Noch in Silverstone waren Fans, Fahrer und die Formel-1-Macher begeistert vom Sprintqualifying. In Monza ging das Experiment in die zweite Runde. Dieses Mal gab es mehr Kritik als Lob.
Mercedes-Sportchef Toto Wolff sagt zum Beispiel: „Jetzt machen wir das in Interlagos nochmal, dann können wir sagen, wir haben es probiert und wir können es wieder sein lassen.“
Der wichtigste Kritikpunkt am Sprintqualifying: Es gibt mehr zu verlieren als zu gewinnen. Vor allem Sergio Pérez in Silverstone und Pierre Gasly in Monza bekamen das durch ihre Unfälle zu spüren. Für sie war damit auch der Sonntag gelaufen. Überholmanöver halten sich im Sprint in Grenzen. Weil Überholen in der Formel 1 generell schwierig ist und weil die Gefahr einer Kollision die Fahrer und Teams abschreckt.
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Pérez wird deutlich: „Ich denke, der Sprint ist für die Fans genauso langweilig wie für uns Fahrer. Im Grunde bringt das überhaupt nichts.“
Allein: Die Formel-1-Macher wollen an der Idee festhalten, sie aber für 2022 optimieren. Formel-1-Sportchef Ross Brawn sagt: „Ich wäre enttäuscht, wenn wir das Format 2022 nicht mehr hätten. Denn es bringt kommerziellen Nutzen.“ Klar: Der Freitag wird durch das Qualifying aufgewertet – mehr Fans an der Strecke, mehr Zuschauer an den TV-Geräten, mehr Medienaufmerksamkeit.
Um noch mehr Anreize fürs Überholen zu schaffen, könnten mehr Punkte vergeben werden. „Das kann man natürlich machen und den ersten zehn Fahrern Punkte geben“, zeigt sich Wolff skeptisch. „Aber du willst dem Sieger halt auch nicht 20 Punkte schenken, denn das würde den eigentlichen Grand Prix entwerten.“
Das Sprintqualifying ging in Monza in die zweite Runde.
Eine andere Idee ist, das Sprintqualifying als eigenständiges Event durchzuführen. Heißt: Das Qualifying am Freitag bestimmt die Startaufstellung für den Samstag und den Sonntag. Der Sprint am Samstag wäre damit ein Zusatzevent, für das es Punkte zu gewinnen, aber nichts zu verlieren gibt – weil die Startaufstellung für den Grand Prix davon unberührt bleibt.
Fernando Alonso hat eine andere Idee: Das Qualifying am Freitag könnte wieder als Einzelzeitfahren ausgefahren werden. „Denn wenn du viele Runden im Quali hast, dann stehen die schnellsten Autos vorn und die langsamsten hinten – dann kommt es im Sprint ohne strategische Elemente auch zu keinen Überholmanövern, wie auch? Beim Einzelzeitfahren würden sich Fehler oder Wetterverhältnisse deutlicher auswirken, das hätte seinen Charme.“
ABMS erfuhr, welcher Plan der Verbesserung Favoritenstatus genießt: Das Sprintqualifying soll nur noch auf Rennstrecken gefahren werden, auf denen Überholen einfacher ist: zum Beispiel in Spa und Baku. Die Punkte sollen folgendermaßen verteilt werden: fünf für den Sieger, vier für den Zweiten, drei für den Dritten.

Umgedrehte Startaufstellung abgelehnt

Ferrari-Rennleiter Mattia Binotto schlägt sogar vor, die Startaufstellung für den Sprint umzudrehen – damit die schnellsten Autos hinten und die langsamsten vorne stehen. Doch die Idee wird vom Großteil des Formel-1-Zirkus abgelehnt: zu künstlich, so die Kritik.
Fazit: Es ist unwahrscheinlich, dass der Sprint 2022 wieder so stattfinden wird wie 2021. Änderungen hin zu einem Standalone-Event oder aber sogar die komplette Abschaffung sind derzeit die wahrscheinlichsten Szenarien.
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Übrigens: Nette Statistik zum Sprintqualifying: Bei jedem Grand Prix, zu dem es bisher diesen Sprint gab, kam es zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton zu einer Kollision im Grand Prix. Spannende Aussichten also für den Brasilien-GP am 14. November...

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Von

Ralf Bach