Heiße Szene zwischen Sebastian Vettel und Teamkollege Lance Stroll beim Frankreich GP: In der letzten Runde kämpfen die Aston-Martin-Piloten noch um den letzten Punkt für Platz zehn. Vettel legt sich Stroll in der Zielkurve zurecht, um ihn auf den letzten Metern bis zur Zielflagge auszubeschleunigen. Doch der Kanadier spielt da nicht mit...
"Ich war am Ende schneller und habe rasch auf ihn aufgeholt, aber mir ist die Zeit ausgegangen. Lance hat auch auf das Auto davor aufgeholt und DRS bekommen, deshalb war es schwierig. In der letzten Kurve hatte ich dann eine Chance", beschreibt Vettel. "Im Scheitelpunkt der Kurve ist er dann aber auf die Bremse gestiegen und ich bin ihm fast reingefahren. Danach war es durch." Vettel ist sauer!
Stroll blockte Vettel in der letzten Kurve brutal ab.

Großen Wirbel will er um die Szene nach dem Rennen aber nicht machen, frei nach dem Motto: Der Klügere gibt nach - so wie zuvor schon auf der Strecke: "Es ist alles okay, er hat mich in der letzten Ecke halt bisschen überrascht, aber ich wollte auch nicht zu viel Risiko nehmen. Für das Team ist es ja das gleiche Resultat: Wir kämpfen um einen Punkt und wer den holt, ist dem Team am Ende ja egal", spielt der Hesse den internen Bremstest runter.
Nicht nur die Schlussaktion, das ganze Rennen ist für den Heppenheimer am Sonntag "ein bisschen blöd, weil wir eigentlich die meiste Zeit im Verkehr gesteckt sind. Das war etwas frustrierend, aber auch zu erwarten von unserer Startposition aus", sagt Vettel. "Wir konnten den Speed nicht so umsetzen. Ich wollte mir die Reifen bisschen einteilen, aber dann kam das Safety-Car. Ich glaube, mit der Strategie war es vielleicht nicht der goldene Schuss, aber ich bin mir auch nicht sicher, ob wir was hätten anders machen können."
Zumal der Aston Martin weiterhin nicht schnell genug ist. "Wir brauchen einfach mehr Grip. Uns fehlt insgesamt etwas Pace. Im Rennen war es zwar besser und ich konnte den fehlenden Abtrieb ein bisschen kompensieren, aber ich hatte halt auch nie freie Fahrt, um das wirklich zu zeigen", erklärt Vettel und bilanziert mit Blick auf Platz elf: "Natürlich ist es nicht zufriedenstellend. Wir wissen, dass wir hinten sind mit Williams gemeinsam."
Lob für Vettel gibt es trotzdem von Ex-Weltmeister Nico Rosberg bei Sky: "Seb hat wieder zu alter Stärke zurückgefunden, das freut mich. Deshalb hoffe ich umso mehr, dass er weitermacht und Aston Martin es schafft, ihm ein besseres Auto zu geben.“
Mick Schumacher wurde von Zhou umgedreht.


Auch der zweite Deutsche im Feld, Mick Schumacher, erlebt in Südfrankreich einen Sonntag zum Vergessen. Er gehört ebenfalls zu den großen Verlierern des Safetycars. Denn sein Haas-Team holt beide Piloten früh zum Reifenwechsel rein, "um freie Fahrt zu bekommen", wie Teamchef Günther Steiner erklärt.
Durch das Safety-Car bekommen fast alle Konkurrenten dann aber einen Stopp geschenkt und Schumi jr. findet sich genauso wie Teamkollege Kevin Magnussen, der später ausscheidet, am Ende des Feldes wieder.
In Schumachers Fall kommt es dann auch noch zur unverschuldeten Kollision mit Guanyu Zhou. Der Alfa-Romeo-Pilot verliert im Zweikampf mit Schumacher sein Auto und dreht den Deutschen um, bekommt dafür fünf Strafsekunden von der Rennleitung aufgebrummt. Für Schumacher ist die Konkurrenz nach dem Vorfall außer Reichweite, am Ende überquert er nur als 15. und Letzter die Ziellinie.
"Das Reifenmanagement heute war problematischer als erwartet und das Wochenende generell recht schwierig", sagt Schumi jr. nach dem Rennen und fügt an: " Dennoch war der letzte Stint nicht allzu schlecht. Wenn wir ein bisschen weiter vorne gestartet wären, hätte es vielleicht (zu Punkten; d. Red.) gereicht. So war aber nicht mehr zu holen, da das Überholen doch schwer war."
Trotz des trostlosen Rennwochenendes in Le Castellet: Nach zwei Fahrten in die Punkte, zuletzt in Silverstone und Spielberg, sieht es insgesamt rosig aus für die Formel-1-Zukunft des Deutschen – glaubt zumindest Onkel Ralf Schumacher. Auf die Frage nach einer  möglichen Vertragsverlängerung seines Neffen bei Haas sagt der Deutsche am Sonntag: "Ich glaube, die Chancen sind groß. Das Teamgefüge ist aufgrund der guten Resultate zusammengewachsen. Das sollte was werden."

Von

Frederik Hackbarth