Formel 1: McLaren, Ricciardo

Formel 1: McLaren, Ricciardo

Darum fehlt der Mercedes-Stern auf dem McLaren

McLaren hat das neue Auto für die Formel-1-Saison 2021 vorgestellt. Mit Mercedes und Ricciardo an Bord ist man Vettels erster Gegner.
Platz drei in der Konstrukteurs-WM 2020 war nur ein erster Vorgeschmack. McLaren befindet sich auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Zwei wichtige Bausteine für das Comeback des britischen Traditionsteams sind nun an Bord: der Mercedes-Motor und Daniel Ricciardo (31).
"Wir hatten ein klares Ziel", sagt Teamchef Andreas Seidl (45) in einer Presserunde vor der Präsentation des neuen Autos mit Namen MCL35M: "Wir wollten den Weltmeister-Motor in unserem Auto. Die Regeln stellen mittlerweile sicher, dass Kunden die gleiche Behandlung bekommen wie die Werksteams, deshalb ist es heute kein Nachteil mehr Motoren bei Herstellern einzukaufen." Das Thema Kunde betont er – denn, was auffiel: Es befand sich kein Mercedes-Stern auf der Teamkleidung. Seidl dazu: "Wir sind 'nur' Kundenteam." Eine Marketing-Partnerschaft gebe es nicht, was am technischen Input nichts ändert.

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Die Gleichbehandlung von Kunden war nicht immer so: 2014 war das noch anders. Es war das bisher letzte Jahr eines McLaren mit einem Mercedes-Antrieb an Bord. Die Stuttgarter hatten dem einstigen Semi-Werksteam (40 Prozent Anteilseigner), mit dem man die WM-Titel 1998, 99 (beide durch Mika Häkkinen) und 2008 (Lewis Hamilton) geholt hatte, zuvor den Rücken gekehrt. Dass McLaren eigene Sportwagen bauen wollte, war der Sargnagel in der einst so erfolgreichen Beziehung. Fortan setzte Mercedes lieber auf ein eigenes Werksteam – und McLaren hatte nur noch Kundenstatus. Besonders zu Beginn der so anspruchsvollen Hybrid-Ära ein Nachteil. Das Heil suchte man also bei Honda – und stolperte von einer Katastrophe in die nächste. Auch der Wechsel zu Renault zur Saison 2018 brachte kaum Besserung.

Daniel Ricciardo

©Ricciardo/Instagram

Nun kehrt das Team auf dem Weg zurück an die Spitze auch zurück zu alten Wurzeln. Der deutsche Teamchef: "Die Mercedes-Power-Unit kann uns helfen, in Zukunft wieder Rennen zu gewinnen. Wir haben einen Grund optimistisch zu sein, müssen aber auch realistisch bleiben. Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Wir müssen Team und Infrastruktur weiter verbessern, bevor wir wieder ganz vorne mitfahren können." Ein neuer Windkanal ist in Planung. "Es wird aber noch einige Jahre dauern, bis wir erste Ergebnisse daraus sehen. Aber wir können auch jetzt schon kleine Schritte machen, um Mercedes und Red Bull auf die Pelle zu rücken."

McLaren von Mercedes angetan

Fakt ist: Von der neuen alten Zusammenarbeit mit Mercedes ist man bei McLaren bereits angetan. "Es war bis jetzt eine positive Erfahrung", lobt McLaren-Technikchef James Key. "Wir kennen Mercedes ja noch von früher und freuen uns, wieder mit alten Gesichtern zusammenzuarbeiten. Die Kommunikation läuft ohne Umwege und geradeheraus."
Wegen der neuen Antriebseinheit ist McLaren das einzige Team, das im hinteren Bereich des Chassis intensiv gearbeitet und dafür auch die beiden zur Verfügung stehenden Entwicklungs-Token (Wertmarken) ausgegeben hat. Key: "Allerdings nur, um den Motor einzupassen. Getriebegehäuse, Elektrik und Kühlsystem sind neu, die Architektur des Autos außerhalb der homologierten Bereiche ist stark verändert. Der Mercedes-Antrieb ist sehr kompakt, das ist vorteilhaft fürs Packaging."
Von etwaigen Problemen mit dem Upgrade des Hybrid-Antriebs, von denen Mercedes selbst vergangene Woche in einem Youtube-Video berichtete, weiß McLaren nichts. "Der Motor lief auf dem Prüfstand ohne Probleme", verrät Key und legt nach. "Das ist ein Thema, das mir nicht bekannt ist. Uns gefällt jedenfalls, was wir bisher gesehen haben."
Ein Satz, der so auch auf Neuzugang Daniel Ricciardo zutreffen dürfte. Der Australier ersetzt den zu Ferrari abgewanderten Carlos Sainz und bestach auch in seiner ersten Presserunde in McLaren-Orange mit bester Laune. Seidl: "Ich sehe viel positive Energie im Team. Wir werden mit Lando (Norris; d. Red.) und Daniel eine der stärksten Fahrerpaarungen haben."

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Ricciardo hat sich – wie er selbst freimütig verrät – gleich für drei Jahre bis Ende 2023 an McLaren gebunden. "Das ist genug Zeit, um die Dinge ans Laufen zu bringen", grinst der Australier. "Das Team hat das Momentum, die Aufstellung stimmt, an der Infrastruktur arbeiten wir. Ich habe das Gefühl, das ich das letzte Puzzleteil war, damit ein schönes Bild entsteht."
Nach zwei Podestplätzen mit Renault in der vergangenen Saison will der "Honigdachs", wie er sich selbst nennt, auf den Champagner aus seinem Rennfahrer-Schuh auch 2021 nicht verzichten. "Ich hoffe, dass meine Motivation und Erfahrung durchschlägt. Ich habe sicher den Ehrgeiz, wieder aufs Podium zu fahren. McLaren hat es letztes Jahr geschafft – warum nicht auch dieses Jahr, auch wenn das nicht leicht wird."
2020 kletterte Nachwuchsstar Lando Norris in Spielberg einmal aufs Podium. Von Ricciardo will er lernen. "Er ist ein Fahrer, der schon Rennen gewonnen hat und ein weiterer Pilot, von dem ich mir neue Dinge abschauen kann – wie er Rennen angeht oder auch die mentale Seite der Formel 1", sagt der Brite. "Ich will und muss mich weiter verbessern. Daniel wird mir dabei helfen." Für Ricciardo kein Grund einen Stallkrieg vom Zaun zu brechen. "Wir lieben beide, was wir tun, und haben keine Angst, das auch zu zeigen", sagt der Ex-Red-Bull-Star. "Wir stammen zwar aus unterschiedlichen Generationen, haben aber eine ähnliche Herangehensweise. Das ist eine gute Kombination, die das Team nach vorne bringen wird."
Damit erinnert McLaren extrem an das andere Mercedes-Kundenteam mit Ambitionen für mehr: Aston Martin. Mit Sebastian Vettel und Lance Stroll dreht auch da eine Kombination aus jungem Wilden und erfahrenem Teamleader am Lenkrad. Besonders für Ricciardo muss das Duell gegen seinen alten Teamkollegen Vettel ein besonderes sein.
Doch McLaren will von einem Konkurrenzkampf der Mercedes-Kunden mit Sportwagen-Anbindung nichts wissen. Auf Aston Martin angesprochen sagt Geschäftsführer Zak Brown: "Es wäre naiv jemanden zu unterschätzen. Unser Ziel ist es aber, die Lücke nach vorne zu schließen – wir haben dabei nicht das Bedürfnis, das beste Kundenteam zu werden.“

Duell McLaren vs. Aston Martin im Fokus

Allein: Der WM-Stand 2020 lässt genau auf dieses Duell schließen. Da beendete McLaren die Meisterschaft einen Platz vor dem Aston Martin-Vorgängerteam Racing Point – mit sieben Punkten Vorsprung. Vettel dürfte McLaren mit seinem alten BMW-Freund Andreas Seidl (Vettel war Testfahrer, Seidl junger Ingenieur) also längst im Visier haben.
Dabei könnte es in Zukunft auch um die Gunst von Mercedes geben, für die die Hightech-Motoren als Marketing-Instrument immer wichtiger werden als das eigene Team. Brisant: Beim Sportwagenhersteller Aston Martin ist Mercedes künftig mit rund 20 Prozent beteiligt. Und McLaren ist eine Herzensangelegenheit von Mercedes-Chef Ola Källenius, der als Geschäftsführer von Mercedes High Performance Engines einst für die Antriebe im ersten Silberpfeil der Neuzeit verantwortlich zeichnete.

Fotos: McLaren

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