Es war seine 101. Pole Position, die achte beim Ungarn-GP; doch Lewis Hamilton (36) musste sich nach seiner schnellsten Runde im Qualifying auf dem Hungaroring ausbuhen lassen. Ein Pfeifkonzert der Verstappen-Fans auf der Tribüne voller Holländer direkt gegenüber des Parc Fermées war sogar durch die TV-Mikrofone zu hören.
Doch der Brite griff bei seiner Reaktion auf die Pfiffe genauso tief in die Psycho-Trickkiste wie zuvor auf der Strecke. Hamilton: „Es war eine unglaubliche Quali-Runde. Ich genieße auch die Unterstützung von den Tribünen. Ich habe mich noch nie so gut gefühlt, wenn ich ausgebuht werde.“
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Hintergrund: Der Mercedes-Star hatte Verstappen vor der letzten fliegenden Runde so sehr eingebremst, dass der Holländer seinen Reifen nicht in Top-Form für den entscheidenden Run bringen konnte. Laut Sky-Analyse war der Brite dabei zwar nicht langsamer unterwegs als in seinen Warmup-Runden zuvor. Trotzdem war schon bei der Ausfahrt aus der Boxengasse eindeutig zu erkennen, wie der Weltmeister über den Asphalt schleicht – und später immer wieder auch in seine Rückspiegel schaut. Resultat: Verstappen konnte seine Zeit nicht entscheidend verbessern, wird nur Dritter.
Servus-TV-Experte Nico Hülkenberg kennt das Verhalten von Hamilton. „Lewis ist immer sehr extrem beim Abstand lassen, der hat am liebsten eine halbe Minute Luft vor sich.“ Auch der Engländer selbst weist den Vorwurf des Bummel-Ticks von sich, betont: „Ich muss keine Taktikspielchen spielen. Ich weiß, was ich im Auto tue. Ich bin schnell genug. Ich brauche keine Taktiken. Diejenigen, die solche Kommentare abgeben, haben keine Ahnung von dem Job, den wir hier machen.“
Hamilton macht langsam, die Red Bulls stauen sich
Bei Red Bull sieht man das natürlich anders. „Wir wussten, dass Hamilton sehr, sehr schnell ist, dachten aber, dass wir im zweiten Anlauf zumindest Bottas kriegen können“, verrät Berater Helmut Marko. „Aber mit den Spielchen, die das Publikum gerade mit dem herrlichen Pfeifkonzert quittiert hat, hat Hamilton verhindert, dass Max noch eine schnellere Runde fahren konnte. Perez ist dann ganz runtergefallen wegen ihrer Bummeltaktik.“
Stellt sich trotzdem die Frage: Hätte Red Bull nicht vor Mercedes rausfahren können? Sergio Perez zuckt mit den Schultern: „Hinterher ist man immer schlauer.“
Bei Mercedes kann man sich das Siegerlächeln indes nicht verkneifen. „Es ist ein Rebound auf einer Strecke, die immer tricky für uns war“, sagt Teamchef Toto Wolff, den die Buh-Rufe kalt lassen. „Es gibt eben immer mal wieder Beschwerden. Das ist halt ein Wettkampf zwischen den beiden und natürlich werden die Holländer ihren Fahrer unterstützen. Genauso war’s in Großbritannien für Lewis.“
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Fürs Rennen liegt nicht weniger Brisanz in der heißen ungarischen Puszta-Luft. Während die Mercedes mit Medium-Pneus aus der ersten Startreihe losfahren, gehen beide Red Bulls mit weichen Gummis ins Rennen. Geplant war das angeblich nicht. „Wir hatten Angst, dass wir mit den gelben Reifen in Q2 ausscheiden“, erklärt Marko.
Zu erwarten ist nun eine Strategieschlacht der WM-Rivalen Hamilton und Verstappen. „Am Start bringt der weiche Reifen fünf Meter“, rechnet Hamilton vor, der auf den Mediums hingegen länger mit dem ersten Boxenstopp warten kann als Verstappen. „Es wird spannend zu sehen, ob ein oder zwei Stopps angesagt sind.“ Bei einer Zweistopp-Strategie könnte Verstappens Reifenwahl die bessere sein. Zur Erinnerung: Im Vorjahr überrumpelte Hamilton den Holländer mit einem Stopp mehr.
Allerdings laden die ersten beiden Kurven des Hungarorings auch zu Kollisionen ein. Fest steht: „Nach den Ereignissen aus Silverstone wird keiner nachgeben“, glaubt Ex-Champion Nico Rosberg. „Weder Verstappen noch Hamilton.“ Es wird heiß in Ungarn!

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