Der WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton (Mercedes) und Max Verstappen (Red Bull) wird immer mehr zur Neuauflage des Duells zwischen Ayrton Senna (McLaren) und Alain Prost (Ferrari) 1991. Beim Großen Preis von Italien in Monza gerieten die beiden Rivalen nach Silverstone zum zweiten Mal aneinander – diesmal mit dem Aus für beide.
Die Szene in Zeitlupe: Hamilton kommt aus der Box und wird von Verstappen auf der Außenbahn angegriffen. Die WM-Rivalen fahren nebeneinander durch die erste Rechts-links-Kurve, Hamilton lässt Verstappen keinen Platz. Der Red Bull wiederum wird auf dem Wurst-Kerb ausgehebelt, die angetriebenen Hinterräder berühren sich: Verstappen steigt auf und bleibt auf Hamiltons Halo-Bügel aufgebockt hängen. Beide stranden im Kies.
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Emotionen bei den Hauptdarstellern? Fehlanzeige! „Ich war vorne, plötzlich kracht es. Das ist Rennsport“, sagt Hamilton. „Max wollte keinen Platz lassen. Er wusste, was passieren würde, trotzdem ist er da geblieben.“
Verstappens Sichtweise ist ähnlich – nur umgekehrt. „Er hat mir auf der Außenseite wenig Platz gegeben“, so der Holländer. „In der Kurve war ich neben ihm, er hat nicht genug Platz gelassen. Beide müssen mitspielen, um durch die Kurve zu kommen, das hat er nicht gemacht.“
Die relativ kühl vorgetragenen Anschuldigungen könnten zeigen: Es war ein Rennunfall. Meint jedenfalls Red Bull-Berater Helmut Marko: „Ich sehe die Situation als Rennunfall. Max war innen und wurde durch die Curbs aufs Auto von Hamilton gedrängt, der keinen Platz gelassen hat.“ Die Parallele zu Senna und Prost bemerkt auch der Österreicher, räumt aber ein: „Damals war es Absicht, heute ist es keine Absicht. Dass beide ausscheiden, das kann man nicht planen.“
Das WM-Duell zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton führte beim GP Italien in Monza zum nächsten Crash.
Mercedes-Sportchef Toto Wolff sieht das anders. Er glaubt, dass Verstappen den Crash bewusst in Kauf genommen hat. „Wir müssen aufpassen, dass keine taktischen Fouls passieren“, sagt er bei Sky. „Wenn du weißt, dass der andere vor dir liegt und das Rennen gewinnt, versuchst du es mit der Brechstange. Da ist es schwer für die Stewards zu einem Ergebnis zu kommen.“ Hintergrund: Für Red Bull ist ein gemeinsamer Ausfall der WM-Rivalen auf einer Mercedes-Strecke mehr Wert als ein Hamilton, der ihn überholt und den Sieg jagt.
Beim ORF wird Wolff richtig sauer: „Wenn ich im Auto gesessen hätte, hätte ich das schon in der Kurve vier beendet und nicht aufgemacht.“  Hintergrund: In der ersten Runde ging es zwischen den beiden Mercedes- und Red Bull-Stars schon einmal hoch her. Da zwang Verstappen auf der Innenbahn Hamilton außen durch die zweite Schikane zu rumpeln.
Wolff räumt aber ein: „Im Leben ist nichts eindeutig. Hier würde ich sagen, dass Max einen größeren Anteil am Crash hat – so wie die Stewards es in Silverstone gegen Lewis gewertet haben.“ Am Ende entscheiden so auch die Rennkommissare in Monza, brummen Verstappen drei Strafplätze am Start des nächsten Rennens in Russland auf.
Auch deshalb sieht der Wiener zumindest für die Zuschauer etwas Positives am Mega-Duell mit Crash-Garantie: „Wir erleben den Fight von zwei Top-Fahrern“, sagt er. „Dass wir da Zeitzeugen sein können, finde ich super. Die bleiben sich nichts schuldig. Das macht Spaß.“
Am Limit scheinen derweil auch die beiden Teams. Denn zum Crash kam es nur deshalb, weil sowohl Red Bull als auch Mercedes Probleme beim Boxenstopp hatten. „Da hat die manuelle Freigabe nach den neuen Regeln nicht geklappt“, erklärt Wolff. „Das darf nicht passieren.“ Damit ist er ausnahmsweise einer Meinung mit Helmut Marko. Der Grazer sagt: „Es ist unsere Schuld, dass Max überhaupt erst gegen Lewis verteidigen musste.“
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Gut für die Fans: Schon beim nächsten Rennen in Russland dürfte das Duell in die nächste Runde gehen. Marko: „Sotchi ist im Prinzip auch Mercedes-Land. Wir sind aber bei jeder Rennstrecke deutlich näher dran als letztes Jahr. Das wird wieder eng.“

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