Formel 1: Ungarns Rennidol

Erster GP-Sieger mit 13 Liter Hubraum

Sieger des ersten Grand Prix 1906 in Frankreich war ein Ungar: Ferenc Szisz. Er hatte einen Boliden mit 13 Litern Hubraum. Eine Zeitreise.
Längst ist der Ungarn-GP fester Bestandteil des Formel-1-Kalenders. 1986 war er noch eine Sensation – es war das erste Formel-1-Rennen im Ostblock. Trotz Renntradition: Weit und breit ist seit Zsolt Baumgartner in den 2000ern kein ungarischer Formel-1-Fahrer in Sicht. Dabei kam auch der erste Grand-Prix-Sieger aller Zeiten aus Ungarn: Ferenc Szisz.
Er gewann 1906 den Frankreich-GP in Le Mans. Ein Rennen, das über zwei Tage und 1238 Kilometer ging – und unter der Woche ausgefahren wurde. Die Rennautos damals: brutal spektakulär. Szisz steuerte einen Renault mit einem Vierzylinder-Motor, der 90 PS leistete. Dank eines immens großen Hubraums von 13 Litern. Heute quetschen die Hersteller aus 1,6 Litern Hubraum allein durch den Verbrennungsmotor rund 700 PS.

Schon seit 1986 fährt die Formel 1 in Ungarn

Die Technik war so urig, dass nicht nur literweise Benzin, sondern auch ebenso viel Öl gebraucht wurde. Und hier kam der Beifahrer ins Spiel. Hinter dem eigentlichen Lenkradkünstler saß immer ein mitfahrender Mechaniker. Dessen Aufgabe war es – neben der Unterstützung bei Reifenwechsel und Auftanken – mit Hand und Fuß Öl in den Riesen-Motor zu pumpen.
Als solcher mitfahrender Ingenieur startete die Rennkarriere von Ferenc Szisz. Er wird 1873 in Ungarn geboren, damals zum Königreich Österreich-Ungarn gehörend. Eigentlich ist sein Name „Süß“, immerhin stammt er von Siebenbürgen-Sachsen in Rumänien ab. Szisz ist ein einfacher Mann, verdient sich seinen Unterhalt als Schmid und Kupferschmelzer. Es ist die Erfinderzeit des Automobils – eine Technik, die das Interesse von Szisz sofort weckt. Doch in Ungarn ist von Autos weit und breit nichts zu sehen.
Mit sieben Autorennen zur Legende
Szisz zieht erst nach Deutschland, dann nach Frankreich. Er wird Leiter der Testabteilung von Renault. Gebraucht werden hier tollkühne Männer, denn die Technik steckt noch in den Kinderschuhen, muss von Piloten eingefahren werden. Dabei macht Szisz einen so guten Job, dass ihn Renault-Firmengründer Louis Renault als mitfahrenden Ingenieur bei den großen Rennen meldet.
Hersteller sprießen wie Pilze aus dem Boden. Wer erfolgreich sein will, muss bei Rennen beweisen, dass er über die beste Technik verfügt. Beim ersten Grand Prix 1906 in Frankreich ist Renault einer von zwölf Herstellern. Für Szisz ist es erst das zweite Autorennen nach dem Ausscheidungslauf für den Gordon-Bennett-Cup 1905. Doch der Ungar gewinnt, führt schon ab der dritten Runde. Sein Trick: Michelin hat ihm abnehmbare Felgen gebaut – eine Technik, die sich bei den zahlreichen Reifenwechseln dank immensem Zeitgewinn auszahlt. 
In seiner ganzen Karriere bestreitet Ferenc Szisz nur sieben Rennen. Und dennoch geht er als erster Grand-Prix-Sieger in die Geschichte ein. Trotzdem verliert sich seine Spur. In den 50er Jahren taucht ein Mann auf, der behauptet, Ferenc Szisz zu sein, gibt wilde Interviews und stirbt 1970 im Alter von 97 Jahren. Erst später stellt sich heraus: Es handelte sich um einen Betrüger. Der echte Szisz ist schon 1944 in Frankreich gestorben.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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