Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Weltmeister als Teamchefs

Nur Brabham war erfolgreich

Sechs Formel-1-Weltmeister versuchten sich in der Formel 1 mit eigenen Teams. Doch sie scheiterten kläglich – bis auf den Australier Jack Brabham. Eine Analyse.
Die Formel 1 kommt nach Australien. Und aus Australien kommt Jack Brabham, der etwas geschafft hat, was ihm nie wieder einer nachgemacht hat: Er ist 1966 Weltmeister geworden mit seinem eigenen Team und seinem eigenen Auto. Sechs Formel-1-Weltmeister gründeten eigene GP-Teams: Neben Brabham auch John Surtees, Graham Hill, Emerson Fittipaldi, Jackie Stewart und Alain Prost.
Die Bilanz: Die sechs Champions bringen es als Fahrer auf 15 Titel und 126 Siege. Als Teamchefs aber nur auf vier Titel und 36 Erfolge. Und diese Erfolge gehen fast alle auf das Konto von Brabham. Lediglich das Stewart-Team gewann 1999 auch ein Rennen am Nürburgring. Es war ein historischer Grand Prix: Mit Johnny Herbert (Stewart-Ford), Jarno Trulli (Prost-Peugeot) und Rubens Barrichello (Stewart-Ford) stiegen damals nur Fahrer mit Weltmeister-Teamchefs aufs Treppchen.

Prost hätte auch Senna verpflichtet

Jackie Stewart: „Dieser Sieg war viel schöner, als alle meine 27 eigenen davor. Weil die Verantwortung und die Dimensionen viel größer sind. Und ich wollte diesen Sieg unbedingt noch bevor meine Autos 2000 in Jaguar umbenannt worden sind.“

Nürburgring 1999: Jackie Stewart (Mitte) feiert mit seinen Fahrern seinen einzigen Sieg als Teamchef

Stewart gründete das Team 1997 gemeinsam mit Sohn Paul – 24 Jahre nach seinem Rücktritt als Fahrer. „Ich hätte das nie ohne meinen Sohn gemacht“, erklärt er nach seinem Sieg 1999. „Bereut habe ich es aber nie. Ich bin oft sehr müde, zweifle manchmal an meiner Intelligenz, warum ich nicht lieber auf dem Golfplatz bin oder mit den Hunden spazieren gehe – warum ich schon um 5.30 Uhr aufstehe und nicht erst um 8.30 Uhr. Manchmal denkst du: Eigentlich bist du verrückt, dir das alles anzutun. Andererseits: Die Befriedigung, das alles zu sehen, wie dein Formel-1-Team wie ein geplantes Baby geboren wird, langsam wächst und hoffentlich eines Tages reif und erwachsen wird – das ist manchmal schon sehr gewaltig.“ Inzwischen wurde sein Rennstall verkauft, heißt heute Red Bull und ist viermaliger Weltmeister.
Alain Prost war zur gleichen Zeit Teamchef wie Stewart. Anders als er stampfte er aber nicht sein eigenes Team aus dem Boden, sondern kaufte Ligier. Und anders als Stewart wollte er schon während seiner aktiven Karriere Teamchef werden: „Schon 1990 war ich nah dran, mit Renault-Motoren und John Barnard als Konstrukteur. Uns haben nur zehn Prozent des Gesamtbudgets gefehlt. Ich wollte schon immer Rennleiter werden, am liebsten bei Ferrari.“ Als Prost 1991 kurz davorstand, das Ligier-Team zu kaufen, wurde er gefragt, ob er als Chef auch seinen großen Rivalen Ayrton Senna verpflichten würde. Prost damals: „Na klar, ich war schon immer ein pragmatischer Mensch.“
Das Prost-Team ist 2001 pleite gegangen und sorgte für den Chef damals für reichlich Kritik. Die gab es auch für Emerson Fittipaldi, dessen Team 1982 nach sieben Jahren zusperren musste. Der hatte einmal gesagt: „Mir gibt es mehr Motivation, ein brasilianisches Auto an die Spitze zu bringen als mit einem Lotus oder Ferrari automatisch zu gewinnen.“ Doch Teammanager Jo Ramirez war sauer: „Die Fittipaldi-Brüder haben fast alle Sponsorgelder eingesteckt und fürs Team herzlich wenig übrig gelassen.“
Auch Graham Hill hat mit seinem eigenen Rennstall seine Familie finanziell ruiniert. Am Ende seines dritten Jahrs als Teamchef stürzten Hill und einige andere Teammitglieder Ende November 1975 mit dem Flugzeug ab. Er hinterließ seiner Familie nur Schulden. Nigel Mansell gründete in den 90er Jahren ein Formel-3000-Team. Statt damit in die Formel 1 zu gehen, sperrte er es wieder zu: „Ich hab damit nur Geld verloren.“
Jacques Villeneuve war der letzte Weltmeister mit Teamchef-Ambitionen. Als sein Manager 1999 das BAR-Team gründete, hielt Villeneuve fünf Prozent Teamanteile. 2011 wollte er mit dem Formel-2-Team Durango aufsteigen – doch die FIA lehnte ab. Heute sind F1-Teams längst keine Lust-und-Laune-Projekte mehr, sondern große Firmen mit hunderten von Mitarbeitern. Alain Prost klagt gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT: „Früher waren wir Rennteams, jetzt sieht alles mehr nach Business aus. Und das ist auch ein Grund, wieso wir Fans verlieren. Sie verstehen nicht ganz, wieso ein Getränkehersteller wie Red Bull Automobilmarken und richtige Rennteams besiegen kann.“
Ein Ex-Weltmeister hat heute noch einen Rennstall: Keke Rosbergs Team fährt 2018 neben der DTM (amtierender Meister mit René Rast) auch im ADAC GT-Masters. Niki Lauda gehören immerhin zehn Prozent des Mercedes-Formel-1-Teams.

Formel 1: Die Hinterbänkler


Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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