Formel 1: Der neue Mercedes-AMG F1 W11 EQ Performance 2020

Formel 1: Mercedes

Zehn Jahre nach Schumi-Comeback

Vor 10 Jahren gab Michael Schumacher mit Mercedes sein Comeback. Unser Formel-1-Reporter Ralf Bach erinnert sich.
Als heute der neue Mercedes f├╝r die neue Formel-1-Saison pr├Ąsentiert wurde, gibt es viele, die ihre Zeitmaschine zehn Jahre zur├╝ckfahren lassen. Damals war das Mercedes-Museum in Stuttgart-Untert├╝rkheim bis auf den letzten Platz gef├╝llt. Die Mitarbeiter hatten zuvor eine Woche lang die Zeitzeugen aus der sagenhaften Silberpfeil-Historie auf Hochglanz poliert. Carraciolas Rennwagen aus den 30ern, Fangios Auto aus den 50ern ÔÇô sie alle sollten den schillernden Rahmen bilden zu dem, was jetzt kommen sollte.
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Als der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche die B├╝hne betrat, wurde es schlagartig still. Stolz pr├Ąsentierte Dr. Z., wie er von den Untergebenen in einer Mischung aus Respekt und Vertrautheit genannt wurde, das erste Mercedes-Werksteam seit 1955. Seinen Schnauzbart hatte der geb├╝rtige Istanbuler noch mehr gestylt als sonst, um einen Satz zu pr├Ągen, der Mercedes genauso unter Druck setzen sollte wie Fu├čball-Kaiser Franz Beckenbauer seinen Nachfolger Berti Vogts 1990. Damals verk├╝ndete der gerade abgetretene Teamchef der Nationalmannschaft inbr├╝nstig ├╝berzeugt: ÔÇťDurch die Wiedervereinigung wird Deutschland auf Jahre unschlagbar sein.ÔÇŁ Zetsches Vision f├╝r Mercedes lautete ├Ąhnlich: ÔÇťMercedes ist jetzt das deutsche Nationalteam in der Formel 1.ÔÇŁ
Spielf├╝hrer, Spielmacher und Tor- beziehungsweise Punktej├Ąger sollte der Beckenbauer des Motorsports sein: Michael Schumacher. Den Rekordweltmeister hatte Zetsche mit Hilfe seines neuen Teamchefs Ross Brawn beim letzten Rennen in Abu Dhabi 2009 (dort war Schumacher als feierfreudiger Gast von Ferrari vor Ort) ├╝berredet und vor allen Dingen ├╝berzeugt, sein Formel-1-Comeback bei Mercedes zu geben ÔÇô bei der Marke, bei der 1990 als Junior seine einzigartige Karriere gestartet hatte. Bei der Marke, ohne die es den Mythos vom bodenst├Ąndigen Rheinl├Ąnder nie gegeben h├Ątte.

Vor zehn Jahren gab Michael Schumacher sein Formel-1-Comeback

Als Schumacher die B├╝hne betrat, waren alle Kameras auf ihn gerichtet, zeitweise blendeten ihn die Blitzlichter so stark, dass er mit verkniffenen Augen in der Menge nach bekannten Gesichtern suchte. Sein junger Teamkollege Nico Rosberg, ebenfalls Deutscher, stand im Schatten des erleuchteten Schumachers und wurde kaum wahrgenommen. Es war ein bedeutender Moment f├╝r den deutschen Motorsport und speziell f├╝r Mercedes. Denn das erste Mal hatte man den Eindruck, dass die zahlreichen Mercedes-Mitarbeiter ÔÇô sonst durchaus kritisch dem Millionen verschlingenden Formel-1-Engagement des Konzerns gegen├╝ber eingestellt ÔÇô voller Stolz die Pr├Ąsentation verfolgten, weil sie sich als Teil des Ganzen sahen.
Zehn Jahre sp├Ąter sind wir schlauer. Vom angek├╝ndigten Nationalteam blieb nicht viel ├╝brig. Vor allen Dingen aber blieben in den drei Jahren, in denen Schumacher der Steuermann des Luxustankers war, die erwarteten Erfolge aus.
Im Dezember 2011 meldete sich Lewis Hamilton bei Mercedes. Der Brite f├╝hlte sich immer noch mit Mercedes verbunden, trotz der Trennung von McLaren ein Jahr zuvor. Schon zu Kartzeiten hatte ihn Mercedes unterst├╝tzt, seinen WM-Titel 2008 f├╝hrte der Brite nicht zuletzt darauf zur├╝ck, dass Mercedes den besten Motor in der Formel 1 baute und mit technischen Innovationen aus dem Konzern McLaren auch im Bereich des Autodesigns unter die Arme griff. Hamilton w├╝nschte Frohe Weihnachten und fragte nebenbei nach seinen Chancen, 2013 bei Mercedes zu fahren. Er f├╝hlte sich bei McLaren nicht mehr wohl, k├Ânne sich eine langfristige Partnerschaft mit seinem Mentor Ron Dennis nicht mehr vorstellen und suche eine neue Herausforderung.
Der damalige Motorsportchef Norbert Haug hatte die Situation sofort ├╝berrissen und informierte Dieter Zetsche. F├╝r den Vorstandschef erschien Lewis Hamilton wie ein Weihnachtsgeschenk: Denn mit ihm, der unter den Experten als Garant f├╝r Siege galt, k├Ânnten der nervige Betriebsrat und der Aufsichtsrat wieder f├╝r die Formel 1 begeistert werden. In Hockenheim beim GP von Deutschland 2012, dem Heimrennen von Mercedes, fiel die Entscheidung endg├╝ltig f├╝r Hamilton und gegen Schumacher.
Dieter Zetsche verlie├č vor Fallen der Zielflagge missmutig das Motodrom. Einmal mehr war das Ergebnis entt├Ąuschend. Michael Schumacher wurde nur Siebter. Rosberg nur Zehnter. Dazu kam: Schumacher hatte es vers├Ąumt, dem Konzern seine Pl├Ąne mitzuhalten. Er lie├č immer noch offen, ob er weiterfahren oder seine Karriere beenden wollte.
Schumacher untersch├Ątzte die brenzlige Situation ÔÇô er war betriebsblind und merkte erst in Monza langsam, welche Gefahr von Hamilton ausging. Dabei hatte Hamilton Bernie Ecclestone bereits in Spa von seinen Pl├Ąnen berichtet. In Singapur erfuhr es auch Michael Schumacher. Endg├╝ltig. Der Aufsichtsrat nickte die Vorschl├Ąge in einer Sitzung zwei Tage sp├Ąter ab. Danach konnte der Deal mit dem Briten bekannt gegeben werden. Michael Schumacher war raus.
Zehn Jahre sp├Ąter ist klar, dass Zetsches damalige Vision vom deutschen Nationalteam Geschichte ist. Mit den sechs WM-Titeln, von denen allein Hamilton f├╝nf beisteuerte, identifizieren sich die meisten Daimler-Mitarbeiter kaum noch. Au├čer dem Stern, der immer noch auf den silbernen Autos prangt, gebe es nichts mehr, was an die Wurzeln erinnere, h├Ârt man in den Fluren des Stammwerks immer wieder.
Die Fabrik steht in England, kein Fahrer kommt aus Deutschland. Selbst das schw├Ąbische Schlachtross Norbert Haug, das zwei Jahrzehnte lang Gesicht des Motorsportengagements war und so den entsprechenden Stallgeruch vermittelte, wurde vom ├ľsterreicher Toto Wolff ersetzt. Der vermittelt das Gegenteil von Haug: Internationalit├Ąt, aalglatte Gewandtheit und ÔÇô besonders im eigenen Sinne ÔÇô ehrgeizigen Gesch├Ąftssinn. Als Identifikationsfigur f├╝r die hemds├Ąrmeligen Daimler-Arbeiter, die den Konzern einst gro├č machten, eignet er sich nicht. Trotz seiner Erfolge.
Wolff gilt neben dem im Mai vergangenen Jahres verstorbenen Niki Lauda, der in Folge der Schumacher- und Haug-Entsorgung als Berater mit ins Boot geholt wurde, als Vater der sechs WM-Titel in Folge. An Schumacher denkt keiner mehr. Au├čer einem: Ross Brawn.
Der Brite, der als Technikchef Schumachers f├╝nf WM-Titel mit Ferrari verantwortete, Schumacher zu Mercedes zur├╝ckholte und sp├Ąter wie Haug ebenfalls der Palastrevolution um Wolff und Lauda zum Opfer fiel, ist ├╝berzeugt: ÔÇťMichael hat gro├čen Anteil am Erfolg. Einen sehr gro├čen sogar. Seine st├Ąndigen bis ins Detail gehenden Fragen an alle Ingenieure gaben allen die Antworteten, die sie sp├Ąter brauchten, um in die Erfolgsspur zu kommen. Er wies allen den Weg, den man zum Gipfel gehen musste.ÔÇŁ

Formel 1: Der neue Mercedes-AMG F1 W11 EQ Performance 2020

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-alliance

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