Für die vier Rennkommissare war der Fall klar. Tim Mayer (USA), Garry Connelly (Australien) sowie Tonio Liuzzi und Paolo Longoni (beide Italien) befanden nach dem Unfall von Max Verstappen und Lewis Hamilton beim GP Italien in Monza: Die Hauptschuld trifft Verstappen. Der Red Bull-Star muss beim nächsten Rennen in Russland deshalb drei Startplätze zurück.
Die Begründung in Kurzfassung:  Verstappen war auf der Außenbahn und schaffte es nie auf gleiche Höhe – damit gehörte die Kurve tendenziell eher Hamilton. Heißt: der Niederländer hätte die Kollision verhindern müssen.
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Allein: Wäre der Crash als typischer Rennunfall gewertet worden, hätte es keine Strafe geben dürfen. Genau da sind sich selbst die Experten nicht einig.
„Für mich ist das ein klassischer Rennzwischenfall“, sagt Ex-Schumacher-Teamkollege Martin Brundle. „Max hatte das Recht, in dieser Kurve außen einen Angriff zu wagen. Er lag auch nicht zu weit hinten. Lewis seinerseits hat jedes Recht, seine Position zu verteidigen.“
Sky-Experte und Ex-Formel-1-Sieger Ralf Schumacher stimmt dem Briten zu: „Ich sehe da bei keinem Fahrer eine Absicht, und das wäre ohnehin gegen die Natur eines echten Racers. Max hat verzweifelt versucht, die Kurve zu kriegen. Für mich ist das wie ein Patt im Schach, da gab es für keinen einen Ausweg. Als Kommissar würde ich urteilen: Rennzwischenfall, keine Strafe notwendig."
Ähnlich sieht es auch Ex-GP-Sieger und Schumacher-Teamkollege Johnny Herbert: „Max ging der Raum aus. Die Frage ist, ob er an dieser Stelle diesen Angriff überhaupt hätte versuchen sollen. Aber ich habe mir die Szene nun mehrfach angesehen und fände eine Strafe nicht angemessen.“
Max Verstappen muss nach seinem Unfall mit Lewis Hamilton beim GP Italien in Monza beim nächsten Rennen in Russland drei Startplätze zurück.
Ex-Vizeweltmeister Felipe Massa sagt: „Die beiden kämpfen um den Titel. Da ist natürlich keiner bereit, auch nur einen Zentimeter preiszugeben. Ohne die hohen Randsteine wäre der Wagen von Max gar nicht in den Weg von Hamilton geworfen worden. Ich bin auch gegen Hamilton gefahren. Das ist kein Fahrer, der eine Kollision sucht, ganz im Gegenteil. Aber wenn es um den Titel geht, dann hat er natürlich auch keine Luft, höflich zur Seite zu fahren. Strafwürdig finde ich nichts davon.“
Ex-Formel-1-Pilot Alex Wurz widerspricht sich zwar, sieht aber die Schuld mehr beim Red-Bull-Piloten: „Für mich ist es ein Rennunfall, der geht aber 70 zu 30 eher auf die Kappe von Max. Das war mit der Brechstange. Er geht da schon sehr viel Risiko ein, dass ihn der Wurst-Randstein innen aushebelt. Denn der ist immer dort und das weiß Max auch.“
Für Lewis Hamilton ist die Strafe gegen Verstappen logischerweise gerecht. Er ist „stolz“ auf die Stewards. „Ich denke, es ist ein wichtiger Präzedenzfall für die Zukunft im Hinblick auf die Sicherheit der Fahrer“, so Hamilton. Es brauche eine „strenge Regel.“
Und Red Bull? Dort nimmt man die Strafe an. Motorsportchef Helmut Marko zu ABMS: „Ob es gerecht ist, weiß ich nicht. Wenn man den Ausgang in Silverstone sieht, sicher nicht. Aber wir versuchen jetzt in Sotschi das Beste daraus zu machen.“ In England bekam Hamilton für seinen Verstappen-Abschuss zwar eine Zehn-Sekunden-Strafe, konnte das Rennen aber dennoch gewinnen, während Verstappen zum Check nach seinem Mega-Aufprall ins Krankenhaus kam.
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Red Bull denkt jetzt sogar über einen Motorwechsel nach, um dann beide Strafen in einem Rennen (mindestens zehn Startplätze für den Wechsel würden dazu kommen) absitzen zu können. Marko: „Das ist noch nicht entschieden. Ich denke aber, dass man in Sotschi eher gut überholen kann.“

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Von

Ralf Bach