Das gab es in 71 Weltmeisterschafts-Jahren der Formel 1 noch nie: Bei drei Grands Prix wird 2021 ein Mini-Rennen über 100 Kilometer ausgefahren, das die Startaufstellung für das Hauptrennen bestimmt.
Der Ablauf bei den drei Events sieht so aus: Am Freitag steht erst ein 60-minütiges Training an (zwei Reifensätze zur freien Auswahl), anschließend das normale Qualifying zur Bestimmung der Startaufstellung für den Sprint (fünf weiche Sätze pro Fahrer). Am Samstag wird am Vormittag wieder eine Stunde trainiert (ein Reifenset nach eigenen Gutdünken), am Nachmittag steigt dann das 100-Kilometer-Rennen (zwei Reifensätze, freie Auswahl). Am Sonntag findet der Grand Prix ganz normal statt (mit den restlichen Pneus).
Soweit das Grundprinzip. Aber im Detail wirft die Formel-1-Revolution natürlich viele Fragen auf. Das sind die Antworten:
Hinweis
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Details zu den drei Mini-GPs 2021
Lewis Hamilton wünscht sich neue Rennformate
Es geht in der Formel 1 immer auch ums Geld. Die Teams haben der Idee des Sprint-Qualifyings rasch zugestimmt, die Aushandlung der Details zog sich wie so oft aber in die Länge. 2021 sind die Budgets der Formel-1-Rennställe nämlich erstmals gedeckelt – auf 145 Millionen Dollar. Die Teams haben die Ausgaben innerhalb dieses Budgets genau verplant – bevor das Sprint-Qualifying auf den Tisch kam.

Wer trägt die Kosten?

Daher gilt nun: Pro Mini-GP dürfen laut "Autosport" die Teams 150.000 Dollar mehr Geld ausgeben als in der Budgetobergrenze verankert. Bei drei geplanten Sprint-Qualifyings macht das ein Plus von 450.000 Dollar. Unfallschäden übernimmt bis zu 83.000 Euro die FIA. Kosten, die bei Crashs darüber hinaus entstehen, müssen zwar die Teams selber begleichen, allerdings zählt auch das dann nicht zur Budgetobergrenze. Dazu kommt eine Extrazahlung in Höhe von 83.000 Euro pro Sprint-Qualifying.

Hat die Formel 1 die richtigen Strecken gewählt?

Die Sprint-Qualifyings sollen in Silverstone (am 17. Juli), Monza (11. September) und Interlagos (6. November) steigen. Sind das die richtigen Strecken dafür?
Für Interlagos gilt: definitiv. Seit der Einführung der aktuellen 1,6-Liter-Turbo-Hybridmotoren 2014 wurde beim Brasilien-GP im Schnitt 43 Mal pro Rennen überholt. Nur auf fünf von 27 Strecken, die seither von der Formel 1 befahren wurden, gab es mehr Überholmanöver. Doch der Brasilien-GP wackelt, weil die Corona-Pandemie dort unter anderem wegen einer Mutation aus dem Ruder gelaufen ist.
Anders sieht es in Silverstone aus. Die Strecke hat zwar Tradition, weil hier 1950 der erste Grand Prix der Weltmeisterschaft ausgefahren wurde. Und Silverstone ist bei den Fans, Fahrern und Teams auch äußerst beliebt. Doch überholt wird dort kaum. Seit 2014 im Schnitt nur 23 Mal. Das macht Platz 23 in der Liste der 27 Formel-1-Pisten. Ob da im Sprint-Qualifying also so richtig Spannung aufkommt, darf bezweifelt werden. In Monza sind 36 Überholmanöver pro Rennen seit 2014 gezählt worden – immerhin Rang zehn.
Und es kommt noch ein zweiter Faktor dazu: Die Gefahr eines Startunfalls. Das Worst-Case-Szenario: Die beiden WM-Rivalen Lewis Hamilton und Max Verstappen starten aus der ersten Reihe ins Sprint-Qualifying, aber einer von ihnen wird am Start abgeräumt und muss das Hauptrennen damit von ganz hinten starten. Damit wäre dem Grand Prix selbst jegliche Spannung geraubt.
Gerade in Silverstone ist die Crashgefahr in Runde eins tatsächlich sehr hoch: Seit 2014 sind sechs Fahrer in Runde eins durch einen Unfall ausgeschieden, in Interlagos immerhin drei und in Monza einer. Doch der Massencrash von Monza 2000, in den unter anderem Heinz-Harald Frentzen verstrickt war, zeigt, dass es auch in Monza in Runde eins scheppern kann.

Wie wird die Pole-Position-Statistik weitergeführt?

Ein echtes Qualifying am Freitag, ein Sprint-Qualifying am Samstag: Wer bekommt in der Statistik dann die Pole-Position gutgeschrieben? Der Sieger des Sprintrennens. Die Pole hält der Fahrer, der einen Grand Prix faktisch von Platz eins aus startet. Michael Schumacher brannte zum Beispiel beim Monaco-GP 2012 die schnellste Qualifyingrunde in den Asphalt. Doch weil er in der Startaufstellung wegen einer Kollision mit Bruno Senna im vorausgegangenen Grand Prix in Barcelona rückversetzt wurde, erbte Mark Webber die Pole.
Der Sieger der Sprint-Qualifyings bekommt außerdem drei, der Zweitplatzierte zwei und der Drittplatzierte einen WM-Punkt.

Wie geht es 2022 weiter?

Wenn sich das Format bewährt, könnten auch 2022 wieder einige Sprint-Qualifyings durchgeführt werden. Misslingt das Experiment, dann ist die Idee für die Zukunft wieder vom Tisch. Auf keinen Fall wird auf allen Strecken 2022 ein Sprint-Quali stattfinden. Weltmeister Lewis Hamilton: „Ich finde das gut. Ich bin der Meinung, wir müssen uns für verschiedene Rennen auch verschiedene Formate überlegen. Wenn ich mir zum Beispiel Monaco anschaue, dann ist das zwar alles sehr toll, aber die Rennen sind doch eher langweilig.“
Hinweis
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