Die Worte von Haas-Teamchef Günther Steiner nach Mick Schumachers Crash in Runde 27 des Großen Preises von Monaco lassen tief blicken: "Es ist nicht sehr befriedigend, wieder einen großen Unfall zu haben. Wir müssen sehen, wie wir von hier aus weitermachen."
Es ist nicht mehr wegzudiskutieren: Die Häufung der Unfälle in der Saison 2022 gefährdet Mick Schumachers Formel-1-Karriere. Als einziger Pilot neben Williams-Bezahlfahrer Nicholas Latifi ist der Deutsche noch ohne Punkt.
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Schlimmer noch: Die bisherige Saison des Haas-Piloten ist gepflastert von Pleiten, Pech und Pannen. Die Liste ist lang. Zu lang.
Beim Saisonauftakt in Bahrain ist Schumacher am Start in eine Kollision verwickelt und dreht sich, verpasst am Ende deshalb die Punkte. Beim zweiten Rennen in Saudi-Arabien fährt er gar nicht mit: Nach einem schweren Unfall im Qualifying verpasst der Deutsche den Grand Prix am Sonntag, sein Auto ist schrottreif.
Bereits in Saudi-Arabien hatte Mick Schumacher einen schweren Unfall.

Den Australien GP übersteht Schumi jr. zwar ohne großen Unfall, mehrere Ausritte im Rennen verhageln aber erneut die Chance auf Punkte. Glück hat er außerdem, als er hinter dem Safetycar nur um Haaresbreite das Heck von AlphaTauri-Pilot Yuki Tsunoda verfehlt.
In Imola patzt der Deutsche gleich zweimal: Am Start dreht er sich in Fernando Alonso, später im Rennen kreiselt er auch in der Schikane von der Bahn, wird nur Vorletzter. Bei der F1-Premiere in Miami zeigt der Haas-Pilot schließlich seine beste Saisonleistung – zumindest bis kurz vor Schluss: Im Kampf um die letzten Punkteränge kollidiert Schumacher ausgerechnet mit seinem Kumpel Sebastian Vettel, wieder ist alles futsch.
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Beim Grand Prix in Barcelona kann der Haas-Pilot zumindest im Qualifying positiv überraschen, feiert seinen ersten Einzug in den dritten Qualifying-Abschnitt. Im Rennen geht es mit schlechter Strategie aber nur nach hinten, im Ziel kann der 23-Jährige deshalb wieder keine WM-Punkte mitnehmen – genauso wie nach dem neuerlichen Crash am Sonntag in Monte Carlo.
Die Folge: Der Druck auf den Schumi-Sohn wächst. Haas-Teamchef Günther Steiner hatte schon vor dem Rennen in Monaco Resultate gefordert: "Sonst ist die Saison irgendwann vorbei und wir warten auf den 24. GP." Vor allem die hohen Rechnungen, die der Deutsche mit seinen vielen Unfällen verursacht, sind dem Südtiroler  zunehmend ein Dorn im Auge.
„Die Punkte zu verlieren ist das eine fürs Team“, sagt Ex-Pilot Alexander Wurz, „aber verbunden mit dem Auto ist es eben auch immer sehr viel Geld.“
In der Formel 1 gilt aber auch: Man ist immer so gut, wie sein letztes Rennen. Heißt: Ein Punkteresultat kann würde alle Kritiker schnell verstummen lassen.
Toro Rosso-Teamchef Franz Tost springt Schumacher zur Seite.

Toro Rosso-Teamchef Franz Tost, der einst Ralf Schumacher betreute und mittlerweile bei Red Bull aus Junioren Formel-1-Stars macht, springt Schumacher auch deshalb zur Seite: „Man sollte Mick jetzt nicht vorschnell abschreiben“, sagt der Österreicher zu F1-Insider.com. „Ich glaube weiter an ihn. Man darf nicht vergessen, dass Mick die Formel 3 und Formel 2 gewonnen hat. Das passiert nicht aus Versehen. Mick braucht vielleicht einfach etwas mehr Zeit. Die sollte man ihm geben, Es ist erst seine zweite Formel-1-Saison und wir haben völlig neue Autos, die schwer zu fahren sind.“
Dazu passt: Schumacher hat bisher immer zwei Jahre gebraucht, um Top-Leistungen in neuen Rennwagen bringen zu können. „Er ist ein Learner“, sagt auch Ex-Mercedes-Sportchef Norbert Haug. „Und er versucht eben, alles aus dem Auto rauszuholen. Wenn man da ein paar Zentimeter zu früh einlenkt, kann das böse Folgen haben. Trotzdem sollte das Team jetzt zu ihm stehen. Wenn er den Knoten in seinem System lösen kann, fährt er auch in die Punkte.“
Die Formel 1 kann in solchen Situationen brutal sein. Schumacher junior darf sich von den Kritikern jetzt nicht verunsichern lassen. „Die Saison ist noch lang, das Blatt kann sich sehr schnell wieder wenden“, weiß er selbst. „Das habe ich früher schon gezeigt und das kann ich auch dieses Jahr wieder zeigen.“
Die Absolution bekommt er von seinem Mentor Sebastian Vettel: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass Mick mehr kann, als er gerade zeigt. Aber ich finde, Ihr (die Medien; d. Red.) müsst ihn mal ein bisschen in Ruhe lassen.“ Bloß: Ob sich Teamchef Steiner an den gut gemeinten Ratschlag  des vierfachen Weltmeisters hält, ist zu bezweifeln.

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Von

Bianca Garloff