Formel 1: Kolumne von Bianca Garloff
Näher dran ist nur der Fahrer

In ihrer neuen Kolumne nimmt unsere Formel-1-Reporterin Bianca Garloff Sie mit ins Fahrerlager: So erlebte sie Tag eins beim Monaco GP in Monte Carlo.
Bild: Picture-Alliance
Vor knapp einer Woche war ich noch bei der Formel E in Berlin. In den engen Gassen der Hauptstadt wirkten die Elektro-Autos gar nicht mal so langsam. Dachte ich zumindest bis heute. Bis mein Sinn für Geschwindigkeit neu kalibriert wurde.

In Monaco fahren einem die Autos fast über die Füße
Genau: Mittlerweile sind die Renner nämlich gar nicht mehr so leise. Ein italienischer Journalist vor mir versteckt seine Zeigefinger zum Schutz in den Ohrmuscheln. Rosberg, Vettel, Wehrlein, Hülkenberg und mich trennt in diesem Moment kein Fangzaun, kein Reifenstapel, kein Kiesbett. Nur Präzisionsarbeit. Die Autos jagen so schnell an mir vorbei, dass mir schwindlig wird. Insbesondere der Honda-V6-Hybrid sorgt für Trommelfeuer in meinem Bauch. Er brüllt lauter als seine Rivalen von Ferrari, Mercedes oder Renault.
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Fakt ist: Keine Rennstrecke zeigt die rohe Gewalt eines Formel-1-Autos so ungefiltert wie der Circuit de Monaco. Hier ist es lauter, enger und gefährlicher. „Du musst Eier und Herz in die Hand nehmen“, beschreibt Force India-Pilot Nico Hülkenberg die Adrenalinfahrt durch die Gassen der Monegassen. Rosberg erzählt, dass er bei seinem ersten Mal durch den Tunnel geschrien habe. Sebastian Vettel vergleicht seinen Red Bull beim Sprung über die Bodenwellen mit einem „Geißbock“.

So nah ran kommen sonst nur die Streckenposten
Jetzt verstehe ich auch Ex-Pilot Gerhard Berger. Der sollte sich kurz nach dem Ende seiner Karriere 1997 für ein Foto beim Tunnelausgang postieren. Seine Reaktion damals: „So etwas Beklopptes soll ich getan haben?“ Eine Minute blieb der Österreicher neben der Strecke stehen. Dann flüchtete er vor der Brutalität seiner Vergangenheit.
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