War das schon eine kleine Vorentscheidung im WM-Kampf? Max Verstappen gewinnt auch in Mexiko, baut seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft aus. Während der Red-Bull-Pilot und sein Teamkollege Sergio Perez auf Händen durchs Stadion getragen werden und mit der mexikanischen Flagge vor den frenetischen Fans jubeln, hängen bei Gegner Mercedes die Köpfe - und auch der Haussegen etwas schief.
Grund ist der verlorene Start: "Ich habe versucht, den Red Bull in meinem Rückspiegel hinter mir zu halten und dachte, Valtteri (Bottas; d. Red.) macht das Gleiche. Er hat aber offensichtlich die Tür für Max aufgelassen. Der war auf der Rennlinie, konnte deshalb in Kurve eins auf der Bremse einen Mega-Job machen. Für mich gab es auf der schmutzigen Innenseite keine Hoffnung", kritisiert Hamilton seinen sonst so treuen Gefolgsmann.
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Während Verstappen und Hamilton an Bottas vorbeigehen, wird der Finne in Kurve eins von Daniel Ricciardo umgedreht, kommt nur als 15. ins Ziel. Nach dem Rennen muss Prügelknabe Bottas zum Rapport bei Mercedes-Sportchef Toto Wolff antreten. Auch der Wiener ist wenig begeistert: "Es ist ärgerlich, dass wir es ihnen heute vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht haben. Ich glaube, man hätte das besser verteidigen können", sagt Wolff zum Start.
"Da ist alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann. Es war auch unglücklich, weil Lewis einen etwas besseren Start hatte als Valtteri: Dadurch sind sie nebeneinander gefahren statt im Windschatten, das war nicht ideal. Aber Valtteri hätte sich auch bisschen weiter links orientieren müssen", findet Wolff.
Verstappen: Sieger in Mexiko - und bald auch Weltmeister?
Sky-Experte Timo Glock führt Bottas' mangelnden Biss auch auf den Mercedes-Abgang des Finnen am Saisonende zurück. Der Deutsche sagt: "Wir wissen, er verlässt das Team. Da kann man sich vielleicht nicht immer auf Schützenhilfe verlassen. Sergio Perez hingegen darf bei Red Bull bleiben, da sieht das bisschen anders aus."
Eine Theorie, die Wolff nicht stützt: "Das glaube ich nicht. Sonst fährt Valtteri nicht so eine Runde wie gestern (zur Pole im Qualifying; d. Red.)", kommentiert der Mercedes-Sportchef. Zumindest ein bisschen Schadensbegrenzung gelingt Bottas am Sonntag doch noch: Im allerletzten Umlauf verhindert er mit der schnellsten Rennrunde, dass Verstappen einen Extrapunkt einstreicht.
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In der WM sieht es trotzdem immer besser für den Holländer aus. Gewinnt Verstappen auch das nächste Rennen in Brasilien, hat er mindestens 25 Punkte und damit einen Rennsieg Vorsprung. Dann würden ihm in den letzten drei Saisonrennen im Nahen Osten zweite Plätze zum Titelgewinn reichen. Doch der Red-Bull-Star will sich mit solchen Rechenspielen noch nicht beschäftigen: "Ich fange jetzt nicht das Träumen an. Wir müssen bis Abu Dhabi weiterkämpfen", sagt Verstappen.
"Natürlich sieht es im Moment ganz gut aus, aber es ist noch ein langer Weg. Das kann sich also schnell wieder drehen", glaubt der WM-Spitzenreiter. Für viele Experten im Fahrerlager ist der Triumph in Mexiko dennoch richtungsweisend. Franz Tost, Verstappens Ex-Teamchef bei Toro Rosso (heute AlphaTauri, d. Red.), findet: "Max verdient die WM dieses Jahr. Einen Lewis Hamilton außenherum so auszubremsen, ohne dass dabei ein Rad steht, das war schon sensationell!"
Hamilton findet aktuell kein Mittel gegen Red Bulls Pace
Auch Red-Bull-Berater Helmut Marko ist begeistert: "Max' Bremsmanöver war jenseits von Gut und Böse. Heute wird es jede Menge Tequlia geben!" Geht es nach Timo Glock, hat Red Bull bald schon Grund für die ganz große Sause: "Das heute kann bereits ein WM-entscheidender Moment gewesen sein", sagt der Deutsche: "Max hat damit auf jeden Fall ein absolutes Ausrufezeichen gesetzt, Lewis hingegen einen ziemlichen Dämpfer bekommen. Er hat teilweise resigniert gewirkt."
Was Glock meint, hört sich aus Hamiltons Mund nach dem Rennen so an: "Heute gab es nichts, was ich entgegensetzen konnte. Ihre Pace war einfach unglaublich. Ich weiß nicht, wo sie die Performance herholen, aber sie waren eine halbe Sekunde pro Runde schneller als wir", räumt der Brite in Bezug auf Red Bull zähneknirschend ein. "Wir haben noch vier Rennen und ich gebe weiter alles. Aber sie haben ganz klar das stärkere Auto."
Auch Teamchef Wolff gibt mit Blick auf Hamiltons knappen Zieleinlauf vor Perez zu: "Im Endeffekt muss man sagen, dass es für uns heute sogar ein gewonnener zweiter Platz war, weil unser Auto nicht gut genug für eins und zwei war." Die Chancen auf eine Titelverteidigung der Stuttgarter sieht Wolff aber weiter intakt: "Noch kann alles passieren. Die Meisterschaft ist noch nicht verloren. Wir müssen aber beginnen, sie auszuperformen und jetzt auch ein bisschen auf den Renngott hoffen."

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Von

Frederik Hackbarth