Michael Schumacher war Sebastian Vettels (34) großer Held. Jetzt ist Vettel der Mentor von Schumis Sohn. Der viermalige Weltmeister berät Mick Schumacher (22), wo er nur kann.
Eine ungewöhnliche Beziehung zwischen Rennfahrern, die eigentlich Rivalen sein sollten. Stellt sich die Frage: Spürt Vettel Verantwortung für den Sohnemann des großen Idols, das sich nach seinem Skiunfall 2013 nicht mehr selbst um dessen Karriere kümmern kann?
Vettel zu AUTO BILD: „Nicht wirklich. Natürlich ist die Verbundenheit über Michael da. Aber Mick kommt aus einem sehr guten Elternhaus. Er ist ein sehr vernünftiger, gut erzogener junger Mann, der jetzt bereit ist, seinen eigenen Weg zu gehen.“
In der WM belegte Schumacher junior im Haas Rang 19, schlug seinen Teamkollegen Nikita Mazepin mit 20 zu 2 klar. Vettel: „Er macht seine Sache sehr gut. Seine Arbeitseinstellung erinnert mich an seinen Vater. Ich wünsche ihm von Herzen ein Auto, mit dem er im nächsten Jahr mehr Akzente setzen kann. Ich bin aber mehr Freund als jemand, der Verantwortung spürt. Für Freunde ist man immer da. Ich habe deswegen auch null Konkurrenzdenken ihm gegenüber und gebe meine Erfahrungen gerne weiter.“
Sebastian Vettel schlüpfte 2021 in die Rolle des Mentors von Mick Schumacher.
Vettel als Lehrer von Mick Schumacher – in gewisser Weise liegt das in seiner Natur. „Ich bin eh nicht der Typ, der auf eine paranoide Art und Weise alles abwägt, um eigene Vorteile zu haben und Spielchen zu spielen“, sagt der Hesse. „Auch gegenüber Teamkollegen leuchtet es mir nicht ein, gewisse Dinge zurückzuhalten. Ich sehe da eher das große Ganze, dass wir als Team weiterkommen wollen. Wir sind ja heute eh in der Lage, durch Daten alles transparent zu sehen.“
Doch damit nicht genug. Der viermalige Champion würde Mick Schumacher auch gerne im Ferrari sehen, obwohl er selbst im roten Renner keinen Titel holen konnte. Immerhin: Der Hesse holte 14 Siege, den letzten in Singapur und war zweimal nah dran am WM-Titel (2017/18). Das hat er nicht vergessen.
Vettel: „Auch wenn bei mir dort der ganz große Erfolg ausgeblieben ist, hatte ich ja trotzdem schöne Jahre. Und die Marke wird immer etwas Besonderes sein. Ich würde ihm jedenfalls nicht wegen der paar Sachen, die bei mir nicht so gut geklappt haben, abraten.“
Dafür nennt der jetzige Aston Martin-Star auch einen guten Grund: „Menschen neigen dazu, in Erinnerungen das Glas immer halb leer zu sehen. Ich sehe es lieber halb voll und das Positive überwiegt. Zu viel motzen ist fehlplatziert, denn uns Formel-1-Fahrern geht es doch unterm Strich allen sehr gut.“
Vettel kämpft 2022 um regelmäßige Podestplätze mit Aston Martin – und er würde sich über Mick Schumacher in den Punkterängen ganz sicher freuen…

Von

Bianca Garloff