Die Mission für Charles Leclerc ist klar: Nach seinem Patzer vergangenes Wochenende in Frankreich muss der Ferrari-Star den letzten Grand Prix vor der Sommerpause am Sonntag in Budapest gewinnen, um seine WM-Träume aufrecht zu erhalten. Am Freitag gelingt Leclerc dann auch ein fliegender Start ins Wochenende, der Monegasse dreht in 1:18.445 Minuten die Tagesbestzeit.
"Natürlich war es nach Le Castellet nicht einfach, aber Charles hat versucht zu Hause ein paar Tage den Kopf frei zu bekommen. Jetzt ist er zurück und will hier eine neue weiße Seite aufschlagen", erklärt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. Der Italiener ist sicher: "Charles ist gut drauf und schnell, er kann hier siegen."
Überraschungsmann Lando Norris: Platz zwei im McLaren

Überraschend Zweiter wird am Freitag McLaren-Pilot Lando Norris. Dem Briten fehlen nur zwei Zehntel auf die Bestzeit, damit landet er sogar knapp vorm zweiten Ferrari von Carlos Sainz, dem in der ersten Session am frühen Nachmittag noch die schnellste Runde gelungen war. Ein weiterer Indikator für McLarens Aufschwung: Auch Daniel Ricciardo, zuletzt eher Sorgenkind, schafft es auf Rang fünf.
Norris bremst aber die Erwartungen: "Nein, ich erwarte nicht morgen um die Pole zu kämpfen", lacht der McLaren-Fahrer nach dem Training: "Wir stehen sicher besser da als letztes Wochenende, das Auto fühlt sich gut an und diese Streckencharakteristik liegt uns. Aber im Training sind wir immer etwas schneller als im Quali, wenn die anderen erst richtig aufdrehen."
Weltmeister Max Verstappen muss sich also eher keine Sorgen machen, dass die McLaren im Kampf mit Leclerc und Sainz dazwischenfunken: Der Holländer liegt am Freitag mit 0,283 Sekunden Rückstand ebenfalls in Schlagdistanz zu Ferrari. Im Vergleich zum Red Bull macht die Scuderia ihre Zeit vor allem im Mittelsektor mit den langgezogenen Kurven gut, ansonsten ist es erneut ein Duell auf Augenhöhe.
Interessant auch: Für den Samstag sind am Hungaroring Regenfälle angesagt, die die Startaufstellung kräftig durcheinander würfeln könnten. Am Sonntag soll es dann zwar wieder trocken sein, aber auch deutlich kühler.

Mercedes mit Problemen, Wirbel um Autos der Deutschen

Hoffnung spendet das unter anderem Mercedes, denn trotz des Doppelpodiums zuletzt in Frankreich fahren die Silberpfeile am Freitag hinterher. George Russell und Lewis Hamilton kommen nicht über die Plätze acht und elf hinaus. "Es ist verrückt, wie sehr es sich von Strecke zu Strecke ändert, aber hier ist es mit dem Auto wieder mehr ein Kampf. Wir müssen schauen, wie wir es zum Funktionieren bringen", sagt Hamilton und fürchtet: "Es war ein schwieriger Tag, also wird es sicher wieder ein hartes Wochenende."
Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin erklärt: "Wir haben im zweiten Training ein paar Experimente gemacht, die haben uns aber eher zurückgeworfen, da sind wir mit dem Set-Up in die falsche Richtung. In der ersten Session sah es besser aus, wir rüsten also wieder zurück." Auch ein Faktor für die eher schwache Performance: "Lewis hat sich im Quali-Run etwas Schaden (am Unterboden; d. Red.) zugezogen, das hat sein restliches Training dann beeinflusst", sagt Shovlin.
Im Fokus: Die Wulst am neuen Heckflügel von Aston-Martin

Für Sebastian Vettel verläuft der erste Tag nach der Bekanntgabe seines F1-Rücktritts am Saisonende positiv. Der Deutsche schafft es in der Nachmittagssession direkt hinter seinem alten Rivalen Fernando Alonso, der am Freitag 41. Geburtstag feiert, auf den starken siebten Platz. Im Fokus steht zum Auftakt in Budapest aber vor allem Aston Martins neuer Heckflügel, der noch für Diskussionen sorgen wird.
Grund: Mit einer geschwungen, wulstartigen seitlichen Endplatte, widerspricht der neue Flügel eigentlich dem Sinn des Reglements der 2022er Autos. Aston Martin versucht mit seiner Lösung den Outwash-Effekt zu unterbinden und so mehr Abtrieb zu generieren, nimmt dafür auch mehr Luftwiderstand in Kauf. Besonders auf einem kurvenreichen Kurs wie in Ungarn verspricht sich das Team davon einen Vorteil.
Illegal ist der Flügel, den das Team laut eigener Aussage bei allen Entwicklungsschritten stets mit der FIA abgestimmt hat, zwar nicht, die Konkurrenten rümpfen aber bereits die Nase. Und auch das neue Auto von Mick Schumachers Haas-Team beschäftigt die Gegner, denn der US-Flitzer gleicht nach einer Generalüberholung optisch nun noch deutlicher dem Ferrari.
Auch beim neuen Haas gucken die Gegner ganz genau hin

Teamchef Günther Steiner bestreitet das nicht einmal, sagt: "Wir stehen Ferrari nahe, verwenden deren Motor, Getriebe und Aufhängung. Nur logisch, dass wir uns an ihnen orientieren, zumal sie Rennen gewinnen. Wieso sollten wir ein anderes Konzept kopieren?"
Schumacher selbst kommt am Freitag allerdings noch nicht in den Genuss des "weißen Ferrari". Weil Haas nur Teile für ein Auto fertig hat, darf nur Teamkollege Kevin Magnussen das Upgrade-Paket ausprobieren. Viel schneller als Schumacher ist er damit auch nicht: Weniger als zwei Zehntel trennen den Dänen und Schumacher auf den Plätzen 16. und 17. zum Auftakt in Budapest.

Formel 1 Grand Prix von Ungarn
2. Freies Training, Ergebnis:

1. Charles Leclerc (Monaco) – Ferrari 1:18,445 Min.
2. Lando Norris (Großbritannien) – McLaren +0,217 Sek.
3. Carlos Sainz Jr. (Spanien) – Ferrari +0,231
4. Max Verstappen (Niederlande) – Red Bull +0,283
5. Daniel Ricciardo (Australien) – McLaren +0,427
6. Fernando Alonso (Spanien) – Alpine +0,604
7. Sebastian Vettel (Heppenheim) – Aston Martin +0,808
8. George Russell (Großbritannien) – Williams +0,910
9. Sergio Perez (Mexiko) – Red Bull +0,952
10. Valtteri Bottas (Finnland) – Alfa Romeo +0,966
11. Lewis Hamilton (Großbritannien) – Mercedes +1,102
12. Zhou Guanyu (China) – Alfa Romeo +1,160
13. Esteban Ocon (Frankreich) – Alpine +1,169
14. Lance Stroll (Kanada) – Aston Martin +1,257
15. Pierre Gasly (Frankreich) – Alpha Tauri +1,285
16. Kevin Magnussen (Dänemark) – Haas +1,373
17. Mick Schumacher (Gland/Schweiz) – Haas +1,540
18. Nicholas Latifi (Kanada) – Williams +2,043
19. Yuki Tsunoda (Japan) – Alpha Tauri +2,076
20. Alexander Albon (Thailand) – Williams +2,170

Formel 1 Grand Prix von Ungarn
1. Freies Training, Ergebnis:

1. Carlos Sainz Jr. (Spanien) – Ferrari 1:18,750 Min.
2. Max Verstappen (Niederlande) – Red Bull +0,130 Sek.
3. Charles Leclerc (Monaco) – Ferrari +0,289
4. Lando Norris (Großbritannien) – McLaren +0,549
5. George Russell (Großbritannien) – Williams +0,856
6. Sergio Perez (Mexiko) – Red Bull +0,872
7. Lewis Hamilton (Großbritannien) – Mercedes +0,960
8. Daniel Ricciardo (Australien) – McLaren +1,091
9. Esteban Ocon (Frankreich) – Alpine +1,598
10. Fernando Alonso (Spanien) – Alpine +1,627
11. Sebastian Vettel (Heppenheim) – Aston Martin +1,633
12. Lance Stroll (Kanada) – Aston Martin +1,664
13. Pierre Gasly (Frankreich) – Alpha Tauri +1,706
14. Yuki Tsunoda (Japan) – Alpha Tauri +1,945
15. Zhou Guanyu (China) – Alfa Romeo +2,060
16. Alexander Albon (Thailand) – Williams +2,084
17. Kevin Magnussen (Dänemark) – Haas +2,171
18. Mick Schumacher (Gland/Schweiz) – Haas +2,277
19. Robert Kubica (Polen) – Alfa Romeo +2,429
20. Nicholas Latifi (Kanada) – Williams +2,663

Von

Frederik Hackbarth