Die Vertrags-Saga um Oscar Piastri (21) ist beendet, bevor sie wirklich begonnen hat. Das Contract Recognition Board der FIA, das sich um entsprechende Streitigkeiten zwischen zwei Teams kümmert, hat offenbar schon entschieden. Laut racingnews365 darf der Australier ab der kommenden Saison für McLaren-Mercedes an den Start gehen. Das bestätigt auch die Recherche von Auto Bild.
Damit hat Alpine den Kampf um seinen Noch-Junior verloren. Nachdem Piastri bereits am Dienstag einer offiziellen Verkündung des Teams widersprochen hatte, wollten die Franzosen zunächst noch die Gerichte bemühen.
„Oscar ist unser Nummer-1-Kandidat und wir haben viel in ihn investiert, nicht nur auf finanzieller Seite, auch auf emotionaler“, hatte Teamchef Otmar Szafnauer noch betont. „Das haben wir sicher nicht gemacht, um ihn damit am Ende für einen unserer Gegner vorzubereiten. Unsere Verpflichtungen gehen 2023, je nach Ziehung von Optionen, auch 2024 weiter. Da haben wir ebenfalls Vertrag mit ihm.“
Daniel Ricciardo scheint bei McLaren keine Zukunft mehr zu haben.

Laut dem Vertrags-Gremium der FIA stimmt das so nicht. Heißt auch: Alpine muss es tatsächlich verpasst haben, die Option auf das Supertalent zu ziehen. Dabei stehen zwischen Anfang Juli und Ende Juli mehrere Daten um Raum, die die Franzosen ignoriert haben müssen. Ein Grund dafür: Bis zuletzt dachte man bei Alpine, man könne dem Formel-2-Champion von 2021 kein Werkscockpit anbieten. Dazu wäre man laut Vertrag aber verpflichtet gewesen. Und: Der Abschied von Fernando Alonso kam am 1. August zu spät, als dass Alpine noch hätte reagieren können.
Piastris Wechsel zu McLaren, wo er nach Informationen von Auto Bild schon 2023 fahren wird, ist demnach in trockenen Tüchern. Auch Noch-Stammfahrer Daniel Ricciardo (33) soll am Rande des GP Ungarn darüber bereits informiert worden sein.
Bleibt die Frage, wie genau die Trennung vom ehemaligen Vettel-Teamkollegen über die Bühne gebracht werden soll. Eigentlich hat Ricciardo Medienberichten aus England zufolge eine einseitige Option, die er bis zum 1. September ziehen muss. Allein: In seinen Kontrakt dürfte auch eine Leistungsklausel eingebaut sein, die das britische Traditionsteam jetzt ziehen kann.
Ricciardo liegt nur auf Platz zwölf der Fahrer-WM, hat mit nur 19 Zählern 57 Punkte Rückstand auf Teamkollege Lando Norris.
Doch wo sich eine Tür schließt, geht eine andere auf: So könnte der Australier zu Alpine zurückkehren, wo er 2019 und 2020 noch unter dem Namen Renault zwei Podestplätze einfuhr und Nico Hülkenbergs Karriere beendete. Dass er damals schon früh in der Saison 2020 seinen Abschied zu McLaren verkündete, nimmt man ihm bei den Franzosen nicht krumm. Szafnauer: „Ich glaube nicht, dass das ein Problem ist.“
Vielleicht geht das Fahrer-wechsel-dich-Spielchen am Ende also doch noch unentschieden aus.

Von

Bianca Garloff