Mehr ist derzeit nicht zu holen: Yuki Tsunoda griff beim Heimrennen in Suzuka immerhin Platz zehn und damit einen WM-Punkt ab. Das ist wie ein kleiner Sieg.
Ein bisschen Statistik: Von den 18 Japanern bisher in der Formel 1 haben es neun beim Heimrennen in die Punkte geschafft – als erster Satoru Nakajima 1987 im Lotus-Honda, am häufigsten Takuma Sato (3x von 2002 bis 2004 für Jordan und BAR), am besten Aguri Suzuki und Kamui Kobayashi (beide Dritter, Suzuki 1990 im Lola-Lamborghini, Kobayashi 2012 im Sauber-Ferrari).
Tsunodas Erfolg ist hoch zu bewerten, denn WM-Punkte zu holen ist schwierig wie noch nie. Obwohl es inzwischen schon für die ersten zehn Plätze Zähler gibt statt früher nur für die ersten sechs. Obwohl die Zahl der Autos nur noch 20 beträgt statt 26 wie meistens zuvor in der Historie. Und obwohl das Feld so eng beisammen liegt wie noch nie.

Feld liegt innerhalb zwei Sekunden statt 9,5

Nehmen wir den Japan-GP als Beispiel: 1994 lagen zwischen Pole-Position von Michael Schumacher (Benetton-Ford) und dem Letzten Paul Belmondo (Pazifik-Ford) 9,4 Sekunden. 2004 stand Schumi wieder auf Pole-Position und war dabei 3,4 Sekunden schneller als Felipe Massa (Sauber-Petronas). 4,9 Sekunden lagen 2014 zwischen Nico Rosberg (Mercedes) und Max Chilton (Marussia-Ferrari). In diesem Jahr waren es nicht mal zwei Sekunden zwischen Max Verstappen (Red Bull) und Guanyu Zhou (Sauber-Ferrari).
Yuki Tsunoda ist derzeit regelmäßig Best of the Rest. Auch beim Heimrennen fährt er wieder in die Punkte.
Bild: Red Bull Content Pool
Trotzdem sind fünf Teams quasi für die Punkte gesetzt: Red Bull, Ferrari, McLaren, Mercedes und Aston Martin. 97,3 Prozent aller Punkte fallen bisher auf diese Mannschaften. 2014 hatten die ersten fünf Teams nur 90 Prozent aller Punkte gesammelt, 2004 91,6 Prozent und 1994 sogar nur 87 Prozent.
Nur wenn bei den fünf Topteams etwas schief geht wie in Australien, ist für den Rest der Fahrer noch ein Zähler drin. Oder wenn ein Fahrer überdurchschnittlich performt – wie Tsunoda in seinem Heimrennen in Japan. Deswegen ist dieser zehnte Platz so viel wert.

97 Prozent der Punkte für die Topteams

„Ich bin definitiv in der Form meines Lebens“, sagt Tsunoda. „Ich habe einfach viel Selbstbewusstsein.“ Red Bull-Motorsportchefberater Helmut Marko lobt: „Seine Fehler und Unkontrolliertheit gehören der Vergangenheit an. Er hat sich richtig gemausert.“ Und Racing Bulls-CEO Peter Bayer konstatiert: „Seit sechs Monaten ist er konstant im Aufwärtstrend, wahnsinnig konzentriert und physisch stark. Er ist vom Teenager zum Erwachsenen geworden.“

Tsunoda mit Honda zu Aston Martin?

Das muss er auch: Denn Tsunoda fährt um seine Zukunft. Bei Red Bull scheint er trotz der Performance keine Rolle zu spielen. Zu viele andere hochkarätige Fahrer stehen dort hoch im Kurs, beispielsweise Fernando Alonso, Carlos Sainz, Alexander Albon oder der aktuelle Platzinhaber Sergio Perez. Max Verstappen ist ohnehin gesetzt – außer er wechselt freiwillig zu Mercedes.
Bei anderen Teams aber könnten Tsunodas Aktien steigen. Beispiel Aston Martin: Dort dockt 2026 Honda als Werkspartner an. Die Japaner pochten in der Vergangenheit immer wieder auf einen Lokalmatador im Cockpit – egal, ob bei Lotus, Tyrrell, Williams, Jordan oder BAR. Und Honda hat Tsunoda in den Nachwuchsjahren massiv gefördert.
Bei Red Bull ist man sich dessen bewusst: „Mit der absolut konstanten Vorwärtsbewegung wird er interessant für andere Teams“, räumt Peter Bayer ein. „Wir wissen, dass andere da schon aufgewacht sind.“ Für die Racing Bulls wäre ein Abgang Tsunodas aus jetziger Sicht ein herber Verlust.