So große Chancen auf einen Heimsieg für Ferrari in Monza hatte Charles Leclerc nicht mehr seit seinem viel umjubelten Triumph vor den Tifosi im Jahr 2019.
Zum einen hat die Scuderia 2022 endlich wieder ein siegfähiges und schnelles Auto, das offensichtlich auch auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Norden Mailands funktioniert: Das beweisen Leclerc und Teamkollege Carlos Sainz mit ihren jeweiligen Bestzeiten im Training am Freitag.
Viel wichtiger aber noch: Leclerc ist neben Mercedes' George Russell der einzige Top-Team-Pilot, der am Sonntag ohne Strafe in den Italien GP startet! Wie schon beim vorletzten Rennen in Spa setzt es in Monza eine regelrechte Strafenflut. Betroffen sind davon: Lewis Hamilton, Carlos Sainz, Sergio Perez, Valtteri Bottas, Yuki Tsunoda, aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Haas-Piloten Kevin Magnussen und Mick Schumacher, sowie WM-Spitzenreiter Max Verstappen.
WM-Spitzenreiter Verstappen muss nach Strafe im Grid zurück

Der Holländer muss für den Wechsel seines Verbrennungsmotors aber nur fünf Plätze nach hinten, während die meisten anderen Bestraften ans Ende des Feldes versetzt werden. "Wir haben uns auf Rat unseres Motorenpartners (Honda; d. Red.) dazu entschieden hier den Wechsel vorzunehmen. Fünf Plätze sind auf dieser Strecke auch nicht so schlimm, dafür dass wir dann einen weiteren Motor im Pool für die letzten sieben Rennen haben", erklärt Red-Bull-Teamchef Christian Horner.
Sollte der formstarke Verstappen am Samstag die Pole holen, startet er bestenfalls als Sechster in den Italien GP. Ein derartiger Durchmarsch wie bei seiner Aufholjagd zuletzt in Spa, wo Verstappen von Rang 14 aus in Windeseile durchs Feld und zum Sieg raste, wird in Monza aber schwieriger: Überholen ist im 'Temple of Speed' trotz der langen Geraden kein Selbstläufer.
Dass sich Red Bull dennoch bestmöglich dafür wappnet, zeigt die Topspeed-Messung vom Freitag: Mit 347 km/h hat Verstappen, der den Tag 0,143 Sekunden hinter Sainz als Zweiter beendet, in dieser Wertung die Nase vorne. "Es war ein vernünftiger Tag, wir haben die verschiedenen Reifenmischungen und Downforce-Level getestet und Max ist schon relativ happy mit seinem Auto", verrät Teamchef Horner. Auch Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko ist optimistisch: "Unser Longrun war sehr überzeugend, sowohl auf Soft als auch Medium. Wir sind zufrieden."

Doppelter Kurzeinsatz: Defekt bei Schumacher

Während den Mercedes von George Russell und Lewis Hamilton, die mit einem Heckflügel für extrem niedrige Downforce unterwegs sind, auf den Rängen fünf und sieben am Spätnachmittag schon mehr als sieben Zehntel fehlen, überrascht Lando Norris auf Rang vier: McLaren hatte vor zwölf Monaten in Monza einen sensationellen Doppelsieg gefeiert, damals mit Daniel Ricciardo vor Norris. Der Australier beendet den Freitag als Elfter.
Schumachers ohnehin schon kurze Trainingszeit wurde noch kürzer


Einen kurzen Arbeitstag erleben zum Auftakt in Monza die beiden Deutschen, vor allem Mick Schumacher: Der Haas-Pilot muss im ersten Training für Lokalmatador Antonio Giovinazzi aussetzen. In der zweiten Trainingssitzung kommt Schumacher dann nicht mal eine halbe Stunde weit, ehe sein Haas mit plötzlichem Leistungsverlust vor der ersten Lesmo-Kurve ausrollt. Während die Session kurz mit der roten Flagge unterbrochen wird, hat Schumi Jr. vorzeitig Feierabend.
Wenig später gibt das Team den Defektgrund bekannt: Ein Problem mit dem Steuerelement der Motorelektronik. "Natürlich nicht toll, aber diese Dinge passieren. Jetzt haben wir morgen ein bisschen mehr Arbeit", sagt Schumacher und ergänzt: "Drei schnelle Runden bin ich gefahren, was natürlich nicht viel ist. Aber immerhin kenne ich die Strecke ja gut." Einfacher wird das Wochenende des 23-Jährigen damit nicht, denn schon am Donnerstag hatte Haas einen Getriebewechsel angekündigt, der Schumacher eine Rückversetzung einbringen würde - offiziell bestätigt ist der Tausch aber noch nicht.
Zum Zuschauen verdammt ist in Monza zunächst auch Sebastian Vettel: Während Mercedes-Junior und Formel-E-Weltmeister Nyck de Vries im ersten Training seinen Aston Martin übernimmt, beobachtet der Deutsche das Geschehen zusammen mit seinen Ingenieuren an der Box. In der Abendsession ist Vettel dann wieder mit von der Partie und beendet diese als 17. immerhin vor Teamkollege Lance Stroll.

Formel 1 Grand Prix von Italien
2. Freies Training, Ergebnis:

1. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Ferrari 1:21,664 Min.
2. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull +0,143 Sek.
3. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari +0,193
4. Lando Norris (Großbritannien) - McLaren +0,674
5. George Russell (Großbritannien) - Mercedes +0,722
6. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull +0,730
7. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +0,839
8. Esteban Ocon (Frankreich) - Alpine +1,064
9. Fernando Alonso (Spanien) - Alpine +1,088
10. Alexander Albon (Thailand) - Williams +1,171
11. Daniel Ricciardo (Australien) - McLaren +1,247
12. Zhou Guanyu (China) - Alfa Romeo +1,274
13. Valtteri Bottas (Finnland) - Alfa Romeo +1,329
14. Pierre Gasly (Frankreich) - Alpha Tauri +1,471
15. Yuki Tsunoda (Japan) - Alpha Tauri +1,553
16. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas +1,893
17. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Aston Martin +2,067
18. Lance Stroll (Kanada) - Aston Martin +2,121
19. Nicholas Latifi (Kanada) - Williams +2,318
20. Mick Schumacher (Gland/Schweiz) - Haas +2,922

Formel 1 Grand Prix von Italien
1. Freies Training, Ergebnis:

1. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari 1:22,410 Min.
2. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Ferrari +0,077 Sek.
3. George Russell (Großbritannien) - Mercedes +0,279
4. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +0,421
5. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull +0,430
6. Esteban Ocon (Frankreich) - Alpine +0,665
7. Fernando Alonso (Spanien) - Alpine +0,689
8. Yuki Tsunoda (Japan) - Alpha Tauri +0,850
9. Valtteri Bottas (Finnland) - Alfa Romeo +0,984
10. Daniel Ricciardo (Australien) - McLaren +1,101
11. Alexander Albon (Thailand) - Williams +1,119
12. Zhou Guanyu (China) - Alfa Romeo +1,160
13. Pierre Gasly (Frankreich) - Alpha Tauri +1,230
14. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull +1,251
15. Lance Stroll (Kanada) - Aston Martin +1,278
16. Lando Norris (Großbritannien) - McLaren +1,446
17. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas +1,596
18. Antonio Giovinazzi (Italien) - Haas +1,907
19. Nyck de Vries (Niederlande) - Aston Martin +2,321
20. Nicholas Latifi (Kanada) - Williams +2,531

Von

Frederik Hackbarth