Formel 1: Kommentar zur Zukunft

Qualirennen sind eine Chance

Die Formel 1 stimmt morgen über eine revolutionäre Idee ab: 2020 soll die Startaufstellung bei drei Grands Prix durch ein Qualirennen bestimmt werden. Ein Kommentar.
Morgen, Mittwoch, 16. Oktober, entscheidet sich vielleicht die Zukunft der Formel 1 ab 2021. Hintergrund: Ein letztes Mal treffen sich Teams, Liberty Media und FIA, um über die neuen Regeln zu beraten. Die sollen am 31. Oktober verkündet und 2021 wirksam werden. Doch eine Änderung könnte schon 2020 ausprobiert werden. Und sie wäre revolutionär.
So soll die Formel 1 2021 aussehen: hier klicken
Bei den Grands Prix von Frankreich, Belgien und Russland soll die Startaufstellung nicht durch ein herkömmliches Qualifying bestimmt werden, sondern durch einem Mini-GP am Samstag. Gestartet wird in umgedrehter Reihenfolge des WM-Standes. Das Rennen dauert 45 Minuten, die Reifenwahl ist frei, Pflichtboxenstopps gibt es keine. Das Ergebnis des Qualirennens ergibt die Startaufstellung für das Hauptrennen am Sonntag.
Damit die Idee umgesetzt werden kann, braucht es aber die Zustimmung aller Teams. Das dürfte schwierig werden. Schon jetzt gibt es viel Unmut über die Idee.

Daniil Kvyats dritter Platz in Hockenheim war eine Ausnahme

Doch die Idee ist auch eine Chance. Die Formel 1 ist heute eine Zweiklassengesellschaft. Seit 2014 haben nur drei Teams 100% der Rennen gewonnen. Selbst Podestplatzierungen sind für Mittelfeldteams in der Regel außer Reichweite. Daniil Kvyats dritter Platz in Deutschland war eine Sensation und nur den Umständen geschuldet.
Nicht nur, dass es geregnet hat: Die Fahrer sind auch auf dem seifenglatten Dragster-Streifen neben der letzten Kurve ausgerutscht und reihenweise ausgefallen. Würde die Formel 1 auch 2020 in Hockenheim fahren, wäre diese Asphaltfläche verschwunden. Wieder eine Unwägbarkeit weniger.
So wird 2019 das Jahr der geringsten Ausfallquote werden. Abstaubersiege sind nicht mehr möglich. Die Topteams geben das Vielfache von den Mittelfeldteams aus und werden daher immer einen Vorteil haben.
Mit anderen Worten: Es braucht wieder Faktoren, die die Rennen aufmischen; die das Ungleichgewicht zwischen David und Goliath nicht ausgleichen, aber lindern.
Die Rennen, in denen Fahrer von hinten aufholen, sind oft die spannendsten. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn nicht nur einer der Topstars durchs Feld pflügen muss, sondern alle. Die Rennen werden definitiv interessanter.
Viele werfen ein, es sei unsportlich. Aber das stimmt nicht. Die Voraussetzungen sind für alle gleich. Es ist auch mitnichten so, dass die Startaufstellung schon immer durch ein Qualifying bestimmt wurde. Bis 1922 fuhren die GP-Autos wie bei der Rallye Dakar nacheinander los. Erst seit dem Frankreich-GP 1922 gibt es die heute noch üblichen Massenstarts. Über die Position im Grid entschied aber keine Trainingszeit, sondern ein Los. Das war unsportlich. Erst mit dem Monaco-GP 1934 wurde das geändert.
Sie könnten jetzt natürlich sagen: Das war eine ganz andere Zeit, der GP-Sport hat sich seither gewandelt – technisch, sportlich, politisch. Das stimmt natürlich. Aber der GP-Sport hat sich auch in den letzten 20 bis 25 Jahren krass gewandelt. Vielleicht noch mehr als die Jahrzehnte vorher. Das führt zu einem Ungleichgewicht, das reduziert werden muss.
Ein Qualirennen könnte ein Weg dahin sein. Es sollte zumindest mal bei den drei Rennen 2020 getestet werden. Es könnte eine Chance sein, die die Fans im Nachhinein begeistert. Und wenn nicht, dann ist nichts verloren. Bei den restlichen 19 Grands Prix bleibt ja alles gleich.

Fotos: Mercedes; Red Bull Content Pool

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