Auch am Tag danach sitzt der Schmerz noch tief bei Max Verstappen (23). Der Rückflug nach seinem Megacrash beim GP von Großbritannien in Silverstone in seine monegassische Wahlheimat musste um einen Tag verschoben werden, weil sich der Niederländer in Diensten von Red Bull nach seinem brutalen Aufprall mit 51g (51-fache des Körpergewichtes) bis in die Nacht im Krankenhaus von Coventry medizinischen Untersuchungen unterziehen musste.
Deshalb waren er und sein Vater Jos (49) auch noch am Montagmorgen in einem Motel auf der Insel. „Max geht es soweit gut, er ist ok“, gibt der Vater Entwarnung. Keine Brüche wurden gefunden, auch alle Scans im Hospital brachten gesundheitlich ein positives Ergebnis. Er fühle sich an wie ein Boxer, der schwer K.o. ging und der ganze Körper schmerze noch. Verstappen: „Es war ein extrem harter Einschlag. Max blieb die Luft weg. Deshalb wollte er am Anfang auch bewusst nichts sagen, um erst mal wieder zu Atem zu kommen.“
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Dass WM-Widersacher Lewis Hamilton (36) die Schuld an der Kollision trug, daran gebe es aber keine Zweifel. Jos Verstappen: „Max gehörte die Kurve. Lewis nahm eine Kollision in Kauf, in einer sehr schnellen und deshalb gefährlichen Kurve. Er hätte mehr Abstand lassen müssen. Später hat er das an der gleichen Stelle beim Zweikampf mit Charles Leclerc ja auch getan.“ Das sei ja auch der Grund gewesen, warum die FIA Hamilton mit einer Zehn-Sekunden-Strafe belegt habe.
Mehr als der am Ende noch glimpflich verlaufene Highspeed-Unfall und den dadurch womöglich entgangenen Auswärtssieg in der britischen Höhle des Löwen ärgern die Verstappens aber das Verhalten von Mercedes-Superstar Lewis Hamilton und dessen Teamchef Toto Wolff danach.
Jos Verstappen
Verstappen senior wird richtig emotional: „Man feiert seinen Sieg nicht derart euphorisch, wenn der Kollege noch im Krankenhaus ist."
Auch in Graz trübten – trotz Sonnenschein – dunkle Stimmungswolken das Gemüt von Red-Bull-Chefberater Helmut Marko (78). Wie gewohnt war der studierte Jurist und großer Förderer vom Immer-noch-WM-Führenden Verstappen schon um sechs Uhr morgens in seinem Büro. Seine Gedanken kreisten dabei immer noch um den gefährlichen Unfall seines Lieblingsangestellten.
Dabei machte sich eine Mischung aus Wut, Unverständnis und Frustration breit. Wut, „weil Hamilton mit der Gesundheit von Max gespielt hat.“ Unverständnis, „weil die Strafe für Hamilton nicht hart genug war. Er hätte nach einem solchen Foul das Rennen nicht mehr gewinnen dürfen.“ Und Frustration, „weil uns die Hände gebunden sind. Ich denke nicht, dass wir ohne neue Beweise nachträglich eine neue Strafe für Lewis fordern können. Wir müssen es wohl schlucken, dass diesmal die Ungerechtigkeit gesiegt hat.“
Während die FIA mit ihrer Strafe Hamilton den schwarzen Peter für die Kollision zugeschoben hat, Mercedes und Hamilton den Zwischenfall nur als normalen Rennunfall bewerten, sehen die meisten Experten die größere Schuld bei Hamilton. Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve: „Lewis hat die Situation falsch eingeschätzt“, so der Weltmeister von 1997. „Er hätte wissen müssen, dass bei dieser Geschwindigkeit beim Hinterherfahren Verwirbelungen entstehen, die sein Auto in das Auto von Max rutschen lassen könnten.“
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Der Kanadier glaubt: “Ich denke, der Druck – auch bei seinem Heimrennen von Max geschlagen zu werden – war so groß, dass er dieses Risiko unterbewusst in Kauf nahm. Ich glaube, bei jedem anderen Rennen wäre er in dieser Kurve früher vom Gas gegangen.“ Absicht unterstellt er ihm freilich nicht: „Es war nicht so, dass Lewis so wie Michael Schumacher 1997 in Jerez bei mir absichtlich in das Auto von Max gelenkt hat. Er ließ es eben einfach drauf ankommen.“
Fest steht: Die Fortsetzung des Mega-Zweikampfs zwischen dem jungen Herausforderer und dem etablierten Platzhirsch mit Superstarstatus folgt. Das nächste Mal schon in Ungarn übernächste Woche. Die Einschaltquoten werden nach der Kollision von Silverstone sicher nicht weniger werden.

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Von

Ralf Bach