Verwechslungsgefahr beim Formel-1-Finale: Gleich drei Sebastian Vettels sind am Wochenende in Abu Dhabi augenscheinlich auf der Strecke unterwegs und sorgen bei den Zuschauern auf den Tribünen und vorm TV-Schirm für verwunderte Blicke. Denn nicht nur im Aston Martin ist der markante weiße Helm mit den Streifen der Deutschlandflagge zu erspähen, sondern auch im Alpine und im Haas.
Der Grund: Neben Vettel selbst fahren zum Formel-1-Abschied des vierfachen Weltmeisters auch Ex-Rivale Fernando Alonso und Kumpel Mick Schumacher mit einem Tribute-Helm in den Farben des Heppenheimers.
Im Fall von Landsmann Schumacher scheint das Glück zu bringen, denn in Sachen Leistung ist der Haas-Fahrer am Samstag ebenfalls nicht von den beiden mehrfachen Weltmeistern zu unterschieden: Schumi Jr. rast im Qualifying auf dem Yas Marina Circuit auf den starken 13. Platz. Weil Daniel Ricciardo als Hypothek aus Brasilien noch eine Rückversetzung um drei Startplätze mitbringt, geht es für Schumacher in der Startaufstellung am Sonntag sogar auf die zwölfte Position nach vorne.
Während Teamkollege Kevin Magnussen als 16. am Samstag bereits früh ausscheidet, schafft Schumacher als Elfter locker den Sprung in die nächste Runde: Ein Erfolg im letzten teaminternen Quali-Duell mit dem Dänen und gleichsam etwas Genugtuung für Schumachers geschundene Seele der nach seiner vor dem Final-Wochenende bekanntgewordenen Ausbootung beim US-Rennstall. Bei Haas wird der 23-Jährige 2023 durch Nico Hülkenberg ersetzt.
"Wir müssen Mick mitziehen. Aber wir brauchen jemanden, der uns mitzieht", hatte Teamchef Günther Steiner unlängst noch mit harten Worten die Verpflichtung Hülkenbergs begründet. Im Qualifying sieht das am Samstag jedoch anders aus, weshalb es vom strengen Südtiroler anschließend nur Lob für Schumacher gibt: "Mick hat heute eine sehr gute Leistung gezeigt und für uns eine feine Ausgangslage geschaffen."
Mick Schumacher lieferte ein starkes letztes Qualifying für das Haas-Team ab.

Schumacher selbst freut sich nach dem Zeittraining: "Q1 sah nicht so schlecht aus und auch Q2 war okay. Wir hatten das Gefühl, dass wir in einer ganz guten Position sind und es waren am Ende weniger als zwei Zehntel, die zu Q3 gefehlt haben. Sehr überraschend, dass wir so nah dran waren." Auch im Rennen will er nochmal seine Klasse unter Beweis stellen und hat den Blick dabei vor allem auf AlphaTauri gerichtet, mit denen sich Haas beim Finale noch ein Duell um Rang acht in der Konstrukteurs-WM liefert. Zwei Punkte Vorsprung hat das US-Team aktuell.
"Wir haben morgen doch einige Autos hinter uns, die recht schnell sind. Gut ist aber, dass wir vor einem AlphaTauri sind und der andere direkt vor uns steht. Das heißt wir müssen einen guten Start haben und unser Rennen so planen, dass wir einfach vor ihnen ins Ziel kommen", sagt Mick, der direkt hinter Yuki Tsunoda losfährt: "Den will ich mir am liebsten gleich beim Start packen."
Ansonsten ist Schumachers Motto für seinen vorläufigen Abschieds-GP: "Einfach mit Spaß rangehen." Die lange Saison und die turbulenten letzten Wochen haben zwar auch beim Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher ihre Spuren hinterlassen: "Natürlich merkt man, dass man müder ist. Aber auf der anderen Seite geht der Gedanke sofort weg, sobald man ins Auto einsteigt. Dann fühle ich mich gleich wieder so frisch wie im ersten Rennen."
Schumi Jr. erklärt: "Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ich mega viel Spaß habe Rennen zu fahren und mit dem Team zu arbeiten. Dementsprechend voller Energie bin ich, wenn es drauf ankommt."
Allein: Zumindest mit Blick auf die Saison 2023 sind Schumachers Chancen auf ein Renncockpit am Samstag nicht gerade gestiegen. Der einzig verbliebene Platz bei Williams soll an den US-Amerikaner Logan Sargeant gehen, wenn dieser die nötigen Superlizenz-Punkte sammelt. Nach Rang sechs im Sprintrennen der Formel 2 liegt Sargeant vor dem sonntäglichen Finallauf auf Gesamtrang drei. Erst als Gesamtsiebter würde der 21-Jährige die nötigen Punkte für den F1-Führerschein verpassen, sein Vorsprung auf diese Position beträgt aber bereits komfortable zwölf Zähler.

Von

Frederik Hackbarth