Beim Auftakt der Formel-E-WM in Saudi-Arabien überschlugen sich die Meldungen. Negativer Höhepunkt: ein Raketenangriff auf die Hauptstadt Riad, vor deren Toren die ersten beiden ersten ePrixs der siebten Saison ausgetragen wurde.
Wie mehrere Nachrichtenagenturen berichten, fing die Arabische Koalition kurz nach der Siegerehrung mehrere Geschosse ab. Das Staatsfernsehen bestätigte einen vereitelten Angriff und abgefangene Flugkörper.
Ein Sprecher machte die jemenitische Huthi-Miliz für den Angriff verantwortlich. Seit mehreren Jahren halten die Spannungen im Nahen Osten zwischen Saudi-Arabien, dem Jemen und dem Iran nun schon an. Nun war auch die Formel E mittendrin. Ein Umstand, der Fragen aufwirft.

Formel E nicht das Ziel der Luftangriffe

Denn Saudi-Arabien steht wegen seiner Konflikte und der Missachtung grundlegender Menschenrechte immer wieder in der Kritik. Können millionenschwere Antrittsgelder wirklich rechtfertigen, dass Formel E und später im Jahr auch die Formel 1 dort fahren?
Allerdings: Stand jetzt deutet nichts darauf hin, dass die Elektroserie Ziel des Luftangriffs gewesen sein könnte. Im Fahrerlager haben die Protagonisten von der Terror-Attacke wenig mitbekommen.

Zwei Horrorcrashs am Samstag

Formel E
Nyck de Vries ist derzeit Tabellenführer
Dort war die Formel-E-Gemeinde immer noch geschockt von zwei Horror-Crashs. Das Samstagsrennen musste vorzeitig abgebrochen werden, weil der Brite Alex Lynn (Mahindra) sich nach einem Zweikampf mit Mitch Evans (Jaguar) überschlagen hatte. Lynn war in Evans Heck gerauscht, aufgestiegen und kopfüber erst im Fangzaun, dann auf dem Asphalt gelandet und noch mehrere Meter weit gerutscht. Augenzeugen sprachen vom schlimmsten Unfall der Formel-E-Geschichte. Auf den TV-Bildern war der Crash nicht zu sehen.
Evans berichtete später: „Alex traf mein Hinterrad und hatte einen Unfall, der an einen Flugzeugabsturz erinnerte. Das war ziemlich übel.“ Der Brite wurde ins Krankenhaus gebracht, mittlerweile hat sein Team Entwarnung gegeben und Lynn konnte das Krankenhaus verlassen.
Bereits am Vormittag war an selber Stelle Venturi-Pilot Edoardo Mortara bei einer Startübung verunglückt. Sein Mercedes-Elektroantrieb (maximal 340 PS) hatte unvermindert Vollgas gegeben, obwohl der Schweizer auf die Bremse stieg. Mit Tempo 140 krachte er frontal in die Barriere.
Beim Einschlag wirkte das 50-fache des eigenen Körpergewichts auf den ehemaligen DTM-Star. „Der schwerste Unfall meiner Karriere“, konstatierte er später. Im Rennen wollte Mortara nach einem Check im Krankenhaus schon wieder antreten – doch das Auto konnte nicht rechtzeitig repariert werden.

Mercedes gewinnt Auftakt

Immerhin: Der Crash vereitelte eine ähnliche Mercedes-Dominanz, wie sie die Formel 1 seit 2014 kennt. Das erste Rennen am Freitag hatte Mercedes-Pilot Nyck de Vries überlegen gewonnen. Doch wegen des Unfalls vom Kundenteam Venturi – dort ist Toto Wolffs Ehefrau Susie Teamchefin (!) – durften auch die beiden Mercedes-Rennwagen von de Vries und Stoffel Vandoorne nicht ins Qualifying starten. Grund: Erst mussten auf Anweisung der Rennleitung die Software-Probleme identifiziert und beseitigt werden.
Nissan-Pilot Oliver Rowland hatte zuvor schon befürchtet: „Mercedes ist stark, hoffentlich artet das nicht in Formel-1-Verhältnisse aus.“ Nyck de Vries führt die Meisterschaft nun mit sieben Punkten Vorsprung auf den Abbruchsieger des Samstags, Sam Bird (Jaguar), an.
Und die vier Deutschen? Für sie lief es eher mittelmäßig. DTM-Meister René Rast (Tabellenplatz acht/Audi) beeindruckte am Freitag mit Platz vier, wurde am Samstag nach einer Strafe aber nur 17. Pascal Wehrlein (Porsche) belegte die Plätze fünf und zehn – hatte aber auch mehr erwartet. Sein Teamkollege André Lotterer kam nie in die Top Ten (Platz 16 und Platz 11). Und Maximilian Günther musste seinen BMW in beiden Rennen nach zwei selbstverschuldeten Unfällen abstellen.
Zeit zum Durchatmen für die Deutschen und die Formel E. Weiter geht's am 10. April in Rom.