Formel 1: Stefano Domenicali

Das hat der neue F1-Boss von Schumi gelernt

Ex-Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali wird neuer Formel-1-Boss. Im neuen Job profitiert er auch von seinen Erfahrungen mit Michael Schumacher
Es ist noch nicht offiziell, aber es ist in der Formel-1-Szene ein offenes Geheimnis: Stefano Domenicali wird neuer Formel-1-Boss. Der 55-jährige Ex-Ferrari-Teamchef und aktuelle Lamborghini-Präsident soll ab 2021 Nachfolger von Chase Carey werden. Der Vertrag des Geschäftsführers aus den USA läuft Ende des Jahres aus – und vieles deutete schon lange darauf hin, dass er ihn nicht verlängern würde.
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Grund: Careys Aufgabe ist mit den Unterschriften unter das neue Concorde-Agreement – den Grundlagen-Vertrag der Formel 1 – abgeschlossen. Der Mann mit dem markanten Schnauzer klebte nie an seinem Formel-1-Stuhl. Mit 66 Jahren ist er im besten Rentenalter und soll der Serie nun für repräsentative Aufgaben als Ehrenpräsident erhalten bleiben.
AUTO BILD Motorsport weiß: Schon seit mindestens eineinhalb Jahren suchen die Macher der Königsklasse einen neuen Chef. Auf der Wunschliste auch: Mercedes-Teamboss Toto Wolff. Doch schon im Winter 2018/19 legte ausgerechnet Ferrari ein Veto ein. Grund: die zu große Nähe des Wieners zu Mercedes. Die Italiener bestanden darauf: Zwischen dem Posten als Formel-1-Chef und dem vorherigen Job bei einem Team müssen mindestens drei Jahre liegen. Damit schied Toto Wolff aus der Liste der Kandidaten aus.

Stefano Domenicali mit Michael Schumacher

Zu denen soll nach ABMS-Informationen auch Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard gehört haben. Der ehemalige McLaren-Star hat zuletzt die W-Series nur für Frauen im Motorsport gemanagt und Ambitionen zu mehr. Im Gespräch war immer wieder auch Formel-E-Chef Alejandro Agag. Doch der konzentriert sich mit der Extreme E und einer Elektro-Speedboot-Serie voll auf die E-Schiene.
Mit Domenicali haben die amerikanischen Eigentümer von Liberty Media zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Sie haben einen Formel-1-Insider verpflichtet, die bei Ferrari die hohe Kunst der Politik in der Königsklasse von der Pieke auf gelernt hat. Und der als CEO bei Lamborghini auch weiß, wie man ein Unternehmen führt. Unter seiner Leitung kam der Luxus-SUV Urus auf den Markt und verschaffte Lamborghini so einen Verkaufsrekord nach dem anderen.
Domenicali ist ein Urgestein der Auto- und Motorsportszene. Der Mann aus Imola war in der Schumacher-Ära Ferraris Teammanager und später sportlicher Leiter. Er musste den Kerpener 1998 in Spa zurückhalten, als der nach seinem Auffahrunfall mit dem überrundeten David Coulthard auf den Schotten losgegangen ist. Die Szene ist bei Fans legendär und auch auf Youtube immer noch ein Hit.
Er wuchs unter Jean Todt und Ross Brawn und übernahm Ende 2007 den gefährlichsten Schleudersitz der Formel 1, den Posten des Ferrari-Teamchefs. Er holte mit Felipe Massa 2008 den Konstrukteurs-WM-Titel, verlor den Fahrerpokal aber 2008, 2010 und 2012 gleich dreimal extrem knapp. 2014 zog er bei Ferrari selbst die Reißleine, bevor es der damalige Präsident Luca di Montezemolo tun konnte.
Was er bei Ferrari auch von Michael Schumacher gelernt hat? „Hingabe, Wert legen auf Details, Wachsamkeit, niemals aufgeben“, sagte er kürzlich zu den ABMS-Reportern. „Ich bin immer noch stolz, damals Teil des Erfolgsteams gewesen zu sein.“
Jetzt kommt Domenicali also zurück. Und sorgt damit für eine brisante Konstellation an der Spitze der wichtigsten Player im Motorsport. Mit Präsident Jean Todt bei der FIA und Domenicali bei der Formel 1 zeichnen gleich zwei Ex-Ferrari-Teamchefs verantwortlich für die Königsklasse. Nicht zu vergessen: Ex-Ferrari-Technikchef Ross Brawn bleibt als F1-Sportchef auch an Bord. Problematisch dürfte die Aufstellung dennoch nicht werden.
Domenicali gilt als integrer und in der Szene beliebter Protagonist, der schon zu seinen Zeiten als Ferrari-Teamchef gute Kontakte zu den Kollegen pflegte. Und Jean Todts Amtszeit läuft Ende 2021 aus. Eine erneute Kandidatur ist nicht geplant. Domenicali wird wissen, dass er als Formel-1-Chef kein Team bevorzugen darf. Auch Ferrari nicht. Sein Herz muss von nun an für die Formel 1 schlagen. Dazu passt sein Satz: „Ich bin Motorsportler. Und die Formel 1 ist die beste Plattform, die es dort gibt.“
Allein: Die Aufgabe wird nicht leicht. Der Motorsport befindet sich im Wandel. Elektrifizierung der Autoindustrie, Digitalisierung, Verjüngung des Publikums – auch die Formel 1 muss mit der Zeit gehen. Domenicali wird von Liberty Media und Chairman John Malone an den Ergebnissen gemessen werden, an Umsatz und Reichweite der Königsklasse. US-Konzerne können da knallhart sein.
Wichtig deshalb, dass der Italiener jetzt schon eine Vision hat. In seiner Rolle als Vorsitzender der Monoposto-Kommission der FIA sagte er zuletzt: „Motorsport wird ohne Zweifel auch in der Zukunft ein wichtiger Teil sein, aber kurzfristig müssen wir die Investitionen, das Level an Technologie und auch die Anzahl der Meisterschaften überdenken. Und vielleicht auch die Einstellung der Hersteller, sei es als Ausrüster eines Privatteams oder als Konstrukteur.“
Damit kann er als Formel-1-Chef gleich anfangen.
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