Formel 1: Vettel in der Bredouille

Formel 1: Vettel in der Bredouille

Motzen oder Maulkorb?

Provoziert Sebastian Vettel mit seinen Aussagen zum Duell gegen Leclerc seinen Rauswurf bei Ferrari?
Geht es nach Ex-Formel-1-Pilot-Ralf Schumacher, sollte Sebastian Vettel (33) bei Ferraris Heim-Grand Prix in Imola am Wochenende die Schutzmaske in Zukunft auch als Maulkorb benutzen. Denn laut des ehemaligen Formel-1-Piloten waren Vettels Aussagen nach dem Rennen in Portugal hart an der Grenze dessen, was man einem Arbeitgeber zumuten kann.
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Hintergrund: Der Deutsche – frustriert mit seinem Ferrari als Zehnter nur ein mageres Pünktchen ergattert zu haben, während Teamkollege Charles Leclerc als Vierter glänzen konnte – sagte kryptisch: "Es ist offensichtlich, dass das andere Auto schneller ist." Und weiter: "Dort, wo ich die Zeit verliere, beiße ich mir schon das ganze Jahr die Zähne aus. Irgendein Idiot kommt vielleicht nie dahinter, aber ob ich ein kompletter Idiot bin? Das wage ich zu bezweifeln."
Vor allem der Begriff "anderes Auto" löste danach die Diskussion aus, ob der Deutsche in seiner letzten Ferrari-Saison absichtlich benachteiligt werden könnte. Ralf Schumacher zu AUTO BILD Motorsport: "Es geht darum, wie Ferrari eine solche Aussage auffasst. Man könnte sie so lesen, dass da etwas nicht ganz korrekt verläuft. Und das könnte schon reichen, dass ein Arbeitgeber – wie in diesem Falle Ferrari – Maßnahmen ergreifen wird."

Provoziert Sebastian Vettel mit seinen Aussagen zum Duell gegen Leclerc seinen Rauswurf bei Ferrari?

©Ferrari

In der Tat: Nach dem Rennen stellte Ferrari-Teamchef klar, beide Autos seien gleich. Und warf ätzend hinterher: "Vielleicht muss man von dem zweiten Fahrer einfach mehr erwarten können." Dass Binotto sich überhaupt zu solchen Aussagen genötigt sah, zeigt das große Krisenpotential in der auslaufenden Ehe zwischen Vettel und Ferrari, die 2015 als Liebesheirat begann.
Fest steht: Die Traumehe ist zum Rosenkrieg verkommen. Vettel ist jetzt in der Bredouille. Steht er weiterhin zu seinen Werten, in denen Ehrlichkeit tief verankert ist, oder knickt er ein, um einem vorzeitigen Rausschmiss zu entkommen? Denn: Weitere Anschuldigungen wird sich Ferrari nicht gefallen lassen. Die Italiener haben keinen Respekt vor großen Fahrernamen, wenn es um das Image ihrer Marke geht. 1991 wurde der zu diesem Zeitpunkt dreimalige Weltmeister Alain Prost – neben Ayrton Senna damals der Superstar der Szene – mitten in der Saison an die Luft gesetzt, weil er den damaligen Ferrari mit einem LKW verglich. Davor ist auch der Deutsche nicht gefeit, dessen Ruf gerade auf dem Spiel steht.
Das Problem: Es ist auch für einen Fahrer nur schwer zu beweisen, dass das Auto des Teamkollegen deutlich besser ist. Selbst wenn die Indizien dafür sprechen. Die Kenner der Szene zumindest zweifeln daran, dass die halbe Sekunde, die Leclerc seit Monaten regelmäßig schneller ist als der viermalige Weltmeister, nur vom Ausnahmetalent des Monegassen herrührt. Ex-Formel-1-Chef Bernie Ecclestone etwa führt im Gespräch mit AUTO BILD Motorsport an: "Leclerc ist sicher ein Riesentalent. Aber das war Sebastian Vettel auch, ist es immer noch. Und er hat mehr Erfahrung. Eigentlich müsste er also vorne sein. Da er das aber nicht ist, muss es andere Gründe geben. Ferrari war schon immer ein wenig durchschaubares Team, wo die Innenpolitik immer eine große Rolle spielte."
DTM-Rekordmeister Bernd Schneider nimmt den Deutschen ebenfalls in Schutz: „Wenn ein viermaliger Weltmeister eine halbe Sekunde langsamer ist als der Teamkollege, liegt es nicht nur am Fahrer“, sagt er. Vettels Ex-Boss-bei Red Bull, Helmut Marko, findet die Situation Vettels bei Ferrari "eines viermaligen Weltmeisters unwürdig."
Die Causa-Vettel jedenfalls polarisiert. Denn Ex-Kollegen Schneiders wie der Brite Martin Brundle glauben, "dass Vettel mittlerweile über seinen Zenit hinaus und Leclerc einfach der schnellere ist."
Die Wahrheit wird kaum herauskommen. Glück für Vettel sei aber, dass er im Gegensatz zu Prost 1991 für sein kommendes Jahr schon einen Vertrag bei Aston Martin hat. "Dann", so Immer-noch-Vettel-Fan Ecclestone, "wird er es denen zeigen, die in diesem Jahr an ihm zweifeln."
Vorher muss er die letzten fünf Rennen noch überstehen. Deshalb werden die Interviews und Aussagen des Deutschen in Zukunft spannender sein als der sportliche Vergleich der Teamkollegen. Wird er weiter Motzen und den Rauswurf riskieren oder sich selbst einen Maulkorb verpassen?

Autor: Ralf Bach

Fotos: Ferrari

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