Dieser Texas-Thriller war nichts für schwache Nerven: Nach dem direkten Duell am Start kamen sich die beiden WM-Rivalen Max Verstappen (23) und Lewis Hamilton (36) auch in den Schlussrunden des USA GP in Austin noch mal richtig nahe.
„Es war ein unglaubliches Rennen, sehr nervenaufreibend“, kommentiert Red Bulls sonst eher abgeklärter Motorsportberater Dr. Helmut Marko. „Am ruhigsten von uns allen war der Max. Er hat die Reifen sensationell in Schuss und dem Druck damit am Ende standgehalten.“
Dabei lief es auf den ersten Metern zunächst nicht nach Plan für Red Bull: „Am Start hat der Druckpunkt nicht richtig gepasst, dadurch hat Max den Start verloren“, verrät Marko.
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Das ist dann aber auch der einzige Kritikpunkt des Grazers. „Danach haben wir gesehen: Mercedes ist mit vollen Tanks nicht so schnell, wie wenn das Gewicht später runter geht. Deshalb haben wir uns für den Undercut entschlossen, der Gott sei Dank funktioniert hat.“
Und auch sein zweites Eisen im Feuer setzte Red Bull gut ein, wie Marko erklärt: „(Sergio; d. Red.) Perez war nah genug vorne dran, damit Mercedes von der Strategie her nicht in eine andere Richtung gehen konnte, die uns hätte schaden können.“
Sehr zur Freude von Sieger Verstappen ging Red Bulls Taktik auf.
Sehr zur Freude von Sieger Verstappen ging Red Bulls Taktik auf: „Die zwei langen Stints auf den harten Reifen haben für uns gut geklappt. Ich bin mein eigenes Tempo gefahren, habe aber am Schluss natürlich mehr gepusht und glücklicherweise war dann noch etwas in den Reifen, die letzten drei, vier Runden“, erklärt der Niederländer.
Mercedes hadert indes mit der verpassten Chance nach Hamiltons Raketenstart. „Das war wahrscheinlich der beste Start, den ich dieses Jahr hatte. Der hat uns in eine gute Position gebracht“, sagt der Titelverteidiger. Verstappens Pace im ersten Stint war aber deutlich besser als Hamiltons, der damit chancenlos gegen den Undercut war. „Sie haben durch die Regeländerungen dieses Jahr weniger Downforce am Heck verloren als wir. Ich habe versucht, dagegen zu halten, aber als sie erstmal vorne waren, wurde es schwierig“, so Hamilton.
Der Brite kam am Ende zwar ran an den Holländern, aber weder nahe genug für eine Attacke geschweige denn vorbei: „Ich habe gehofft, dass ich ihn noch einhole, aber unterm Strich war unser Rückstand einfach zu groß und sie hatten auch nicht so hohe Reifenverschleißwerte. Ich hätte noch einige Runden gebraucht, um vorbeizukommen“, sagt der Mercedes-Star zu seiner Aufholjagd auf Verstappen, der sich trotz acht Runden älterer Reifen am Ende vor ihm halten konnte.
Auch Sportchef Toto Wolff glaubt: „Wir hätten gewinnen können, weil wir nach dem Top-Start vorne waren und später gute Pace auf den harten Reifen hatten.“ Das Problem dabei: das Timing. Als Hamilton vorne war, war er zu langsam. Als der Brite endlich die Pace hatte, fuhr er hinter Verstappen. „Red Bull war schneller auf dem Medium, wir auf dem harten Reifen“, erklärt Wolff das Gummidilemma für sein Team.
Der Österreicher macht der Konkurrenz in Austin aber auch ein Kompliment: „Man muss sagen: Sie haben eine ziemlich aggressive Strategie gewählt, wirklich gut riskiert und am Ende gewonnen. Der Undercut war sehr früh und ein Risiko, das wir in der Form vielleicht nicht eingegangen wären. Wir haben das in Bahrain so gemacht und ganz knapp gewonnen. Das ist ihnen jetzt heute gelungen.“
Ein Grund für die Niederlage war auch Mercedes' unerklärlicher Leistungseinbruch nach dem dominanten Auftakttraining am Freitag. „Wir müssen uns für dieses Wochenende nochmal auf Spurensuche begeben zwischen Freitag und Samstag: Wo haben wir uns getäuscht und es falsch gemacht, wo richtig? Da wird es viele Diskussionen geben, was wir aus diesem Wochenende lernen können“, sagt Wolff.
Einen möglichen Faktor hat der Mercedes-Sportchef schon ausgemacht: „Wir haben Freitag bemerkt, dass wir mit den Bodenwellen hier stark aufsetzen, deswegen haben wir uns entschieden, etwas hoch zu gehen mit dem Auto.“
Der USA GP in Austin zeigt, wie eng es aktuell zwischen Red Bull und Mercedes zugeht.
Bleibt die Frage, wie es weitergeht im spannendsten WM-Duell seit Jahren? Weltmeister Hamilton fürchtet: „Die nächsten zwei Strecken sind Red-Bull-Strecken. Vielleicht hilft uns ja ein bisschen schlechtes Wetter.“ Teamchef Wolff hält von derlei Prognosen nicht mehr viel: „Ich glaube nicht wirklich, dass es ein bestimmtes Schema gibt, wer auf welcher Strecke wie gut ist. Wir müssen jetzt einfach pushen, uns von Session zu Session hangeln und alle Stärken zusammenbringen, um zu gewinnen. Jetzt zählt jedes Rennen.“
Bei Red Bull blickt man noch selbstbewusster auf die kommenden WM-Läufe: „Mexiko und auch Brasilien können für uns sehr gut werden. Aber wir müssen abwarten, der Unterschied liegt momentan immer nur in kleinen Details“, sagt Verstappen nach seinem achten Saisonsieg. Marko ergänzt: „Von der Höhenlage her haben wir mit unserem Turbo dort einen Vorteil.“
Außerdem rechnet der Österreicher vor: „Wir haben immer gesagt: Zehn Rennen müssen wir gewinnen. Wenn die nächsten beiden gut laufen, können wir etwas beruhigter in den Nahen Osten gehen.“
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Zumal Red Bull laut Marko aktuell über dem Soll liegt: „Wir haben ehrlich gesagt befürchtet, dass wir Sotschi, die Türkei und Austin mit einem Rückstand verlassen werden. Jetzt sind es zwölf Punkte Vorsprung. Das macht uns Mut.“
Das WM-Duell Verstappen gegen Hamilton – es bleibt mega-spannend.

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Von

Frederik Hackbarth