Unterschiedlicher konnten die vermeintlichen Rivalen der Rennbahnen nicht auftreten. Platzhirsch Lewis Hamilton (36), Mercedes-Fahrer, Superstar und Sprachrohr für eine ganze Black-Power-Generation, wollte zeigen, wie locker er drauf ist. Er trug eine karierte Hose, die Circus Roncalli für jeden Auftritt seiner Künstler zur Uniform befehlen würde. Die Sneakers hatte er nicht geschnürt. Warum auch? Das ist was für Konformisten. „Ich bin King Cool“, wollte er demonstrieren. „Mir kann keiner was, schon gar nicht der junge Holländer, der an meinem Thron rütteln will.“
Allein: Seine aggressiv nach vorne gebeugte Körperhaltung sagte etwas anderes. Jeder Hobbypsychologe hätte darin eine Abwehrhaltung gedeutet, genauso wie das bei jeder Frage extreme Anspannen seiner hart antrainierten und durchaus als Zeichen von Männlichkeit gern gezeigten Muskeln, die das weiße Mercedes-Teamhemd immer wieder vor eine Zerreißprobe stellten. Es war nicht schwer zu deuten, wen er im blauen Cape sah, als die mittlerweile üblich gewordene Kinderfrage nach seinem Held der Kindheit fragte: „Superman“, antwortet der Superstar ohne zu zögern. Nur im Nebensatz lässt Hamilton fallen, dass er auf jeden Fall auch nächstes Jahr noch dabei bleiben wolle. „Ich liebe die Herausforderung. Obwohl", relativiert er sogleich wie jemand, dessen Worte gerade die Vernunft überholt haben, „obwohl sich Dinge natürlich auch wieder ändern können.“
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Wenig später präsentierte sich Herausforderer Max Verstappen (23) als das genaue Gegenteil. Er saß entspannt da in seinen Teamklamotten von Red Bull. Die Hände gefaltet, locker zurückgelehnt, mit einem leichten, aber selbstbewussten Grinsen. Wie einer, der seinen Weg zum eigenen Ich gefunden hat. Ein Kronprinz, der genau weiß, wie er den König stürzen kann und nicht mal das Pfauengewand dazu spreizen muss. „Die Saison ist noch lang“, sagt Verstappen nüchtern nach seinem Sieg im zweiten Saisonrennen in Imola. "Es geht darum, immer das Maximum herauszuholen und weniger Fehler zu machen. Ich bin aber zuversichtlich, weil wir von Anfang an konkurrenzfähig sind und das auch bleiben wollen.“
"Psychospielchen prallen an Verstappen ab"
Lewis Hamilton gegen Max Verstappen: Das Formel-1-Duell des Jahres spitzt sich jetzt schon zu.
Allein, darin sind sich alle Experten einig: Die WM wird im harten Zweikampf zwischen den beiden entschieden. Denn den Teamkollegen Sergio Perez (Verstappen) und Valtteri Bottas (Hamilton) wird zwar gewisses Potential attestiert, aber nicht genug, um über eine Helfersrolle hinauszukommen.
Die Säbel sind geschärft, besonders im Umfeld. Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko (78) sieht seinen Fahrer gegenüber F1-Insider.com im Vorteil. „Die Psychospielchen von Hamilton prallen an Max ab.“ Die seien wie Hiebe eines Boxers, die beim Gegner ins Leere laufen und nur unnötig Kraft kosten. Was Marko meint: Dass Hamilton vor wenigen Wochen seinen Kampf gegen Sebastian Vettel im Ferrari 2018 als den härtesten seiner Karriere bezeichnete. Marko: „Das darf man nicht ernst nehmen und zeigt doch nur, wen Lewis wirklich ernst nimmt. Max weiß das und das macht ihn nur noch stärker und selbstbewusster.“
Marko stellte schon beim letzten Rennen in Imola fest, dass Hamilton Druck verspüre: „Er hätte sich nie auf einen Zweikampf mit Max in der ersten Kurve einlassen dürfen. Auf seiner Außenposition konnte er nur den Kürzeren ziehen. Trotzdem wollte er den Platzhirsch geben und hat so sein Rennen ruiniert. Ich hoffe, das ist der Trend. Wir werden jedenfalls alles dafür tun, um den Druck aufrecht zu halten."
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Fest steht: Der knallharte Kampf zwischen King Cool und dem Kronprinzen aus den Niederlanden wird die Formel 1 bis zum letzten Rennen beschäftigen. Man darf gespannt sein, wer die dritte Runde im Megakampf der Schwergewichte am Sonntag in Portugal gewinnt.

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Ralf Bach