Formel 1: Die wichtigsten Hersteller in der Geschichte

Formel 1: Halbzeitbilanz Renault

Hülkenberg-Team enttäuscht

Renault fährt den eigenen Ansprüchen hinterher. Nico Hülkenberg hat mit seinem neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo zu kämpfen.
Es war ironisch gemeint, im Nachhinein aber fast prophetisch. "Hast Du jetzt überhaupt noch Geld für die Entwicklung Deiner Autos?", war Christian Horners ätzende Reaktion auf die provokative Anmache seines "Dauerfeindes" Cyril Abiteboul. Der französische Teamchef vom damaligen Red-Bull-Motorpartner Renault hatte seinen Kollegen von Red Bull Ende 2018 frech gefragt: "Ich habe gehört, Du brauchst einen neuen Fahrer?"
Halbzeitanalyse: Toro Rosso
Zu sehen war die Szene in der Formel-1-Netflix-Dokumentation "Drive to Survive". Hintergrund: Kurz zuvor hatte sich Daniel Ricciardo entschieden, von Red Bull zu Renault zu wechseln. Abiteboul sah es als persönlichen Triumph an, den Australier von den ungeliebten Bullen weggelockt zu haben. Er glaubte, damit auch den Grundstein für einen gewaltigen Aufschwung des französischen Werksteams gelegt zu haben.
Fast ein Jahr später sieht das Fazit für Abiteboul niederschmetternd aus. Aus dem vermeintlichen Aufschwung wurde ein gewaltiger Erdrutsch. Während Red Bull mit seinem neuen Motorpartner Honda erster Jäger von Mercedes ist, hat Renault das Saisonziel schon nach zwölf Saisonrennen verfehlt.
Mindestens Vierter wollte man sein, mit Anschluss zu den großen Drei Mercedes, Ferrari und Red Bull. Die Realität: Platz sechs mit 39 Punkten. Renault-Neuling Daniel Ricciardo ist Elfter in der Fahrerwertung (22 Punkte), sein deutscher Teamkollege Nico Hülkenberg gar nur 14. (17 Punkte). Experten wie Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve (45) sind sich einig: "Renault ist die Enttäuschung der Saison."

Nico Hülkenberg erlebt keine einfache Saison 2019

In der Tat: Es gibt nur Verlierer bei den Franzosen. Teamchef Abiteboul stellvertretend für das Team. Ricciardo, weil er sich durch den Wechsel von Red Bull sportlich aufs Abstellgleis stellte. Nico Hülkenberg, weil er das erste Mal in seiner Karriere gegen einen Teamkollegen den Kürzeren zog.
Woran aber liegt der Niedergang der Gallier? Fest steht: Am fehlenden Geld liegt es nicht. Laut ABMS-Recherchen liegt Renault mit einem Jahresbudget von circa 220 Millionen Euro gemeinsam mit McLaren an vierter Stelle des Kohle-Rankings. Gerade der Vergleich mit McLaren, das die gleichen Motoren benutzt, macht deutlich: Es muss am Personal liegen.
McLaren fuhr mit identischen Motoren und Budget 43 Punkte mehr ein als die Franzosen. Die Fahrer sind nicht Schuld. Denn Ricciardo und Hülkenberg gelten immer noch als eine der stärksten Fahrerpaarungen im Vollgaszirkus.
Folglich ist das Auto die Schwachstelle – und die dafür verantwortlichen Techniker. Abiteboul ist bis in die Haarspitzen gereizt und schiebt die Verantwortung besonders auf Hülkenberg ab. Grund: Der Deutsche schmiss beim Regen-GP in Hockenheim einen möglichen vierten Platz und damit wertvolle zwölf Zähler weg, als er in die Leitplanken rutschte. Dass der Emmericher mit dem schwierig zu fahrenden Renault zeitweise sogar auf Podiumskurs war, zählt für den Franzosen nicht.
Hülkenberg versucht die Analyse des vorläufigen Untergangs sachlich anzugehen. "Zu Beginn der Saison ging es mehr um die Zuverlässigkeit. Wir sind bei der Entwicklung des Autos nicht gut genug gewesen und stehen deshalb nicht da, wo wir sein wollen. Das ist zu wenig, weil wir im Mittelfeld dieses Jahr gegen zehn Autos kämpfen. Im Vorjahr waren es vielleicht vier, maximal sechs."
"Ich hatte mir natürlich mehr erhofft", ergänzt Ricciardo, "aber mir war auch klar, dass es ein steiniger Weg wird. Es gab Rennen wie Kanada, wo wir im Qualifying die Erwartungen übertroffen haben. Und dann auch Rennen wie Österreich, wo wir langsamer waren. Jetzt müssen wir liefern. Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, nämlich Podestplätze ab 2020, dann müssen wir zulegen und in der zweiten Saisonhälfte größere Schritte machen."
Die Frage ist: Wie? Eine neue Ausbaustufe des Motors ist geplant, aber die bekommt McLaren auch. Abiteboul muss jetzt dringend Lösungen anbieten und dem Vorstand in Paris beweisen, dass er immer noch der richtige Steuermann ist, um den leckgeschlagenen Tanker wieder in sichere Gewässer zu führen.
Es könnte sein, dass er dafür Hülkenberg, dessen Vertrag ausläuft, opfert und mit dem Franzosen Esteban Ocon einen Hoffnungsträger präsentiert, der gleichzeitig die angespannte Stimmung bei den Bossen besänftigen soll.
Hülkenberg bleibt nichts anderes übrig, als auf diese für ihn wichtige Personalentscheidung zu warten. Doch selbst wenn Ocon nicht kommt, gibt es noch eine andere Gefahr für den Deutschen. ABMS erfuhr: Abiteboul redet auch mit dem Team um Ex-Weltmeister Fernando Alonso. Alonso ist Renault-Zögling und gewann seine beiden WM-Titel 2005 und 2006 mit den Franzosen.
Vergleich Ricciardo gegen Hülkenberg
Qualifying Duell: 8-4
durchschnittlich im Q schneller:  -0,134s
Rennvergleich: 6-5 (Doppelausfall in Hockenheim)
Durchschnittsteampunkte: Ricciardo 56%, Hülkenberg 44%
Noten
Ricciardo: 7,9
Hülkenberg: 6,6

Formel 1: Die wichtigsten Hersteller in der Geschichte

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-alliance

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