Formel E: Agag und Rosberg im Interview
"Vier deutsche Hersteller gab's noch nie!"

Formel-E-Gründer Alejandro Agag und Formel-E-Investor Nico Rosberg sprechen im Doppelinterview mit ABMS über die Elektrorennserie.
Herr Rosberg, Herr Agag, Sie sind Investor und Gründer der Formel E. In Berlin richten Sie, Herr Rosberg, am Rande des E-Prix in Tempelhof das Greentech-Festival aus. Wann und wo haben Sie sich das erste Mal getroffen?
Alejandro Agag (48):In Wien. Nachdem Nico den WM-Pokal 2016 bekommen hat. Danach habe ich mich an seinen Tisch herangerobbt und seine Frau gefragt, ob die Formel E nichts für ihn wäre. Ihre Antwort: Denk noch nicht mal dran! (lacht) Also sprach ich Nico als Investor an.
Nico Rosberg (33): Stimmt. Ich bin fertig mit dem Rennfahren.
Agag:Er ist jetzt ein Unternehmer. Und das aus Leidenschaft.
Alejandro Agag (48):In Wien. Nachdem Nico den WM-Pokal 2016 bekommen hat. Danach habe ich mich an seinen Tisch herangerobbt und seine Frau gefragt, ob die Formel E nichts für ihn wäre. Ihre Antwort: Denk noch nicht mal dran! (lacht) Also sprach ich Nico als Investor an.
Nico Rosberg (33): Stimmt. Ich bin fertig mit dem Rennfahren.
Agag:Er ist jetzt ein Unternehmer. Und das aus Leidenschaft.
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Was gefällt Ihnen an der Formel E, Nico?
Rosberg:E-Mobilität kann extrem faszinierend sein. Der neue Pininfarina Battista, der auf dem Greentech-Festival gezeigt wird, beschleunigt von null auf 100 in 1,9 Sekunden. Mein Formel-1-Auto hat dafür 2,6 Sekunden gebraucht. Deshalb liebe ich die Formel E, weil sie die Königsklasse der E-Mobilität ist, in die Städte zu den Zuschauern geht und den Herstellern hilft, die E-Mobilität weiterzuentwickeln.
Rosberg:E-Mobilität kann extrem faszinierend sein. Der neue Pininfarina Battista, der auf dem Greentech-Festival gezeigt wird, beschleunigt von null auf 100 in 1,9 Sekunden. Mein Formel-1-Auto hat dafür 2,6 Sekunden gebraucht. Deshalb liebe ich die Formel E, weil sie die Königsklasse der E-Mobilität ist, in die Städte zu den Zuschauern geht und den Herstellern hilft, die E-Mobilität weiterzuentwickeln.
Herr Agag, wie hat sich die Formel E seit 2014 entwickelt?
Sie hat all meine Erwartungen übertroffen. Das ist das Ergebnis dessen, wie sich die Welt verändert hat. 2014 gab es 180 000 Elektroautos auf der Welt. Dieses Jahr sind es fast acht Millionen. Was im Vergleich zu insgesamt zwei Milliarden Autos immer noch wenig ist. Aber wenn die Sparte weiter so wächst, haben wir bald 25 Millionen E-Autos. Und in zehn Jahren haben wir 200 Millionen Autos. Die elektrische Revolution der Mobilität passiert – das hilft der Formel E natürlich.
Sie hat all meine Erwartungen übertroffen. Das ist das Ergebnis dessen, wie sich die Welt verändert hat. 2014 gab es 180 000 Elektroautos auf der Welt. Dieses Jahr sind es fast acht Millionen. Was im Vergleich zu insgesamt zwei Milliarden Autos immer noch wenig ist. Aber wenn die Sparte weiter so wächst, haben wir bald 25 Millionen E-Autos. Und in zehn Jahren haben wir 200 Millionen Autos. Die elektrische Revolution der Mobilität passiert – das hilft der Formel E natürlich.

Rosberg und Agag im Doppelinterview
Nein. Ich liebe Tempelhof. Als ich noch Mitglied des Europa-Parlaments war, bin ich immer von Brüssel nach Berlin geflogen. Für mich ist Tempelhof im Stadtzentrum. Es ist so schwierig, diese Rennen in den Stadtzentren zu organisieren. Wir müssen diesen Mix finden, denn unsere Autos werden immer schneller, und wir brauchen bald Auslaufzonen.
Ist es wirklich das, was man will? Mehr Auslaufzonen?
Rosberg:Schnelle Autos sind immer besser, aber Auslaufzonen braucht kein Mensch. Die Formel E sollte jedes Rennen im Monaco-Style ausfahren.
Rosberg:Schnelle Autos sind immer besser, aber Auslaufzonen braucht kein Mensch. Die Formel E sollte jedes Rennen im Monaco-Style ausfahren.
Wie stark sollen die Autos denn werden?
Agag:Der Plan ist, 450 bis 500 PS zu generieren. Das würde auch einen ziemlichen Sprung in der Rundenzeit bedeuten. Bisher haben wir uns von 150 auf 250 kW gesteigert. Das hat sieben Sekunden pro Runde ausgemacht. Wenn wir unsere Reifen auf maximale Performance auslegen würden, könnten wir noch mal bis zu drei Sekunden schneller sein. Aber die Formel E legt ihren Fokus nicht auf Rundenzeit, sondern Effizienz.
Agag:Der Plan ist, 450 bis 500 PS zu generieren. Das würde auch einen ziemlichen Sprung in der Rundenzeit bedeuten. Bisher haben wir uns von 150 auf 250 kW gesteigert. Das hat sieben Sekunden pro Runde ausgemacht. Wenn wir unsere Reifen auf maximale Performance auslegen würden, könnten wir noch mal bis zu drei Sekunden schneller sein. Aber die Formel E legt ihren Fokus nicht auf Rundenzeit, sondern Effizienz.
Herr Rosberg, würden Sie Ihren Ex-Kollegen aus der Formel 1 die Formel E empfehlen?
Rosberg:Klar. Lewis scheint ja schon ein großer E-Mobility-Fan geworden zu sein.
Agag:Ich habe ihn in Bahrain getroffen und schon damit aufgezogen. Wenn Mercedes an Bord ist, werde ich ihn definitiv pushen, in die Formel E zu kommen. Er hat auf Twitter jedenfalls schon geschrieben, dass der Planet vor großen Herausforderungen steht und er Teil der Lösung sein will.
Rosberg:Klar. Lewis scheint ja schon ein großer E-Mobility-Fan geworden zu sein.
Agag:Ich habe ihn in Bahrain getroffen und schon damit aufgezogen. Wenn Mercedes an Bord ist, werde ich ihn definitiv pushen, in die Formel E zu kommen. Er hat auf Twitter jedenfalls schon geschrieben, dass der Planet vor großen Herausforderungen steht und er Teil der Lösung sein will.
Auch um Mick Schumacher gibt es einen Hype. Wäre die Formel E auch für ihn eine Option?
Natürlich habe ich ein Auge auf ihn. Er fährt großartig, hatte eine starke letzte Saison. Aber jeder Fahrer sollte verschiedene Phasen durchlaufen. Er ist jetzt in der Formel-2-Phase. Nico weiß genauso gut wie ich (Agag war Teamchef in der GP2; d. Red.), wie schwierig diese Meisterschaft ist. Wenn er dort Leistung bringt, kann er in die Formel 1, aber auch in die Formel E kommen.
Rosberg:Ich finde es cool zu sehen, wie sich die Formel E mittlerweile als die zweitattraktivste Serie hinter der Formel 1 etabliert hat – auch für Fahrer. Jeder, der aus der Formel 1 aussteigt, denkt jetzt über die Formel E nach.
Agag:Wir haben die zweitbeste Startaufstellung in der Welt. In fünf Jahren sind wir das favorisierte Ziel von Fahrern vor oder nach ihrer F1-Zeit geworden.
Natürlich habe ich ein Auge auf ihn. Er fährt großartig, hatte eine starke letzte Saison. Aber jeder Fahrer sollte verschiedene Phasen durchlaufen. Er ist jetzt in der Formel-2-Phase. Nico weiß genauso gut wie ich (Agag war Teamchef in der GP2; d. Red.), wie schwierig diese Meisterschaft ist. Wenn er dort Leistung bringt, kann er in die Formel 1, aber auch in die Formel E kommen.
Rosberg:Ich finde es cool zu sehen, wie sich die Formel E mittlerweile als die zweitattraktivste Serie hinter der Formel 1 etabliert hat – auch für Fahrer. Jeder, der aus der Formel 1 aussteigt, denkt jetzt über die Formel E nach.
Agag:Wir haben die zweitbeste Startaufstellung in der Welt. In fünf Jahren sind wir das favorisierte Ziel von Fahrern vor oder nach ihrer F1-Zeit geworden.
Wie können Sie die Ausgeglichenheit der Serie aufrecht halten, wenn Mercedes, Porsche und Co. mit ihren Millionen kommen?
Wir haben ja schon acht Hersteller am Start. Mercedes und Porsche werden die Kirsche auf dem Kuchen. Ich freue mich schon auf Berlin 2020, wenn alle vier deutschen Hersteller dabei sind. Alle vier Premiummarken mit Werksengagements in einer Serie, das gab‘s noch nie! Wie wir gleichzeitig verhindern wollen, dass sie den Sport zerstören? Budgetobergrenzen sind schwer zu kontrollieren. Aber wir haben eine Regel, wonach Hersteller ihren Antrieb an zwei Kundenteams verkaufen müssen. Wenn Mercedes 200 Millionen Euro in einen unglaublichen Antrieb investiert, können Gildo Pastor (Venturi) oder Jay Penske (Dragon) sagen: Ich will das Teil in meinem Auto. Mercedes ist dann verpflichtet, ihnen dieselbe Version zu geben, die sie selbst fahren – für einen Maximalpreis von 800 000 Euro pro Jahr.
Wir haben ja schon acht Hersteller am Start. Mercedes und Porsche werden die Kirsche auf dem Kuchen. Ich freue mich schon auf Berlin 2020, wenn alle vier deutschen Hersteller dabei sind. Alle vier Premiummarken mit Werksengagements in einer Serie, das gab‘s noch nie! Wie wir gleichzeitig verhindern wollen, dass sie den Sport zerstören? Budgetobergrenzen sind schwer zu kontrollieren. Aber wir haben eine Regel, wonach Hersteller ihren Antrieb an zwei Kundenteams verkaufen müssen. Wenn Mercedes 200 Millionen Euro in einen unglaublichen Antrieb investiert, können Gildo Pastor (Venturi) oder Jay Penske (Dragon) sagen: Ich will das Teil in meinem Auto. Mercedes ist dann verpflichtet, ihnen dieselbe Version zu geben, die sie selbst fahren – für einen Maximalpreis von 800 000 Euro pro Jahr.
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