Diese Rechnung muss Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton erst einmal erklären: "Mein Teamkollege ist Vierter. Das bedeutet, dass das Auto mindestens Dritter oder Vierter sein sollte. Und ich bin Sechster", kommentiert der Brite nach dem Qualifying zum Spanien GP am Samstag in Barcelona.
Übersetzt heißt das wohl: In Topform traut sich Hamilton immer noch zu, mehr rauszuholen aus dem Silberpfeil als sein junger Stallgefährte George Russell. Doch im Moment kann Hamilton seine Stärken kaum abrufen, auch nicht im Vergleich zu seinem 13 Jahre jüngeren Landsmann.
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"Ich habe nach wie vor Probleme mit dem Auto", gibt der siebenfache Champion zu. Eine Zehntelsekunde trennt die beiden Mercedes-Piloten im Zeittraining am Samstag, im Quali-Duell steht es nun 3:3 zwischen Hamilton und Russell.
Im Rennen aber hatte zumeist der Neuling im Team die Nase vorne, nach Punkten liegt Russell mit 56:36 deutlich vor Hamilton, der in den ersten fünf Saisonrennen durchwegs mit dem schwierigen W13 zu kämpfen hatte. "Ich weiß noch nicht, wie ich das abstelle und was ich dagegen tue. Aber ich werde es weiter versuchen und hart an mir arbeiten. Ich gebe weiter Gas", sagt der 37-Jährige.
Bessere Laune: Lewis Hamilton sieht Licht am Ende des Tunnels

Wenn der Knoten endlich platzt, sind dann auch die Zeiten vorbei, in denen Russell Hamilton vor der Nase herumfährt? Ex-F1-Pilot und Mercedes-Insider Paul di Resta geht davon aus. Der Schotte schreibt Hamilton noch lange nicht ab: "Lewis liegt dieses Auto einfach nicht so. So etwas ist aber normal und kann schon mal vorkommen. Ich denke, er wird es hinkriegen."
Für den ehemaligen Force-India-Piloten ist es nur eine Frage der Zeit, bis Hamilton wieder die Muskeln spielen lässt: "Wenn Lewis erstmal dieses Momentum bekommt, das ist der Moment, in dem du dir als Teamkollege Sorgen machen solltest. Lewis wird sicher nicht aufgeben, denn unter Druck wird er normalerweise immer besser."
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In Barcelona hat Di Resta jedenfalls schon eine andere Körpersprache bei Hamilton ausgemacht. "Lewis wirkt jetzt schon viel glücklicher. Man kann sehen, dass er bereits ein anderes Mindset hat." Der Hauptgrund dafür dürfte klar sein: Mercedes hat das Bouncing endlich besser unter Kontrolle bekommen, unter dem der W13 bisher litt - und Hamilton offensichtlich mehr als Russell.
Dafür absolvierte das Team im Vorfeld des Spanien-Wochenendes sogar Vergleichsfahrten mit verschiedenen Unterboden-Konfigurationen im Rahmen eines Filmtages in Le Castellet. In Barcelona stellt Hamilton nach dem Qualifying mit zufriedener Miene fest: "Das Auto hüpft nicht mehr auf den Geraden. Ein bisschen stört es uns noch in den Kurven, das müssen wir noch verbessern. Aber insgesamt ist es ein positiver Schritt und wir kommen näher ran an die Spitze."
Das sieht auch Mercedes-Sportchef Toto Wolff so: "Unser Anspruch ist natürlich ganz vorne mitzuspielen und das tun wir im Moment noch nicht. Es war aber in Ordnung heute. Zuletzt waren wir eine Sekunde weg, heute waren es sechs Zehntel", rechnet der Österreicher mit Blick aufs Ergebnis vor.
Weiter obenauf: Aber wie lange bleibt das so für George Russell?

Wolff gibt aber auch zu bedenken: "In Sachen Qualifying-Pace sind wir damit natürlich immer noch meilenweit weg. Allgemein haben wir jedoch eher ein Renn-Auto als ein Qualifying-Auto. Ich denke, wir haben dieses Wochenende einen soliden Schritt nach vorne gemacht. Man darf auch nicht vergessen, dass unsere Rivalen weiterentwickelt haben, während wir stoppen mussten, um das Hüpfen abzustellen."
Auch Russell freut sich über den Aufwärtstrend: "Als Team war es unser bisher bestes Qualifying diese Saison. Das zeigt, dass die Dinge, die wir ans Auto gebracht haben, funktionieren. Nur die Reifen waren heute nicht im richtigen Arbeitsfenster", sagt der junge Brite. "Aber wir haben jetzt endlich eine gute Basis. Diesen Weg müssen wir weitergehen, um noch mehr Performance im Auto zu finden." Wenn dabei nur mal nicht der schlafenden Riese auf der anderen Seite der Garage aufwacht...

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Von

Frederik Hackbarth