Am Ende setzt sich Klasse eben durch: 50 der 53 Runden beim Russland GP führen andere das Rennen an, ganz zum Schluss sind in Sotschi dann aber doch wieder die beiden großen WM-Rivalen Lewis Hamilton (36) und Max Verstappen (23) vorne. Dabei profitieren beide vom späten Regenschauer, der das Feld in den letzten Rennrunden durcheinander wirbelt.
Während Verstappens Aufholjagd den Niederländer als Zweitplatzierten noch aufs Podium führt, knackt Mercedes-Star Hamilton auf der Paradestrecke seines Teams (achter Sieg beim achten Antritt) endlich die Rekordmarke von 100 Grand-Prix-Siegen – und weiß danach sofort, bei wem er sich zu bedanken hat: „Das war eine fantastische Entscheidung mit den Regenreifen“, jubelt Hamilton am Funk.
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Dabei weigert sich der amtierende Weltmeister zunächst trotz Ansage vom Kommandostand die Box anzusteuern, als fünf Runden vor Schluss Regen einsetzt. „Ich hatte Lando (Norris, Führender; d. Red.) direkt vor mir, war so knapp dran. Und es war noch nicht so schlimm, hat sich nicht so nass angefühlt, außer in Kurve fünf und sieben“, erklärt Hamilton. „Ich dachte: 24 Sekunden (für den Boxenstopp; d. Red.) in drei Runden, das hole ich niemals auf. Aber in der nächsten Runde wurde der Regen stärker und dann bin ich rein. Ich habe mich einfach aufs Team verlassen.“
Rekordmarke: Hamilton feiert in Russland den 100. Sieg
Statt des ersten Sieges für Norris gibt es in Sotschi also bereits den 100. für Hamilton: „Unfassbar, einfach eine unglaubliche Zahl. Heute ist es nur eine Schlagzeile und morgen vielleicht schon wieder vergessen, aber in fünf bis zehn Jahren können wir sagen, dass wir Teil dieser ganz speziellen Erfolgsgeschichte waren“, huldigt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff seinem Superstar. Der Erfolg in Russland sei aber trotzdem einer des Teams: „Heute haben die Strategieabteilung und unser Wetterfrosch das Rennen gewonnen. Wir wussten, dass das große Wetter noch kommt“, sagt Wolff.
Bei aller Freude im Mercedes-Lager gibt es allerdings auch einen Wermutstropfen. „Dass Verstappen noch Zweiter geworden ist, macht es ein bisschen bittersüß“, gibt Wolff zu. Der Österreicher ordnet aber auch ein: „Vor dem Regen war Max auf Platz sieben und wir auf Platz zwei, das ist in etwa der gleiche Punkteabstand wie mit eins und zwei. Das müssen wir jetzt so nehmen. Aber er ist der zweite Gewinner heute.“
Findet man auch bei der Konkurrenz: „Das war heute wie ein Sieg für uns!“, freut sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner. „Wenn mir jemand vor dem Rennen dieses Ergebnis angeboten hätte, hätte ich ihm den Arm abgebissen.“ Verstappen ist ebenfalls happy: „Das war super heute. Vom letzten Platz aus ist das natürlich ein sehr, sehr gutes Resultat, damit war so nicht zu rechnen.“
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Dabei kommt der Holländer zunächst nur mühsam durchs Feld: „Bis zehn Runden vor Schluss war es nicht einfach zu überholen, ich dachte Platz sechs oder sieben ist das Maximum heute. Dann kam aber der Regen, das hat uns geholfen und wir haben mit den Reifen die richtige Entscheidung getroffen“, so Verstappen. Auch Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko macht sich keine Illusionen: „Ohne den Regen wäre das Podium heute nicht möglich gewesen.“
Wo kommt der denn her? Verstappen auf dem Podium
Glück hat Verstappen am Sonntag auch noch in einer anderen Szene, denn obwohl der WM-Aspirant bei seiner Aufholjagd mit wenig Risiko fährt, geht das einmal beinahe schief. Verstappen: „Von da hinten kommend passiert wirklich viel, allein schon in der ersten Runde. Man muss sich aus allem Ärger raushalten. Vor mir haben Charles (Lecerc; d. Red.) und Seb (Vettel; d. Red) gekämpft, da musste ich ausweichen und habe fast meinen Flügel verloren. Es gab ein paar haarige Szenen, aber am Ende ist alles gut gegangen.“
Die Führung in der WM ist der 23-Jährige zwar los, er liegt nach Sotschi aber nur zwei Zähler hinter Hamilton - und hat, anders als der Brite, seine Motorstrafe nun schon abgesessen. Wann Mercedes für den Einsatz einer neuen Power-Unit die Rückversetzung in Kauf nimmt, steht dagegen noch in den Sternen, wie Toto Wolff verrät: „Wir wollen jetzt mal schauen wie sich der Motor weiterentwickelt. Wir können ja die Leistungsdaten immer einsehen und dann werden wir entscheiden, wo wir wechseln.“
Hamilton will daran aktuell noch keine Gedanken verschwenden, freut sich lieber über den „magischen Moment“ seines 100. Triumphes in der Königsklasse. „Es hat ein bisschen gedauert, wir haben Geduld gebraucht“, sagt der Brite, der zuletzt Mitte Juli bei seinem Heimrennen in Silverstone gewinnen konnte. „Wir geben nicht auf und pushen weiter. Es ist insgesamt eine harte, fordernde Saison, aber heute hat gezeigt, dass wir noch im Kampf sind.“ Glaubt auch Wolff, der mit Blick auf das WM-Duell anfügt: „Das wird weiter hin und hergehen. Bis zum Finale.“

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Von

Frederik Hackbarth