019er-Produkte der 1847 in Italien gegründeten Reifenfirma.
Hintergrund: Der Däne Magnussen und der Franzose Grosjean sind sich oft nicht grün gewesen in dieser Saison – besonders was die interne Auslegung der Vorfahrtsregeln betrifft.
Mehrmals kam es zu Kollisionen. Am heftigsten steuerten sich die beiden Kampfhähne in Silverstone und Hockenheim ins Auto.
Ergebnis: Wertvolle Punkte wurden von den Fahrern in den Müll geworfen. Statt eines möglichen siebten Platzes in der Konstrukteurswertung rangiert das amerikanische Haas-Team nur auf dem neunten. Statt circa 35 Millionen Euro an Preisgeldern kann das Team mit dem kleinsten Budget deshalb im Moment nur mit knapp der Hälfte für 2020 planen.
Haas mit Problemen von unten
Die Haas-Piloten Romain Grosjean und Kevin Magnussen.
Steiner (Beiname: "Das eiserne Kreuz") ist gefordert. Der Südtiroler gibt zu: "Die Fahrer haben uns Punkte gekostet. Aber auch mit Pirelli hatten wir unsere Probleme. Die Reifen waren für uns und für die meisten anderen wie eine Lotterie. Mal funktionierten sie, mal nicht. Ich finde es jedenfalls nicht gut, wenn die Reifen so viel Auswirkung auf Performance und Ergebnisse haben.“ Fest stehe: „Unser Auto ist besser als die bisherigen Ergebnisse."
Allein: Experten wie Ex-Jordan-Chefdesigner Gary Anderson haben ihre Zweifel, ob das Haas-Problem nur an Fahrern und Reifen liegt. Anderson hat die Theorie, dass die Probleme von unten kommen: vom Unterboden.
"Der Reifen ist ein sekundäres Problem und nicht der Hauptgrund", vermutet er. "Es scheint, als hänge alles damit zusammen, welche aerodynamische Bedeutung der Unterboden hat. Es ist nicht zwangsläufig der Unterboden selbst, der das Problem verursacht. Es könnte auch damit zusammenhängen, wie der Luftstrom im Bereich der Bargeboards erzeugt wird. Das trägt zur Performance des Unterbodens bei."
Der erfahrene Techniker sieht Parallelen zu früher: "Ich hatte einmal ein gutes Auto, das genau diese Probleme hatte. Bei den Wintertests war es sehr gut ausbalanciert. Dann kamen wir an die heißeren Strecken, und das Heck vermittelte dem Fahrer beim Bremsen und am Kurveneingang überhaupt kein Vertrauen. Je härter man pushte, desto schlimmer wurde es. Es war sehr schwierig, die Ursache des Problems zu identifizieren, weil keines unserer Werkzeuge den vorübergehenden Effekt der Aerodynamik betrachtete. Wir nahmen eine kleine Veränderung am Diffusor vor, und das Auto wurde zu einem komplett anderen Biest."
Wie auch immer: Steiner muss jetzt schon für die Saison 2020 planen. Bei den Piloten scheinen deshalb die Tage von Grosjean gezählt. Bereits Mitte der Saison 2018 stand der Franzose kurz vor dem Rauswurf. Er die Kurve dann zwar noch einmal bekommen, aber seine Schwäche gilt jetzt als Rückfall.
Nico Hülkenberg wird als erster Kandidat für den Haas-Sitz neben Magnussen 2020 gehandelt. Der Deutsche droht sein Cockpit bei Renault an den Franzosen Esteban Ocon zu verlieren. Steiner findet Hülkenberg interessant. "Er ist einer mit viel Erfahrung und einer, der schon oft bewiesen hat, wie schnell er ist..."
Vergleich Magnussen gegen Grosjean
Qualifying Duell: 7-5
durchschnittlich im Q schneller:  -0,127 s
Rennvergleich: 7-4 
Durchschnittsteampunkte: Magnussen 69%, Grosjean 31%
Noten
Magnussen 6,6
Grosjean 3,7