Am Donnerstag hat Red Bull mit dem RB20 den neuen Renner für die kommende Formel-1-Saison präsentiert. Teamchef Christian Horner war bei der aufwändigen Show gefühlt der Hauptdarsteller – obwohl seit Wochen Vorwürfe wegen grenzüberschreitenden Verhaltens gegen ihm im Raum stehen.
Fragen zur Untersuchung, die Red Bull intern gestartet hat, waren nicht erlaubt. Und wenn doch ein Journalist ungehorsam war, kam die Standard-Antwort: „Es gab ein paar Anschuldigungen, die ich absolut zurückweise. Ich folge den Vorgaben des Verfahrens, und das hat seinen Ablauf. Darüber hinaus kann ich nichts sagen, es ist ein privater Prozess des Unternehmens.“
Alles unter Kontrolle also – zumindest vermittelte der Brite diesen Eindruck.
Doch nur einen Tag nach der Show landete er wieder auf dem harten Boden der Realität. Denn die niederländische Zeitung „Telegraaf“ hat nachgelegt und neue Details zu dem Vorfall veröffentlicht. Konkret geht es um die Vorwürfe, die die Mitarbeiterin gegen Horner erhebt. So soll Horner der Frau über einen längeren Zeitraum sexuell anzügliche Nachrichten geschickt haben. Bereits im Dezember meldete sie sich in der Red-Bull-Zentrale und warf Horner sexuelles Fehlverhalten vor.

Fall Horner: Zeitung hat Beweise

Bei Red Bull rumort es weiter: Jetzt liegen einer Zeitung Beweise vor, die Teamchef Horner in größere Schwierigkeiten bringen dürften.
Bild: Red Bull Content Pool

F1-Insider.com berichtet, dass der niederländischen Tageszeitung die entsprechenden Beweise – Fotos, Emails und Textnachrichten – vorliegen. Und dass ein Anwalt der Zeitung grünes Licht gegeben hat, Horner anhand dieser Dokumente öffentlich mit sexueller Belästigung oder Nötigung in Verbindung zu bringen.
Noch ein Indiz, das gegen die Unschuld des Red Bull-Teamchefs spricht: Nach Informationen des Telegraaf soll er über seinen Anwalt der Mitarbeiterin 650.000 britische Pfund (760.000 Euro) geboten haben, damit sie die Anschuldigungen zurücknimmt. Ein klarer Vertuschungsversuch.
Und nun? Noch stützen die 51-Prozent-Red Bull-Teilhaber aus Thailand ihren Teamchef. 49-Prozent-Teilhaber Mark Mateschitz, der Sohn des Firmengründers, ist deshalb angeblich stinksauer. Zumal der Anwalt, der die Anhörung offenbar im Auftrag der Thailänder durchführte, erst einmal in Urlaub gefahren ist, statt Ergebnisse zu liefern.

Betroffene zieht vor Gericht

Trotzdem könnte es weiter eng werden für Horner. Denn die Betroffene will nach den Informationen von F1-Insider.com in England nun auch vor Gericht ziehen.
Dazu kommt der Einfluss der Amerikaner in der Formel 1. In den USA wird sexuelles Fehlverhalten nicht auf die leichte Schulter genommen. Deshalb hat nicht nur der Promoter Liberty Media ein Interesse daran, dass das leidige Thema gelöst wird. Auch Red Bulls Partner Oracle und der künftige Motorenpartner Ford dürften not amused sein.