Das wird eine echte Premiere in der 72-jährigen Geschichte der Formel 1. Mitten im WM-Kampf experimentiert die Königsklasse mit einem Sprintrennen, das die Startaufstellung des Grand Prix von Großbritannien (Sonntag, 16 Uhr, live auf Sky) festlegt. Doch ausgerechnet der größte Historien-Freak unter den F1-Stars zeigt sich erstaunlich offen.
„Ich mag das“, sagt Sebastian Vettel (34), „denn es bedeutet weniger Rumhängen in der Garage und mehr Action auf der Strecke.“ Der Deutsche rollt dem Zusatz-Rennen den grünen Teppich aus. „Etwas Neues kann immer spannend sein, mal sehen, wie es ausgeht. Ich bin offen dafür.“
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Der Sprint ersetzt beim GP Großbritannien (Samstag, live ab 17 Uhr auf Sky) das klassische Zeitfahr-Qualifying. Das findet nun schon am Freitag nach nur einem freien Training statt. Der Sprint am Samstagnachmittag geht über 100 Kilometer. Der Sieger bekommt drei WM-Punkte, der Zweitplatzierte zwei, der Dritte drei. Die Reifenwahl ist frei.
Vettel: „Es wird nur ein wenig komisch, das Setup schon im ersten freien Training fertig haben zu müssen. Das wird der Schlüssel zum Erfolg sein.“
Ex-Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone sieht das wenig überraschend anders. Er kritisiert die Macher für das neue Format: „In jenem Moment, wenn du mit diesen Dingen herumzumurksen beginnst, geht die Historie über Bord, und das ist nicht gut“, poltert Ecclestone. „Die Leute konnten sagen: Ein Fahrer hat 70 Pole-Positions. Aber das ist vorbei.“
Bernie Ecclestone kritisiert die Macher für das neue Format.
Der 90-jährige Engländer, der einst selbst verschiedene Formate vorschlug und beim Finale einst sogar doppelte WM-Punkte verteilte, gibt dem Sprint nun keine Chance: „Ich glaube nicht, dass dieses Format funktioniert, und ich glaube auch nicht, dass es Bestand haben wird. Das ist nur unnötige Verwirrung, ohne Not.“
Fest steht: Der Zuschauer muss selbst entscheiden, ob ihm das Zusatz-Rennen gefällt. Vettel: „Als ich jung war, war ich ein Hardcore-Fan. Ich habe mir alles angeschaut. Ein Rennen mehr hätte mir gefallen. Wichtig finde ich nur, dass der Sonntag der Haupt-Renntag bleibt.“ Hinsichtlich der Pole-Statistik hat der Aston Martin-Star einen Vorschlag zur Güte: „Weil der Sprint ein neues Format ist, sollte man einfach eine neue Statistik dazu einführen. Die Pole Position sollte die absolut schnellste Runde des Wochenendes bleiben, als das Ergebnis des Qualifyings.“
Vettel kann das Sprintrennen gelassen angehen. Auf WM-Rang zehn hat er nichts zu verlieren. Anders die WM-Zweikämpfer Max Verstappen (Red Bull) und Lewis Hamilton (Mercedes). Doch obwohl Verstappen ein Polster von 32 Punkten auf den siebenmaligen Champion hat, fährt er nicht auf Nummer sicher. „Im Sprint werde ich natürlich auf Sieg fahren, denn dafür gibt es drei Extra-Punkte“, erklärt der Holländer. „Auch wenn natürlich klar ist, dass der Grand Prix am Sonntag das Wichtigste ist.“
Verstappen muss weiter Gas geben, denn Mercedes bringt neue Teile an die Strecke vor den Toren der Fabrik in Brackley. Und: 140000 Fans auf den Tribünen werden ihren Champion trotz der Corona-Pandemie anfeuern. Ticketbesitzer müssen entweder einen negativen Schnelltest oder den Nachweis über eine vollständige Impfung vorlegen.
Für die Zuschauer bedeutet der Sprint mehr Action auf der Strecke. Doch ihr Held selbst glaubt nicht an mehr Spannung. „Es wird wahrscheinlich eine Prozession“, motzt Hamilton. „Vielleicht gibt es ein paar Überholmanöver, aber es wird eher nicht besonders spannend sein.“
Hinweis
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Kritiker argumentieren, dass die Piloten sich aus Angst vor Unfällen und entsprechend schlechten Startpositionen im Grand Prix nicht in Zweikämpfe begeben. Mick Schumachers Teamchef Günther Steiner will seine Fahrer sogar anweisen, sich aus Ärger heraus- und das Auto auf der Strecke zu halten.
Formel-1-Sportchef Ross Brawn glaubt nicht, dass das funktioniert. Der Brite: „Das sind extrem wettbewerbsfähige Rennfahrer, die würden auch Rennen mit einem Einkaufswagen im Supermarkt fahren. Es liegt in ihrer Natur, sich gegenseitig zu schlagen.“

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