Michael Schumacher: Stationen seiner Karriere

Formel 1: Zu Schumachers 50.

Schumi und Senna: Die ganze Story

Serie zum 50. Schumi-Geburtstag. Teil 2: Erst Vorbild, dann größter Rivale. Ayrton Senna war der Fixpunkt in den ersten vier Jahren von Schumis Karriere.
Es ist ein lauer Herbsttag, 1980 im belgischen Nivelles. Zum ersten Mal ist Michael Schumacher Zuschauer eines Kartrennens mit internationaler Top-Besetzung. Und besonders dieser eine Fahrer hat es dem Elfjährigen angetan. Der im schwarz-gelben Leder-Overall und mit dem gelben Helm. Dessen Fahrstil so „verrückt und eindrucksvoll“ ist, wie sich Schumacher später erinnert. Und der am Ende Vize-Weltmeister wird.
„Ich wusste aber nicht, wer er war. Am nächsten Tag schaute ich in die Zeitung, um es herauszufinden. Es war Ayrton Senna. Danach verfolgte ich seine Karriere. Er wurde mein Idol im Motorsport.“
Während Schumi selbst sich in den kommenden Jahren durch alle Kart- Klassen, die Formel König, Formel Ford, Formel 3 und die Gruppe C kämpft, wird jener Ayrton Senna da Silva dreimal Formel-1-Weltmeister.

Schumi und Senna am Unglückswochenende in Imola

Gerd Krämer ist damals Mercedes-Repräsentant in der Formel 1. Er verkauft dem Brasilianer PKWs von Mercedes. Und als Deutscher daran interessiert, einen talentierten Landsmann in die Formel 1 zu hieven. „Ich habe mit Senna öfter über das Talent Schumacher gesprochen“, erzählt Krämer, „und er sagte, wenn er Michael irgendwie helfen könnte, dann würde er das gern tun.“
Nicht nötig. Schon in Spa 1991 sitzt Schumi im Jordan und fährt sensationell auf Startplatz sieben. Krämer: „Da nahm mich Senna beiseite und sagte: Du hattest recht, der Schumacher ist wirklich ein guter Junge. Der hat das Zeug, Weltmeister zu werden.“
Sein Angebot, dem jungen Deutschen zu helfen, erneuert Senna. „Leider kam es nie zu diesem freundschaftlichen Umgang“, bedauert Krämer, „Willi Weber wollte das nicht. Dem war vielmehr daran gelegen, Michael als deutsches Talent gegen den großen Brasilianer auftreten zu lassen.“

Schumis Formel-1-Debüt 1991

Der erste Zweikampf: Monza 1991. Am Ende kommt Schumi im Benetton-Ford am Brasilianer im McLaren- Honda zwar nicht vorbei. Doch als er am Abend aus einer Telefonzelle seinem Vater im heimischen Kerpen Bericht erstattet, soll er gesagt haben: „Vor dem Senna habe ich Respekt, aber was die anderen können, kann ich doch schon lange.“

Grandioses Bild: Senna nimmt sich Schumi zur Brust

Der sich dann entwickelnde Dauerkonflikt zwischen Ayrton Senna und Michael Schumacher hat seine Ursache im GP von Brasilien 1992 in Sao Paulo. Rundenlang liegt Schumi hinter Senna auf Platz vier, hetzt den Brasilianer, der technische Probleme hat. Als er endlich am rot-weißen McLaren vorbeikommt, fällt Senna aus. „Das war der Moment, an dem Michael anfing, sich an Senna zu reiben“, berichtet die Formel-1-Journalistin und ehemalige Senna-Vertraute Karin Sturm. „Auf der Pressekonferenz nach dem Rennen hat Michael erstmals richtig losgestänkert.“
Betont lässig sitzt der 23-jährige Schumi da neben Sieger Nigel Mansell, hat sein rechtes Bein cool auf das linke gelegt und wettert los: „Senna hat mit uns ein schmutziges Spielchen getrieben. Speziell in den Ecken, wo man nicht überholen kann, ist er absichtlich langsamer gefahren. Er wollte offenbar provozieren, mich und die anderen in einen Fehler hetzen. So etwas ist eines dreifachen Weltmeisters unwürdig!“
Senna erklärt seine Fahrweise mit Zündaussetzern. „Er hat sogar angeboten, dass Michael sich die Computeraufzeichnungen von Honda anschauen kann“, erinnert sich Karin Sturm. „Blödsinn!“, kontert Schumi damals. Jetzt hat auch Senna die Nase voll. „Wörtlich hat Ayrton mir nach Brasilien gesagt: Ich lauf dem Schumacher doch nicht hinterher“, erzählt Sturm, „Michael ist hoch talentiert, aber auch ein dummer Junge!“
Für den dummen Jungen Schumi ist Senna von jetzt an ein Dorn im Auge. „Nach einem Interview sollte er mir einen Stapel Fotos unterschreiben“, erinnert sich Sturm, „unter seinen Bildern entdeckte er eins von Senna und motzte: Na, den braucht man ja nun wirklich nicht.“

Nächste Standpauke: Senna redet auf Schumi ein

Aus dem Vorbild ist der Erzrivale geworden. Und auch für Senna bleibt Schumi der Hauptgegner. Mit den überlegenen Williams-Renault von Nigel Mansell und Riccardo Patrese kann sein McLaren-Honda nicht mithalten. Mit Schumis Benetton-Ford schon.
Zum zweiten Mal geraten die beiden Streithähne in Magny-Cours aneinander. In der ersten Runde schiebt Schumi Senna von der Strecke, kann selbst aber weiterfahren. Doch wegen einsetzenden Regens wird das Rennen abgebrochen. Die Startaufstellung zum Neustart: Senna wieder in Zivil, knöpft sich Schumi vor: „Ich habe in der Anfangszeit meiner Karriere auch solche Fehler gemacht. Aber ich rede jetzt zuerst mit dir und nicht mit der Presse. Das hättest du in Brasilien auch tun sollen.“
Schumi bleibt cool: „Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu sprechen. Wenn du noch etwas willst, kannst du ja nach dem Rennen noch einmal zu mir kommen.“ Was Senna natürlich nicht macht. Amüsiert beobachtet Sennas Teamkollege Gerhard Berger die Szene: „Da hat der Alphawolf dem Herausforderer gezeigt, wo es lang geht.“ Der Zoff geht weiter.

Michael Schumacher: Seine WM-Gegner heute

Das nächste Mal geraten Alphawolf und Herausforderer bei Testfahrten (!) in Hockenheim aneinander. Schon den ganzen Vormittag beharken sich die beiden. Dann, kurz vor dem Einbiegen in die Boxengasse und mit Senna im Nacken, latscht Schumi unvermittelt auf die Bremse. Brake-Testing nennt man das. So prüfen alte Hasen das Reaktionsvermögen von Neulingen. Aber umgekehrt?
Zurück in der Box. Wie ein rot-weißer Blitz schlägt Senna in der Benetton-Box ein. Nebenan springt Nigel Mansell auf eine Werkzeugkiste und spannt rüber zum Nachbarn. Der bekommt gerade die Standpauke seines Lebens. „Du verdammtes deutsches Arschloch. Wenn du mir das nächste Mal im Weg stehst, bring ich dich um!“ Mit gestrecktem Zeigefinger traktiert er dabei Schumis Brust. Ein McLaren-Mitarbeiter geht dazwischen. Zurück im Truck brüllt Senna: „Ich hätte ihm gleich eine auf die Schnauze hauen sollen.“ Schumi reagiert sarkastisch: „Vielleicht wollte er mir eine Halsmassage verpassen.“

Schumi (l.) beim ersten GP nach Sennas Tod 1994

Die große Aussprache gibt's dann doch noch. Im Benetton-Motorhome 20 Minuten lang. Ergebnis: „Es gab da eine Menge Missverständnisse. Gut, dass wir darüber geredet haben“, verrät Schumi. 1992 beendet er die WM vor Senna als Dritter. 1993 wird Senna Vize-Weltmeister. Schumi nur Vierter.
1994 dann das Duell um den Titel. Schumi im Benetton-Ford gegen Senna im Williams-Renault. Der Deutsche siegt in Brasilien. Senna fällt aus. Schumi gewinnt in Aida. Der Brasilianer wird von Häkkinen ins Aus befördert. „Aber Ayrton glaubte, dass Michaels Auto faul war und hat das auch gezielt gestreut“, erzählt Journalistin Karin Sturm. Einer Untersuchung kommt das Horror-Wochenende in Imola zuvor.
Gejagt von Schumi, rast Senna in der Tamburello-Kurve in die Mauer. Eine Spurstange bohrt sich durch seinen Helm. Senna stirbt im Krankenhaus. Schumacher gewinnt das Rennen. Doch er macht sich schwere Vorwürfe. Weint im Benetton-Motorhome, weil er denkt, er hätte Senna in den Tod gehetzt.
Der Beerdigung in Sao Paulo bleibt Schumi trotzdem fern. „Es ist heute noch schwierig, darüber zu reden“, erklärte Schumi einst, „es war das erste Mal, dass ich in meinem Sport mit dem Tod konfrontiert wurde. Ich habe erst einmal eine ganze Weile gezweifelt, ob ich überhaupt mit dem Rennfahren weitermachen wollte.“
Er will. Holt seinen ersten WM-Titel und widmet ihn Ayrton Senna. Seinem einzigen Vorbild, seinem Held!

Fotos: Picture-Alliance

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