So einen Fehler sieht man vom Weltmeister selten: Beim Herausbeschleunigen aus seiner Box übertreibt es Red-Bull-Star Max Verstappen im Silverstone-Q1 auf feuchter Strecke mit dem Gas und ramponiert sich den Frontflügel an der Boxenmauer.
"Ich hatte Untersteuern und einfach keinen Grip", funkt Verstappen an seine Mechaniker, die ihn umgehend zurück in die Garage schieben und dem Auto eine neue Nase verpassen: Mit dieser rast er in Q1 noch auf Rang fünf, in Q2 und Q3 dann schließlich zur Bestzeit und Pole-Position. "Es war ein verrücktes Qualifying und ganz schön rutschig an manchen Stellen", lacht Verstappen in Anspielung auf seinen kleinen Patzer.
Auch Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko muss nach der Jagd auf die Pole erstmal durchschnaufen: "Schon davor hat sich ein Kabel verklemmt und Max hat beim Rausfahren die Hälfte unseres Overboard-Desks abgerissen, danach ist er dann in die Mauer gekracht, weil es dort sehr rutschig war", kommentiert der Österreicher: "Wir hatten glücklicherweise noch genug Zeit, um das zu reparieren, aber es hat doch für einige Aufregung gesorgt."
Lando Norris wurde starker Zweiter.
Bild: LAT / Pirelli

Vor allem, weil Red Bull anschließend fast den nächsten Fehler begeht: "Wir haben am Ende sogar überlegt, nicht noch einmal rauszufahren, um Reifen fürs Rennen aufzuheben. Gott sei Dank haben wir das nicht gemacht", verrät Marko. Denn am Ende des Qualifyings kommt Verstappen auf einmal ein ganz neuer Gegner gefährlich nahe: McLaren sorgt am Samstag für die große Überraschung, Lando Norris und Teamkollege Oscar Piastri sortieren sich direkt hinter dem F1-Dominator ein und sorgen ausgerechnet beim Heimspiel für großen Jubel beim Traditionsrennstall aus Woking und auf den Rängen.
"Ich bin schon etwas überrascht, sie hier zu sehen, das ist natürlich toll für sie" gratuliert auch Verstappen nach seiner fünften Pole in Folge. Ebenfalls den fünften Streich in Folge setzt es am Samstag für Red-Bull-Teamkollege Sergio Perez, allerdings im negativen Sinne: Der Mexikaner verpasst zum fünften Mal in Folge das Q3, diesmal ist auf abtrocknender Strecke sogar schon in Q1 Schluss, wenngleich ihm nur 19 Tausendstel auf Fernando Alonso und das Weiterkommen fehlen. Nach dem starken Saisonstart sucht Perez mittlerweile seit Wochen seine Form.
Ferrari muss sich durch den McLaren-Aufschwung am Samstag mit den Plätzen vier und fünf zufriedengeben, zudem gibt es zwischen Charles Leclerc und Carlos Sainz in Q1 Zoff am Funk. Auch bei Mercedes ist die Stimmung getrübt, George Russell und Lewis Hamilton kommen beim Heimspiel in Großbritannien nicht über die Ränge sechs und sieben hinaus, das Mercedes-Upgrade mit dem neuen Frontflügel scheint das Team selbst noch nicht ganz zu verstehen.
Für Nico Hülkenberg reichte es nur zu Platz 11.
Bild: Haas

Für die Top-10 reicht es auch im Fall von Qualifying-Spezialist Nico Hülkenberg am Samstag nicht, mit Rang elf im schwachen Haas gelingt dem Emmericher aber trotzdem ein respektables Ergebnis. Teamkollege Kevin Magnussen sorgt nach technischem Defekt schon in Q1 für eine rote Flagge und muss am Sonntag im Grand Prix (Start: 16 Uhr, live auf Sky) entsprechend vom letzten Platz losfahren.

Formel 1 Grand Prix von Großbritannien
Qualifying, Ergebnis

1. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull 1:26,720 Min.
2. Lando Norris (Großbritannien) - McLaren +0,241 Sek.
3. Oscar Piastri (Australien) - McLaren +0,372
4. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari +0,416
5. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Ferrari +0,428
6. George Russell (Großbritannien) - Mercedes +0,435
7. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +0,491
8. Alexander Albon (Thailand) - Williams +0,810
9. Fernando Alonso (Spanien) - Aston Martin +0,939
10. Pierre Gasly (Frankreich) - Alpine +0,969
11. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Haas 1:28,896
12. Lance Stroll (Kanada) - Aston Martin 1:28,935
13. Esteban Ocon (Frankreich) - Alpine 1:28,956
14. Logan Sargeant (USA) - Williams 1:29,031
15. Valtteri Bottas (Finnland) - Alfa Romeo 1:29,798
16. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull 1:29,968
17. Yuki Tsunoda (Japan) - Alpha Tauri 1:30,025
18. Zhou Guanyu (China) - Alfa Romeo 1:30,123
19. Nyck de Vries (Niederlande) - Alpha Tauri 1:30,513
20. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas 1:32,378