Solche Geschichten schreibt nur die Formel 1: Daniel Ricciardo feiert am Freitag in Budapest sein Comeback mit AlphaTauri. Bei Red Bulls B-Team will er sich für das zweite Bullen-Cockpit neben Max Verstappen empfehlen und Druck auf Sergio Perez machen - und das gelingt offenbar sofort:
Die Auftaktsession auf dem Hungaroring ist keine drei Minuten alt, da steckt der Mexikaner mit seinem Red Bull auch schon in den Reifenstapeln: "Das kann ich nicht glauben! Ich habe beim Bremsen das Gras berühmt und es einfach verloren", funkt Perez mit verzweifelter Stimme an seine Box. Am Kommandostand rümpft Red Bulls Motorsport Berater Dr. Helmut Marko die Nase, auch Teamchef Christian Horner sieht wenig begeistert aus.
"Christians Gesicht sagt mehr als tausend Worte. So ein elementarer Fehler, Checo (Perez; d. Red.) wird sich grün und blau ärgern", kommentiert Ex-F1-Pilot und Sky-Experte Anthony Davidson. Der Brite kritisiert: "Ich bin überrascht, dass Sergio gleich zu Beginn so hart gepusht hat: Das war fast Qualifying-Style, wie er da mit dem Auto ans Limit geht."
Auch Teamchef Horner räumt nach Perez' unerklärlichem Anfängerfehler ein: "Das ist natürlich frustrierend. Ich hoffe, der Schaden ist nicht zu groß und wir können das bis zur nächsten Session reparieren."
Bitterer Abflug: Perez leistet sich einen peinlichen Fehler
Bild: F1/Twitter

Für Red Bull könnte der Vorfall tatsächlich weitreichende Folgen haben, denn das Weltmeisterteam ist in Ungarn erstmals mit seinem Upgrade-Paket am Start: Neben neuen Lufteinlässen an den Bremsen und neuen Teilen am Boden, stechen dabei vor allem die neuen Seitenkästen ins Auge, mit extrem schmalen Öffnungen im Stile eines Briefkastenschlitzes. Mit dem Patzer bringt Perez das Team und sich selbst in die Bredouille, denn neue Teile sind zu Beginn meist rar.
"Natürlich kein idealer Weg, um ins Wochenende zu starten. Es war unglücklich, er hat einfach einen Fehler gemacht und ist in Kurve fünf mit einem Rad auf die Wiese gekommen", sagt Horner, der glaubt: "Sergio ist selbst am meisten darüber frustriert, das konnte man ja auch sofort an seiner Stimme hören."
Fakt ist: Der Mexikaner sucht seit Wochen seine Form und steht spätestens seit Ricciardos Berufung ins AlphaTauri-Cockpit gehörig unter Druck. Denn dass der Aussie eine baldige Rückkehr zu Red Bull forciert, daran hat auch Horner keine Zweifel: "Ich denke nicht, dass AlphaTauri Daniels langfristiges Ziel ist. Aber es ist ein guter Weg für ihn, um zurück in den Sport zu kommen und seine Strahlkraft wiederzufinden."
Horner glaubt: "Es ist gut für Daniel, gut für die Formel 1 und gut für AlphaTauri, dass er zurück ist. Sein Test in Silverstone hat gezeigt, dass er wieder voll bei der Pace ist und es ist auch schön, sein Grinsen wieder zu sehen. Das war ja selten geworden in den letzten zwölf Monaten. Jetzt geht's für ihn einfach darum, zu zeigen, was er kann." Gelingt Ricciardo das, und lässt Perez diesen Druck weiterhin an sich ran und sich dadurch in Fehler zwingen, dürften die Tages des Mexikaners bei Red Bull gezählt sein.
Comeback des Dauergrinsers: Daniel Ricciardo ist wieder da
Bild: F1/Twitter

Immerhin: An der zweiten Session kann Perez zwar wieder teilnehmen, nach einem kapitalen Verbremser ist einer seiner Reifensätze aber für die Tonne, die Session beendet er schließlich auch nur auf dem 18. Platz. Weltmeister Verstappen muss bei Red Bull die Abstimmungsarbeit für beide Autos übernehmen, kommt deshalb auch nicht über Rang elf hinaus.
Die Bestzeit des Tages schnappt sich Ferrari-Pilot Charles Leclerc, nur 15 Tausendstel vor Lando Norris im McLaren. Auch dahinter hat die Reihung durchaus einige Überraschungen zu bieten: Die Alpines von Pierre Gasly und Esteban Ocon schaffen es auf die Plätze drei und fünf, getrennt nur durch AlphaTauris Yuki Tsunoda. Haas-Pilot Nico Hülkenberg wird mit Platinblonder-Barbie-Frisur starker Sechster.
Richtig bitter läuft es für Mercedes: Obwohl Red Bull als Ein-Mann-Team am Freitag schwächelt, können die Schwarzpfeile davon am allerwenigsten profitieren: "Der Mercedes sieht hier aus wie das schlechteste Auto, nirgends müssen beide Fahrer so viel mit dem Lenkrad rudern", berichtet Sky-England-Experte Martin Brundle besorgniserregende Eindrücke vom Streckenrand.
Lewis Hamilton wird am Ende 16., Teamkollege George Russell 20. und Letzter - kurios: In der ersten Session war er noch Schnellster, da allerdings bei wenig aussagekräftigen Mix-Bedingungen, bei der einige Fahrer gar keine Zeit setzten.

Formel 1 Grand Prix von Ungarn
2. Freies Training, Ergebnis

1. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari 1:17,686 Min.
2. Lando Norris (Großbritannien) - McLaren +0,015 Sek.
3. Pierre Gasly (Frankreich) - Alpine +0,232
4. Yuki Tsunoda (Japan) - Alpha Tauri +0,248
5. Esteban Ocon (Frankreich) - Alpine +0,359
6. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Haas +0,372
7. Valtteri Bottas (Finnland) - Alfa Romeo +0,399
8. Fernando Alonso (Spanien) - Aston Martin +0,419
9. Zhou Guanyu (China) - Alfa Romeo +0,422
10. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Ferrari +0,496
11. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull +0,593
12. Lance Stroll (Kanada) - Aston Martin +0,633
13. Alexander Albon (Thailand) - Williams +0,691
14. Daniel Ricciardo (Australien) - Alpha Tauri +0,699
15. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas +0,818
16. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +1,060
17. Logan Sargeant (USA) - Williams +1,150
18. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull +1,292
19. Oscar Piastri (Australien) - McLaren +1,431
20. George Russell (Großbritannien) - Mercedes +1,489

Formel 1 Grand Prix von Ungarn
1. Freies Training, Ergebnis

1. George Russell (Großbritannien) - Mercedes 1:38,795 Min.
2. Oscar Piastri (Australien) - McLaren +0,359 Sek.
3. Lance Stroll (Kanada) - Aston Martin +1,218
4. Lando Norris (Großbritannien) - McLaren +1,482
5. Fernando Alonso (Spanien) - Aston Martin +1,892
6. Valtteri Bottas (Finnland) - Alfa Romeo +2,237
7. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari +2,347
8. Zhou Guanyu (China) - Alfa Romeo +2,568
9. Logan Sargeant (USA) - Williams +2,621
10. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Haas +3,911
11. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas +4,111
12. Yuki Tsunoda (Japan) - Alpha Tauri +6,780
13. Alexander Albon (Thailand) - Williams +8,608
14. Daniel Ricciardo (Australien) - Alpha Tauri - (8. Rd.)
15. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Ferrari - (7. Rd.)
16. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull - (3. Rd.)
17. Esteban Ocon (Frankreich) - Alpine - (5. Rd.)
18. Pierre Gasly (Frankreich) - Alpine - (4. Rd.)
19. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull - (5. Rd.)
20. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes - (4. Rd.)