Formel 1: Red Bull 2010
Wilder Stier oder lahmer Ochse?

Die nächsten drei Wochen können entscheidend für Sebastian Vettels Zukunft mit Red Bull werden. Weil der Mercedes-Motor derzeit nicht zu haben ist, flirten die Österreicher mit Cosworth. Ein Fehler?
Mit 16 Punkten Rückstand auf Jenson Button kämpft Sebastian Vettel in den letzten beiden Rennen um die Weltmeisterschaft. Ein ohnehin fast unmögliches Unterfangen. Zwei Siege sind Pflicht. Dazu muss Vettel hoffen, dass Button nicht mehr als drei Punkte kassiert. Doch ausgerechnet in der entscheidenden WM-Phase brennt es bei Red Bull. Zukunftsangst und ein störrischer Teamkollege setzen Vettel und Co. unter unnötigen Druck. Baustelle eins: der Motor. Red Bull ist unzufrieden mit dem unzuverlässeigen Renault-Aggregat (vier Motorschäden allein bei Vettel). Doch Chefdesigner Adrian Newey drängt auf eine Triebwerksentscheidung für die kommende Saison. Red Bull-Sportchef Dr. Helmut Marko bestätigt gegenüber autobildmotorsport.de: "Wir haben vier Optionen: Mercedes, wo McLaren uns derzeit noch ausbremst, Toyota, Renault und Cosworth. Die prüfen wir in allen Einzelheiten und die bestmögliche Option werden wir wahrnehmen."
Red Bull sauer wegen McLaren-Blockade

Bild: Hersteller
Cosworth genießt Sonderrechte
Die Zeit läuft Red Bull davon. Deshalb liebäugelt man nun sogar mit Neueinsteiger Cosworth. Marko: "Wir würden den Motor nicht in Betracht ziehen, wenn die Daten nicht ein gutes Paket signalisieren würden." Tatsächlich genießt Cosworth 2010 Sonderrechte. Weil die FIA den Achtzylinder als neues Triebwerk einstuft, darf die 70-köpfige Mannschaft bis zum 1. März 2010 an dem Motor arbeiten. Mercedes, Ferrari, Renault und Toyota sind aufgrund des Entwicklungsstopps dagegen die Hände gebunden.
VW lehnte Cosworth-Kauf ab
Trotzdem würde laut ABMS-Informationen ein möglicher Cosworth-Deal Vettel schon jetzt alle Chancen auf den WM-Titel 2010 nehmen. Denn obwohl die englische Motorschmiede vier Mitarbeiter von Mercedes abwerben konnte ("Nicht gerade unsere Besten", sagt ein Insider von Mercedes High Performance Engines in Brixworth) gilt die Fabrik in England als marode. AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr: Im Frühjahr erhielt VW von Ex-Force-India-Teamchef Colin Kolles einen Anruf. Im Auftrag von Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone sollte Kolles VW davon überzeugen, Cosworth zu übernehmen. Daraufhin prüften VW-Techniker die britische Motorenschmiede auf Herz und Nieren – und winkten frustriert ab. Mindestens 30 Millionen Euro, heißt es aus VW-Kreisen, bräuchte man, um Cosworth auf Formel-1-Mindeststandard zu hieven. Der Plan wurde als sinnloses Unterfangen zu den Akten gelegt.
Webber verweigert Hilfe für Vettel

Bild: xpb.cc
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