Das WM-Duell 2021 lautet Lewis Hamilton gegen Max Verstappen. Die Lobeshymnen ihrer Teamchefs kassieren am Sonntag in der Türkei jedoch die Nummer-2-Piloten der Top-Teams. "Gott sei Dank hat Valtteri (Bottas; d. Red.) das Rennen gewonnen. Nur seine Performance hat verhindert, dass Max hier acht Punkte mehr holt", lobt Mercedes-Boss Toto Wolff seinen fliegenden Finnen.
Red-Bull-Teamchef Christian Horner würdigt indes Sergio Perez, der hinter Bottas und Verstappen nicht nur Dritter wird, sondern Hamilton in Runde 34 einen knallharten Kampf liefert und den Briten auf dem Weg nach vorne entscheidend aufhält. "Ein großartiger Job heute von Checo. Er ist so hart gegen Lewis gefahren wie es sonst nur Max macht", freut sich Horner.
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Perez selbst scherzt nach dem Rennen in Richtung des neben ihm stehenden Verstappen: "Dafür schuldest du mir ein paar Tequila!" Verstappen lacht: "Die sollst du kriegen, spätestens wenn wir nach Mexiko kommen." Der Holländer weiß: "An einem Wochenende, wo wir in Sachen Pace nicht auf der Höhe waren, hier als Zweiter und Dritter abzureisen, ist ein sehr gutes Resultat."
Kein Vorbeikommen: Perez hält Hamilton in Schach
Verstappen mahnt aber auch: "Wir müssen mehr Pace finden, denn sechs Punkte (Vorsprung in der WM; d. Red.) sind nichts. Ich kann mich bisher nicht über die Saison beschweren, wir hatten tolle Ergebnisse und sind im WM-Kampf. Aber es wird hart. Mercedes hat zugelegt." Insbesondere der Tempo-Unterschied auf den Geraden bereitet Red Bull Kopfzerbrechen. "Lewis war hier zum Teil 15 bis 20 km/h schneller, das ist sehr viel. Wir müssen etwas Speed finden, vor allem da Austin Hamilton-Land ist", räumt Teamchef Horner mit Blick aufs nächste Rennen in Texas ein.
Mercedes-Sportchef Wolff sieht sein Team für den Saisonendspurt trotz der starken Türkei-Form nicht als Favorit. "Ich denke nicht, dass man das mit absoluter Überzeugung sagen kann. Ja, unser Auto war dieses Wochenende sehr wettbewerbsfähig und ohne die Gridstrafe holen wir hier wahrscheinlich einen Doppelsieg. Deswegen schauen wir optimistisch in die Zukunft. Ich mache mir aber keine Illusion darüber, dass es in der Fahrer-WM bis zum Finale in Abu Dhabi geht", sagt der Österreicher.

Wolff erklärt späten Mercedes-Stopp

Zumal die Schwarzpfeile nach Wolffs Rechnung am Sonntag in Istanbul ein paar Punkte liegen lassen. Erst sieben Runden vor Schluss stoppt Hamilton für neue Intermediates: "Wir dachten, vielleicht können wir Dritter werden, wenn wir ohne Stopp bis ins Ziel fahren. Wenn es trockener geworden wäre, hätten wir am Ende auch noch auf die weichen Reifen wechseln können", erklärt Wolff Mercedes' Optionen.
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"Deshalb haben wir abgewogen zwischen der konservativen Taktik, zu stoppen und zu versuchen Leclerc und Perez auf der Strecke für Platz drei zu überholen - oder etwas zu riskieren und draußen zu bleiben." Das Problem: "Zwölf Runden vor Schluss waren Lewis' Zeiten noch ziemlich gut und so wie die von Perez dahinter. Sobald der aber seine Reifen im Fenster hatte, ist die Pace bei Lewis im Vergleich eingebrochen und wir haben anderthalb Sekunden pro Runde gegen ihn verloren. Ab da war klar, dass wir es so nicht bis zum Ende schaffen. Deshalb haben wir ihn reingeholt, um nicht auch noch hinter Gasly zu fallen."
Für den Unmut Hamiltons, der sein Team am Funk für den späten Stopp kritisiert und sich im Fahrerlager erstmal Chefstratege James Vowles schnappt, hat Wolff Verständnis: "Es ist klar, dass er im Auto nur limitierte Informationen hat. Die Kommunikation muss in beide Richtungen fließen, weil der Pilot der wichtigste Sensor auf der Strecke ist, was das Griplevel betrifft, aber natürlich nicht seine Zeiten in Relation zu allen anderen Piloten sieht. Es ist also verständlich, dass so eine Situation für ihn auch mal frustrierend ist. Insgesamt denke ich aber, dass es den Versuch heute wert war."
Redebedarf: Hamilton schnappt sich Stratege Vowles
Hamilton selbst erklärt: "Ich wusste nicht, dass ich durch den Stopp zwei Plätze verliere, hätte es mir aber wohl denken müssen. Letztlich habe ich dann am Ende zu wenig Zeit gehabt, um durch die Phase zu kommen, in der die Reifen Blasen bilden. Das war etwas frustrierend, denn der dritte Platz wäre vom elften Startplatz aus ein super Resultat gewesen." Für den Weltmeister steht fest: "Im Nachhinein hätte ich entweder weiterfahren sollen oder viel früher reinkommen müssen."
Einen ersten Aufruf seiner Crew zum Boxenstopp in Runde 41 blockt Hamilton aber eigenwillig ab. Bei der Konkurrenz sorgt das für Schmunzeln. "Es sah mal wieder so aus als würde Lewis das Team überstimmen", kann sich Red-Bull-Teamchef Horner ein Grinsen nicht verkneifen. "Für uns war klar, dass er rein muss, weil seine Reifen schon ziemlich gefährlich aussahen. Dass er dann erst so spät zum Stopp kam, war entscheidend, weil wir Checo vorher zum perfekten Zeitpunkt reingeholt haben."
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Von

Frederik Hackbarth