Formel 1 - Vettels neuer Ferrari SF1000

Formel 1: Interview mit Marc Surer

Experte: Vettel zu Mercedes!

Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT. Das sagt der TV-Experte zur aktuellen Lage in der Formel 1.
Herr Surer, wie hat sich die Corona-Pandemie f├╝r sie gesch├Ąftlich ausgewirkt?
Marc Surer (68): Ich bin vom Schweizer Fernsehen f├╝r zehn Rennen, bei denen ich als Experte vor Ort die Formel 1 erkl├Ąren soll, engagiert worden. Das hei├čt, ich habe bis jetzt schon die H├Ąlfte davon verloren. Ich muss jetzt abwarten, ob das wieder aufgefangen wird ÔÇô etwa durch zuk├╝nftige Analysen vom Studio aus.
Red Bull nahm die Dinge in die eigene Hand und hat ein Konzept vorgestellt, unter welchen Ma├čnahmen Rennen gefahren werden k├Ânnen. Jetzt laufen die Vorbereitungen f├╝r die zwei ersten Saisonrennen Anfang Juli in Spielberg. Wie bewerten Sie das Engagement der ├ľsterreicher?
Auf jeden Fall positiv und mit einer klaren Ansage f├╝r die Formel 1. Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz muss sogar viel Geld in die Hand nehmen, denn ohne Zuschauer fehlen Red Bull als Veranstalter wichtige Einnahmen. Ich bin beeindruckt.
Wie tief ist die Formel 1 durch Corona in die Krise gest├╝rzt?
Sagen wir mal so: Dem Vermarkter Liberty fehlen zwar die Zuschauer an der Strecke, aber dadurch, dass gefahren wird, werden sowohl Fernseheinnahmen als auch der Beitrag der Sponsoren in die Kassen gesp├╝lt. Richtig getroffen hat es die kleinen Teams. Denen fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Denen muss man jetzt helfen, um sie vor einem m├Âglichen Bankrott zu bewahren. Da muss Liberty was tun.

Marc Surer ist Formel-1-Experte im Schweizer Fernsehen

Welche Teams meinen Sie?

Ganz oben Haas. Gene Haas hat die Formel 1 nicht n├Âtig, er macht es aus purer Leidenschaft. Aber nur bis zu einer gewissen Grenze. Wenn er es sich nicht mehr leisten kann, wird er sicher den Stecker ziehen. Dann rechne ich Williams dazu und das ehemalige Sauber-Team, das jetzt Alfa Romeo hei├čt, aber noch die gleichen Besitzer hat. Sogar Red-Bulls "B"-Team Alpha Tauri sehe ich gef├Ąhrdet, denn Didi Mateschitz wird es mit Sicherheit nicht weiterf├╝hren, wenn es nur rote Zahlen schreibt. McLaren, Renault und Racing Point ÔÇô die im n├Ąchsten Jahr als Aston-Martin-Werksteam antreten ÔÇô sehe ich im Mittelfeld der Finanzkraft. ├ťber die drei Gro├čen Mercedes, Red Bull und Ferrari muss man sich sicherlich keine zu gro├čen Sorgen machen.
Was muss die Formel 1 tun, um nach der Krise gut aufgestellt zu sein?
Die Budgetbeschr├Ąnkungen sind extrem wichtig und auch gut kontrollierbar. Wenn man neue Teams will, muss man ihnen die Formel 1 finanziell schmackhaft machen und darf nicht von ihnen verlangen, f├╝r zig Millionen ein eigenes Auto zu entwickeln, f├╝r das man einen s├╝ndhaft teuren Windkanal braucht. Das Haas-Modell ist schon ein gutes Konzept. Die kaufen ja bei Ferrari alle Teile ein, die vom Reglement her erlaubt sind. Sie m├╝ssen beispielsweise kein Lenkrad selbst entwickeln und sparen so viel Geld. Ich w├╝rde aber sogar noch weitergehen: Warum erlaubt man es nicht, beispielsweise einen Vorjahres-Mercedes zu kaufen und denn dann einzusetzen? Ein neues Team w├╝rde damit zwar nicht gewinnen k├Ânnen, aber es w├Ąre f├╝r relativ wenig Geld gut aufgestellt und w├╝rde bestimmt nicht willenlos hinterherfahren.
Rein sportlich: Mit welchen Kr├Ąfteverh├Ąltnissen kann man beim Saisonauftakt rechnen?
Es wird ├Ąhnlich sein wie beim Wintertest in Barcelona. Mercedes und Red Bull wirkten dort am st├Ąrksten, w├Ąhrend Ferrari hinterherhinkte. Das Problem ist, dass man seither keine wichtigen Daten bekommen hat, um das Auto zu verbessern. Ein Simulator, so gut er auch sein mag, kann die Praxistests auf der Strecke einfach nicht ersetzen. Bei Ferrari kommt erschwerend hinzu: Sie haben das erste Mal ein Auto gebaut, das nach Vorbild von Red-Bull-Designer Adrian Newey leicht angestellt ist. Sie verlieren Speed auf der Geraden, waren daf├╝r durch mehr Abtrieb in den Kurven schneller als im Vorjahr. Ein solch extremes neues Konzept aber braucht eine Menge Zeit und Erfahrung auf der Strecke, um es richtig zu verstehen. Sie werden sicher einige Rennen daf├╝r brauchen.
Wie sehen Sie die Zukunft von Sebastian Vettel?
F├╝r mich w├Ąre es ideal, eine Traumvorstellung sozusagen, wenn er zu Mercedes wechseln w├╝rde. Bei Ferrari sehe ich keine gro├če Zukunft mehr f├╝r ihn. Es w├╝rde zwar wie eine Flucht vor Charles Leclerc aussehen, aber wenn es bei Mercedes mit dem Titel klappen w├╝rde, w├Ąre das schnell vergessen. F├╝r Mercedes w├╝rde sich eine Verpflichtung von Vettel im Erfolgsfall ebenfalls lohnen. Denn sie k├Ânnten dann endlich einen deutschen Weltmeister vermarkten. Der letzte, Nico Rosberg, ist ja sofort nach dem Titelgewinn zur├╝ckgetreten.
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Steht Vettel bei Mercedes nicht Superstar Lewis Hamilton im Weg?
Das glaube ich nicht. Ich habe den Eindruck, dass er das Handtuch schmei├čt und aufh├Âren wird, sollte er den n├Ąchsten Titel gewinnen. Er motzt in letzter Zeit einfach zu viel ├╝ber das Auftreten und das gesamte Umfeld der Formel 1. Deshalb habe ich diesen Eindruck gewonnen.
Wer sind die Fahrer, die Ihrer Meinung die K├Ânigsklasse pr├Ągen und damit Lebenselixier f├╝r die Fans sind?
Ich sehe vier Superstars, um die sich alles dreht: Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Max Verstappen und Charles Leclerc. Die anderen sind mehr oder weniger nur Mitl├Ąufer und m├╝ssen sich hinten anstellen.
Als ehemaliger Motorsportchef von BMW wissen Sie sehr genau, wie Automobilkonzerne ticken. K├Ânnen sich Mercedes und Co. in der momentanen angespannten Situation und beim umweltorientierten Zeitgeist finanziell und vom Image her die Formel 1 ├╝berhaupt noch leisten?
Imagem├Ą├čig auf jeden Fall. Gerade mit ihren Hybridmotoren zeigen sie ja, wie innovativ sie sind und zukunftsorientiert. Die Elektromotoren werden w├Ąhrend der Fahrt aufgeladen, da sind sie der Zeit weit voraus. Wenn dann der Biosprit noch kommt, ist es perfekt.

Formel 1 - Vettels neuer Ferrari SF1000

Autoren: Ralf Bach,

Fotos: Picture-alliance

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