+++ UPDATE: Max Verstappen hat für die Kollision mit Lewis Hamilton zehn Strafsekunden und zwei Strafpunkte im Sündenregister der Formel 1 bekommen. Am Rennergebnis ändert das nichts. Begründung der Rennkommissare in Dokument 45: Der Holländer hat plötzlich mit 69 bar Bremsdruck verzögert. Das resultierte in einer Verzögerung von 2,4g. Verstappens Fahrweise sei damit unberechenbar gewesen und wird so als Hauptursache für den Crash gewertet.

Red Bull fordert Klarstellung

Es ist DIE Szene des Rennens: Max Verstappen macht vor der letzten Kurve langsam, um Lewis Hamilton nach einem Abkürz-Manöver passieren zu lassen. Doch der Brite fährt nicht vorbei, stattdessen rauscht er dem Holländer ins Heck. Anschließend beschwert er sich am Funk, der Red Bull-Pilot sei „fucking crazy“ und habe ihn bremstesten wollen. Der Vorfall wird nach dem Rennen untersucht.
Doch Red Bull will die Aussagen so nicht stehen lassen. „Diesen sogenannte Bremstest, über den sich Hamilton aufgeregt hat, können wir entschärfen“, sagt Red Bull-Berater Helmut Marko bei Sky. „Auf unseren Daten ist keine Veränderung des Bremsdrucks zu sehen. Hamilton hat sich einfach verschätzt. Dann bekommen wir noch eine 5-Sekunden-Stafe und Max‘ Reifen waren beschädigt. Die hatten nach der Kollision zwei tiefe Schnitte. Wir mussten froh sein ins Ziel zu kommen.“
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Der Grazer will sich mit Platz zwei nicht abspeisen lassen. „Wir sammeln jetzt unsere Daten. Dann wird unser Teammanager zu den Stewards gehen und eine Aufklärung fordern.“ Marko räumt allerdings auch ein: „Dass Max nicht nur den Gentleman spielt, damit Hamilton vorbeikommt, ist auch klar.“
Brisant: Nach dem Rennen erklärt der Brite selbst, warum er nicht einfach an Verstappen vorbeigefahren ist, obwohl auf der linken Seite genügend Platz war. Hamilton: „Erstens wusste ich nicht, dass ich vorbei soll. Außerdem wollte er mich vor der DRS-Zone passieren lassen, um dann auf der Geraden zu kontern.“ Das will der siebenmalige Weltmeister nicht zulassen. Das Resultat: Sein Frontflügel endet im Heck des Red Bull.
Verstappen verliert den Sieg beim GP Saudi-Arabien nach einem merkwürdigen Auffahrunfall mit Lewis Hamilton.
Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der während des Rennens in der Garage noch hoch emotional reagiert und sein Headset auf den Boden feuert, rudert nach dem GP zurück: „Wir werden uns die Telemetrie anschauen, wie wir den Frontflügel verloren haben. Wir haben jedenfalls nichts gewusst. Er bremst und dann bremst er noch mehr. Vielleicht war es einfach nur ein großes Missverständnis.“
Wolff gibt sich erstaunlich zahm: „Wir wollen, dass es fair zu Ende geht. Möge der bessere vorne sein. Wie auch immer es ausgeht, ich bin im Frieden, solange es sauber zu Ende geht.“
Allein: Max Verstappen steht am Pranger. Nicht nur wegen des Auffahrunfalls, sondern auch wegen seiner Manöver in Kurve eins, wo er gleich zweimal neben der Strecke überholt hat. Englands Formel-1-Experte Martin Brundle kritisiert bei Sky: „Max sollte seine Driving Standards mal überdenken, das war ein bisschen zu viel heute. Insgesamt war es ein schmutziges Rennen.“
Verstappen kontert: „Ist mir egal, was die anderen sagen. Ich stimme mit den Stewards nicht überein. Mit solchen Entscheidungen bin ich als Formel-1-Zuschauer vorm Fernsehen nicht aufgewachsen. Aber der Trend geht dahin, dass wir immer weniger kämpfen dürfen. Wir reden mittlerweile ja mehr über weiße Linien als übers Rennfahren.“
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Fest steht: Selbst der sonst immer so coole Verstappen zeigt im heißen WM-Endspurt Emotionen. Auf dem Podium schwänzt er das obligatorische Foto. Seine Ausrede: „Da gab es keinen Champagner, das hat keinen Spaß gemacht.“ Aus Spaß wird in der Formel-1-Saison 2021 ein Rennen vor Schluss endgültig Ernst.

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Von

Bianca Garloff