Mitten in der heißen Phase des WM-Kampfes experimentiert die Formel 1 umher. Über die Startaufstellung des Großbritannien-GP wird ein Sprintrennen über 100 Kilometer entscheiden – also über ein Drittel der GP-Distanz. Kein Boxenstopp, kein Reifenwechsel, keine Taktik – die Pole-Position soll sich nur aus Rad-an-Rad-Duellen ergeben.
Das Prozedere: Am Freitagabend um 19 Uhr läuft ein normales Qualifying, dessen Ergebnis die Startaufstellung des Sprintqualis am Samstag ergibt. Das steigt dann am Samstag um 17.30 Uhr. Wer gewinnt, bekommt nicht nur die Pole-Position für den Großbritannien-GP, sondern auch drei WM-Punkte. Der Zweite greift noch zwei Zähler ab, der Dritte einen. Das soll die Fahrer dazu anregen, um Positionen zu kämpfen, statt die 100 Kilometer nur aktionslos herunterzuspulen.
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Auch die Reifenregeln ändern sich. Im Qualifying am Freitag sind ausschließlich weiche Reifen erlaubt – in Q3 ist sogar ein neuer Satz weicher Pneus vorgeschrieben. Beim Sprint besteht freie Reifenwahl, ebenso im GP-Rennen. Die Parc Fermée-Regeln beginnen schon am Freitag nach dem Qualifying. Nur die Kupplung darf dann noch getauscht werden, wenn starker Verschleiß nachgewiesen werden kann.
Im Qualifying am Freitag sind nur weiche Reifen erlaubt.
Es soll sich erstmal nur um ein Experiment handeln, das in diesem Jahr noch zweimal wiederholt wird. Doch in der Geschichte der Formel 1 wurde schon viel mit dem Qualiformat gespielt – mit Tops und Flops.

Startaufstellung per Los

Unglaublich, aber wahr: Bei den ersten Grands Prix der Geschichte gingen die Fahrer nicht mal gemeinsam ins Rennen, sondern wie heute noch bei der Rallye Dakar mit einem gewissen zeitlichen Puffer. Erst beim Frankreich-GP 1922 erfolgte der erste Massenstart, damals noch fliegend wie heute nach Safety-Car-Phasen. Eine Jagd nach Pole-Positions erfolgte damals noch nicht: Die Startaufstellung wurde per Los zusammengesetzt.
Erst beim Monaco-GP 1933 wurden die schnellsten Trainingszeiten für die Bestimmung der Startreihenfolge herangezogen. Ein System, das 62 Jahre lang überdauert hat. Ein Training am Freitag, eines am Samstag, die schnellste Runde zählte für den Grid (bei Rennen mit mehr als 30 Meldungen gab es zudem ein Pre-Qualifying am Freitagmorgen). Doch der Nachteil war offensichtlich: War es am Freitag trocken, am Samstag aber nass, verkam der Samstag zur großen Langweile.
Also wurde 1996 das Format geändert: Das Training am Freitag war jetzt frei. Die Teams und Fahrer konnten ab sofort an der Abstimmung fürs Rennen tüfteln und mussten nicht auf Zeitenjagd gehen. Dafür wurde ein extra Abschlusstraining am Samstag eingerichtet: 60 Minuten, maximal 12 Runden, die schnellste Zeit zählt.

Einzelzeitfahren als Spannungsmoment

Die Schlussphase war an Spannung kaum zu überbieten, die ersten 30 Minuten aber öde. Denn die Fahrer wollten erst möglichst spät auf die Strecke, wenn schon viel Gummi auf den Asphalt lag und dieser damit mehr Haftung bot.
2003 wurde die Pole nach einem Einzelzeitfahren vergeben.
Also kam es 2003 zu einer Revolution: dem Einzelzeitfahren. Jeder Schuss musste sitzen, Fehler waren nicht erlaubt. Am Freitag mussten die Piloten in der Reihenfolge des WM-Standes auf die Bahn. Der Führende hatte also die schlechtesten Bedingungen, der WM-Letzte die besten. Wer am Freitag am schnellsten war, durfte am Samstag als Letztes auf die Bahn – für die entscheidende Runde. Allerdings musste dabei schon die Spritmenge für den ersten Rennstint mitgeführt werden – eine Regel, die die Rundenjagd mit fast leergepumpten und federleichten Autos zunichte machte.
Die Regeln wurden in den kommenden Jahren verfeinert. 2004 wurden beide Sessions am Samstag abgehalten, 2005 wurden die Zeiten addiert und eine Sitzung erst am Sonntagmorgen gestartet.

Letztes Experiment 2016 scheiterte grundlegend

Doch all das überzeugte kaum. 2006 kam es daher zum Wechsel auf jenes Format, das bis heute in seinen Grundzügen Bestand hat: Das Qualifying ist in drei Segmente aufgeteilt und nach jedem dieser Abschnitte scheiden die jeweils langsamsten fünf Fahrer aus – bis zum Top-10-Shootout in Q3. Änderungen gab es nur in Details, was zum Beispiel Betankung und Reifenwahl betrifft.
Hinweis
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Nur 2016 führte die Formel 1 ein Experiment durch. Das Qualifying war nicht mehr in drei Segmente aufgeteilt, sondern nach und nach wurde jeweils der letzte Fahrer eliminiert. Es entpuppte sich als Flop und war nach zwei Grands Prix wieder Geschichte.
Beim neuen Experiment 2021 sind von vornherein nur drei Versuche angesetzt.

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